Kreis Gießen

Kreis sagt Nein zu einer Tribüne in der Turnhalle der Lindener Anne-Frank-Schule

Der Gießener Kreistag beschließt den Sporthallen-Neubau an der Gesamtschule in Linden. Und zwar ohne die von den Vereinen gewünschte Tribüne.
12. September 2018, 16:15 Uhr
Rüdiger Soßdorf
Mit oder ohne Tribüne? Die alte Sporthalle an der Anne-Frank-Schule hat eine, im Neubau ist keine mehr vorgesehen.	(Foto: se)
Mit oder ohne Tribüne? Die alte Sporthalle an der Anne-Frank-Schule hat eine, im Neubau ist keine mehr vorgesehen. (Foto: se)

Gießen/Linden (so). Wenn sich die Stadt Linden nicht bewegt oder eine Lösung gefunden wird, um die Tribüne billiger zu machen, dann war’s das. Dann wird die neue Turnhalle an der Anne-Frank-Schule in Großen-Linden vom Landkreis im nächsten Jahr ohne Zuschauertribüne gebaut. Das hat der Gießener Kreistag am Montag mit breiter Mehrheit entschieden. Zu hoch erschien den meisten der Aufpreis von fast 480 000 Euro für die 150 Sitzplätze, zu gering der Nutzen für den Schulsport.

 

Wer die Tribüne will, soll sie bezahlen

Klares Signal aus der Kreispolitik an die Stadt: Wird von Linden eine Tribüne gewünscht, dann hat Linden auch die Mehrkosten für dieses Extra zu tragen. Wer bestellt, der bezahlt. Dies auch mit Blick auf die ohnehin gegenüber ersten Schätzungen deutlich gestiegenen Baukosten: Waren ursprünglich 2,8 Millionen Euro als Größenordnung für die Zweifelder-Sporthalle genannt, so werden jetzt 3,7 Millionen dafür aufgerufen – ohne Tribüne, wohlgemerkt.

 

Stadt mit 25 Prozent beim Neubau dabei

Der Kreis ist Bauherr; die Standortkommune wird an den Kosten mit 25 Prozent beteiligt. Diese Regel gibt es seit 2011, darüber gibt es zwischen Stadt und Kreis nach langen Querelen und zähem Hin und Her seit März dieses Jahres einen Vertrag.

Signal aus Linden, so vergangene Woche von den Stadtverordneten beschlossen: Die Stadt will sich nur dann mit 25 Prozent an den Baukosten beteiligen, wenn es auch eine Tribüne gibt. Des Weiteren will die Stadt einen Kostendeckel von 4,1 Millionen Euro draufsetzen und hat zudem beschlossen, sich an Wartung/Instandhaltung der Halle nicht zu beteiligen. »Schade, dass auf den letzten Metern noch Probleme mit der Stadt Linden aufgetreten sind«, kommentiert dies Baudezernentin Dr. Christiane Schmahl (Grüne).

 

CDU steht hinter der Tribüne

Die CDU-Opposition im Kreis war nochmals darum bemüht, die Interessen der Stadt Linden zu vertreten und eine Lösung zu finden. Ihr Vorschlag: Die Tribüne wird gebaut, die Stadt Linden beteiligt sich auch daran mit 25 Prozent. Sollte dies ohne Mehrheit bleiben, dann sollten sich Kreis und Stadt um einen Kompromiss bemühen. Martin Hanika führte nochmals auch die Interessen der Schulgemeinde an einer voll ausgestatteten Sporthalle an: »Es sind doch unsere Kinder, unsere Schüler!« Doch die Vorschläge der CDU blieben ohne Mehrheit.

 

Kostensteigerung

Ein Vorwurf, den sich Linden erneut anhören musste: Die Stadt sei an der Kostensteigerung nicht unschuldig. »Ohne das jahrelange Zögern hätten sie es billiger bekommen«, wetterte Sozialdemokratin Elke Högy. Jetzt seien die Preise auf dem Bausektor eben deutlich höher. Und zielte zugleich auf den früheren Lindener Bürgermeister und langjährigen Kreistagsabgeordneten Dr. Ulrich Lenz (CDU): »Sie haben den Vertrag zwischen Kreis und Stadt seit 2011 boykottiert!« Dessen kurzer Kommentar, ohne sich auf die Sache weiter einzulassen: »So isses!«

Argumentation der Mehrheit: Eine Tribüne ist für den Schulsport nicht nötig, auch andere Schulen kommen ohne aus. Für eine Einschulungsfeier einmal im Jahr oder jedes halbe Jahr ein Turnier sei eine Tribüne vielleicht wünschenswert, aber schlicht zu teuer. Für diese seltenen Anlässe könne man auch, wenn nötig, in andere Hallen ausweichen.

 

Knappe halbe Million für 150 Sitzplätze

Und noch einmal Elke Högy (SPD): »So lange es noch irgendwo in einen Klassenraum reinregnet, bauen wir keine Tribüne für knapp eine halbe Million. Wir haben noch 53 weitere Schulen!«

Klares Signal der Bau- und Schuldezernentin Christiane Schmahl: Wenn die Stadt Linden eine Tribüne für ihre Vereine will, dann muss sie auch die Kosten tragen. Schmahl verwies in der teils emotional geführten Debatte auf den Vertrag, der dies genauso regelt – und an den sich der Kreis auch halten wolle. Das Verhalten der Stadt nannte sie ein »Pokerspiel«.

 

König will »Plan B« suchen

Es gibt jedoch noch ein kleines Zeitfenster bis Anfang Oktober, in dem in der Sache nachjustiert werden kann. Das weiß auch Bürgermeister Jörg König (CDU), der den Beschluss des Kreises bedauert, nach wie vor aber den Dialog mit dem Kreis sucht. Er erinnert daran, dass in der jetzigen Halle eine Tribüne vorhanden ist, diesen Status wolle man halten – auch im schulischen Interesse. Die Anne-Frank-Schule solle attraktiv sein und werden. König kündigte gestern an, im Dialog mit dem Kreis nach einem Plan B schauen zu wollen. Dafür gebe es weiteren Gesprächsbedarf. Denn auch König sieht: Fast eine halbe Million für 150 Sitzplätze – das ist zu teuer: »Da müssen wir runter.«