Kleinod wird Allgemeingut

12. April 2018, 22:13 Uhr
Präsentation der »neuen« Villinger Chronik auf Hof Grass mit (v. l.) Otto Rühl, Pfarrer Hartmut Lemp, Ulrich Kammer, Erhard Eller und Hans Schottky. (Foto: tr)

Das Archiv der Gemeinde Villingen birgt als besonderes Kleinod ein Chronikbuch aus dem 18. Jahrhundert. Als Titel dient ihr erster Eintrag mit einem Ereignis aus dem Jahr 1606. Tatsächlich beschreibt ein unbekannter Chronist die Geschichte seines Dorfes von grauer Vorzeit bis zum Jahr 1761; Einträge von späterer Hand reichen bis in das 19. Jahrhundert. Gedruckt und mit ausführlichen Erläuterungen versehen wurde diese Chronik um 1980 von Friedrich Prokosch aus Hungen herausgebracht.

Der heimatkundliche Arbeitskreis Villingen – bestehend aus Heinz P. Probst, Otto Rühl, Wilhelm Konrad, Ulrich Kammer und Hans Schottky – hat seitdem durch Veröffentlichungen in den Villinger Heften und durch Herausgabe der Gerichtsbücher von 1542 bis 1800 immer wieder Bezüge zur Chronik beobachtet. Hierbei wurden auch Irrtümer des Chronisten und dessen bisherigen Bearbeiters entdeckt. Dies führte zum Entschluss, die Chronik nach dem Stand der Forschung neu herauszugeben. Die Einleitung beschreibt den geschichtlichen Rahmen, in dem sich der Hauptchronist bewegte.

Außerdem lassen die Eintragungen Schlüsse auf die Persönlichkeit des Verfassers zu: Er tritt tapfer ein für herkömmliches Recht und wagt Kritik an der landesherrlichen Obrigkeit, wenn sie gemeindliche Rechte beeinträchtigt. Sein religiöses Profil lässt ihn als gestrengen protestantisch-reformierten Moralisten erkennen. Der Chroniktext selbst wird zweispaltig dargeboten, links im Original, rechts in hochdeutscher Fassung.

Prokoschs Erläuterungen werden überarbeitet als alphabetischer Glossar wiedergegeben. Genauere Schriftvergleiche mit Gemeinderechnungen ermöglichten, den Verfasser mit größter Sicherheit zu bestimmen: Conrad Zimmer (1687 – 1772), der sich mehrmals als Gerichtsschöffe bezeichnete. Das Familienbuch Villingen weist ihn aus als Glied einer bedeutenden Dorfsippe. Sein Vater, Sohn und Enkel bekleideten ebenfalls hohe Dorfämter. Belebt werden die Texte durch Schriftproben des Originals und geeignete Abbildungen aus dem Fotoarchiv der Gemeinde Villingen. Insgesamt umfasst das Buch 144 Seiten. Am Mittwochnachmittag wurde das Werk im Stadtarchiv Hungen auf Hof Grass präsentiert.

Erhältlich ist die Chronik (in den Formaten DIN A4 zu 10 Euro, DIN A5 zu 6 Euro, bei Versand jeweils zuzüglich 1,50 Euro) bei Otto Rühl (Tel. 0 64 02/23 78, E-Mail an ao.ruehl@t-online.de). Das Buch kann in Villingen im Tegut-Laden, in der Geschäftsstelle der Sparkasse Laubach-Hungen und in der Geschäftsstelle der Volksbank Mittelhessen besichtigt und bestellt werden.

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