14. August 2018, 18:00 Uhr

Keine Schmerzen

Künftig ohne Krücken

Mit 15 konnte Valmir zum ersten Mal hüpfen. Jetzt ist er 16 und übt gehen. In zwei Operationen wurde seine angeborene Beckenfehlstellung ausgeglichen – Helfern aus Ettingshausen sei Dank. .
14. August 2018, 18:00 Uhr
Hüften, Rücken und sogar der Kiefer müssen ins Lot gebracht werden. Osteopath Toni Tiniakos hilft Valmir auch nach der zweiten Hüft-OP, wieder möglichst schnell auf die Beine zu kommen. (Foto:us)

Valmir strahlt über das ganze Gesicht. Er hat keine Schmerzen. Seine Hüften sind jetzt gerade. An einer Krücke kann er schon ziemlich gut laufen.

Zum zweiten Mal ist der 16-Jährige aus dem Kosovo an der Städtischen Klinik Dortmund operiert worden und, wie es ausschaut, zum zweiten Mal mit Erfolg.

Möglich gemacht hat es ein Netzwerk aus Helfern, in dem Heide Lewinski die Fäden in der Hand hält. Die Bewohnerin der Flugplatzsiedling von Ettingshausen kennt Valmir aus der Zeit, in der er mit seinen Eltern und Geschwistern nebenan in der Flüchtlingsunterkunft lebte.

Probleme mit dem Visum

Zwar musste die ganze Familie Deutschland 2016 wieder verlassen. Aber Valmir, der mit einem schweren Hüftschaden zur Welt gekommen ist, durfte nun schon zum zweiten Mal für die notwendige medizinische Behandlung, eine dreifache Beckenosteotomie, zurückkehren. Erst Ende September wird er in den Kosovo zurückkehren. Zahlreiche Helfer, Spender und Sponsoren sorgen dafür, dass er sich bis dahin möglichst gut erholen kann.

Dabei hatte es eine Zeitlang so ausgesehen, als ob die von langer Hand geplante Operation nicht stattfinden könnte. »Die deutsche Botschaft in Pristina hat es leider sehr spannend gemacht«, bedauert Heide Lewinski. Obwohl die Anfrage bereits im Januar gestellt wurde, bekamen Valmir und sein Vater erst für den 11. Juni einen Termin zur Visa-Beantragung.

Zehn Tage später dann der Schock: Das Visum für Valmir wurde genehmigt, das für seinen Vater Ali jedoch nicht. Und ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten hätte der Jugendliche nicht operiert werden können. Sollte all die Mühe umsonst gewesen sein?

Ehrenamtliche lässt nicht locker

Heide Lewinski hängte sich ans Telefon, mobilisierte alle möglichen Kontakte, wandte sich an heimische Bundestagsabgeordnete, kontaktierte die AWO Nürnberg und deren Außenstelle für Rückkehrer in Pristina. Eine Woche vor dem OP-Termin gelang es schließlich, das notwendige Visum doch noch zu ergattern. »Hier wird ehrenamtliche Arbeit richtig schwer gemacht«, bedauert die Helferin, die Valmir und seinen Vater ins Krankenhaus in Dortmund begleitet hat.

Am 3. Juli um 7 Uhr lag Valmir auf dem OP-Tisch. Sechs Stunden später waren die Schrauben von der OP im letzten Jahr aus seiner rechten Hüfte entfernt, der linke Beckenknochen dreifach durchtrennt, korrigiert und mit Schrauben fixiert und der Oberschenkelknochen um zwei Zentimeter gekürzt, so dass beide Beine nun annähernd gleich lang sind.

Schon drei Tage später brauchte der Junge keine Schmerzmittel mehr, fünf Tage nach der Operation durfte er zum ersten Mal aufstehen. Weil er sich so rasch erholte, konnte er das Krankenhaus schon einen Tag eher verlassen.

Wieder ein Zuhause auf Zeit

Am 12. Juli bezog er mit seinem Vater sein Zuhause auf Zeit bei Werner Becker in Nieder-Bessingen. Und als er am 30. Juli im Garten der Familie Keil in Ettingshausen seinen 16. Geburtstag feierte, humpelte er schon fröhlich auf zwei Krücken umher.

Bei ihm war alles schief. Die Hüfte, der Rücken, der Kiefer und sogar die inneren Organe

Toni Tiniakos

Zweimal wöchentlich besucht Valmir, der fließend Deutsch spricht, die Praxis von Toni und Kerstin Tiniakos in der Flugplatzsiedlung. Die Physiotherapeutin und der Osteopath haben den Jungen schon im vergangenen Jahr kostenlos behandelt und tun dies nun wieder.

»Bei ihm war alles schief«, sagt Toni Tiniakos. »Die Hüfte, der Rücken, der Kiefer und sogar die inneren Organe.« Valmir befinde sich noch im Wachstum, deshalb sei es besonders wichtig, den Körper wieder gerade auszurichten. Der junge Patient jedenfalls ist seine Therapeuten von Herzen dankbar.

»Ich fühle mich immer fitter, wenn ich hier rausgehe«, schwärmt er. Und er macht zu Hause all die Übungen, die im aufgetragen werden. »Es ist auch für die Ehrenamtlichen schön, dass er so diszipliniert mitarbeitet«, sagt Heide Lewinski.

Unterschiedlich lange Beine

In den kommenden Wochen hat Valmir weitere Termine. Bei Footpower in Gießen bekommt er passende Einlagen, beim Grünberger Orthopädie-Schuhmacher Keller einen Sohlenausgleich, denn seine unterschiedlichen Beinlängen konnten durch die Operationen nicht komplett ausgeglichen werden.

Zu einer Kontrolluntersuchung wird er in der Asklepios-Klinik in Lich erwartet und am 17. September werden seine Ärzte in Dortmund abschließend beurteilen, wie sich ihr Patient entwickelt hat. Ende September geht es zurück in den Kosovo, wo Valmir eine weiterführende Schule mit medizinischem Schwerpunkt besuchen wird.

Seine Krücken wird er mit nach Hause nehmen. Aber nicht, um sie zu benutzen. »Ich will sie einem Krankenhaus spenden.«

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