26. Februar 2018, 05:05 Uhr

Wolfsland!?

Kommt der Wolf nach Hessen zurück?

Wölfe sind auch im Kreis Gießen immer wieder auf der Durchreise. Doch sie sorgen für Fragen. Experte Battefeld hat Antworten. Er räumte mehrere falsche Vermutungen aus.
26. Februar 2018, 05:05 Uhr
In Hessen durchziehende Isegrims kommen wahrscheinlich aus der polnisch-ostdeutschen oder einer alpinen Wolfspopulation. (Archiv-Foto: Tiergarten Weilburg)

»Der Wolf ist wieder da« oder »Der Wolf ist zurück«, hieß es, als im Landkreis Gießen ein Tier dieses Aussehens gesichtet wurde – etwa vorigen Sommer in Biebertal. Was bedeutet »da« oder »zurück«? Mitte des 19. Jahrhunderts war das Raubtier auf dem Gebiet des heutigen Hessen ausgerottet. Wie kommt ein Wolf jetzt wieder nach Mittelhessen? Das will die Fraktion der Kreistags-Grünen genauer wissen. Klaus Ulrich Battefeld, Referatsleiter für Artenschutz und Naturschutz beim Hessischen Umweltministerium, stand im Kulturzentrum Hungen Rede und Antwort.

 

Tierhalter und -Züchter fragen nach Gefahren

 

Im Kultursaal reichten die Sitzplätze nicht – so groß ist das Interesse an dem Thema. Die Zuhörer kamen von überall her: Ein Hobby-Schafhalter kam aus Beuern, aber auch Schafzüchter Hubertus Dissen (Kassel), der sich als zweiter Vorsitzender des Hessischen Schafzuchtverbands vorstellte.

Rinderzüchter Nikolai Hampel vom Sonnenhof Schotten beklagte die mutmaßlich zu geringe Wertschätzung für biologisch erzeugte Lebensmittel. Vom Rotwildhegering aus Waldsolms wollte jemand wissen, wieviel Tiere auf 100 Hektar durch den Wolf gefährdet seien. So viel Statistik hat das 2015 begonnene Wolfsmanagement des Umweltministeriums noch nicht parat, aber Battefeld konnte klipp und klar feststellen, dass Wölfe nirgendwo ausgewildert würden wie einst der Luchs im Bayerischen Wald. Der aus einer nordhessischen Försterdynastie stammende Referent ist von Amts wegen für den gemäß EU- und Bundesgesetz streng geschützten Wolf zuständig.

 

Einer lebt im Reinhardswald

 

Aufgrund aller bisherigen Wolfsbeobachtungen in Hessen stellt er fest: Bis auf eine Ausnahme sind das »Streifwölfe«. Zwischen 2006 und 2011 sei im Reinhardswald ein Wolfsrüde sesshaft gewesen. In Hessen durchziehende Isegrims kommen wahrscheinlich aus der polnisch-ostdeutschen oder der alpinen Wolfspopulation. In der Regel sucht ein Rüde eine Partnerin zwecks Familiengründung. Battefeld erläutert, der Begriff Wolfsrudel sei aufgrund von Kinofilmen fälschlicherweise mit einer Vielzahl Tiere besetzt. Rudel definiere einen Familienverband aus Elternpaar, bis zu sechs Welpen und ein, zwei Fähen aus dem Vorjahr.

Dieser Familienverband benötigt eine Reviergröße von 150 bis 350 Quadratkilometer Fläche, am liebsten Heide- oder heideähnliche Landschaft mit viel Buschwerk. Hochwälder wie der Krofdorfer Forst bieten zu wenig Deckung. Das Rudel bewegt sich auf dieser Fläche unentwegt. Als überwiegend nachtaktives Tier legt ein Wolf bis zu 30 Kilometer zurück. Moderne Landwirtschaft und hoher Stickstoffanteil im Waldboden sorgten für ständig ausreichende Wilddichte. Das Nahrungsangebot für den Wolf stimme also, sagt Battefeld.

 

Schafe und Ziegen leichte Beute

 

Leichtere Beute seien dem Wolf jedoch Schafe oder Ziegen in Freilandhaltung. Deren Züchter sind deshalb in Sorge. Rinder und Pferde eher weniger. Von Natur aus meidet der Wolf Menschen, Trubel, Straßenverkehr, Ärger und elektrischen Strom, insofern durch Bebauung und Verkehrsadern zersiedeltes Gebiet. Der Wolf als intelligentes Wesen ist lern- und anpassungsfähig.

Dass Mittelhessen aber einmal Zentrum eines Wolfsreviers wird, kann man gemäß Battefelds Informationen ausschließen. Und was meinte der Artenschützer zur Frage wenn ein Tier tatsächlich zum »Problemwolf« würde? Dann müsse es entfernt werden, denn auch und gerade »das Wolfsleben ist kein Ponyhof«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Experten
  • Kulturzentrum Hungen
  • Schafe
  • Schafzüchter
  • Ziegen
  • Hungen
  • Volker Heller
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.