31. August 2018, 18:30 Uhr

Die Filmkritik

»Kindeswohl« hinterlässt einen eher schwachen Eindruck

Unser Filmkritiker Sascha Jouini gibt dem Film von Regisseur Richard Eyre nur eine mittelmäßige Kritik. Die Handlung ist nicht überzeugend und wirkt zu konstruiert.
31. August 2018, 18:30 Uhr
Foto: Concorde Filmverleih GmbH/dpa

Basierend auf dem gleichnamigen Romanbestseller von Ian McEwan, scheint der Stoff vielversprechend: Da ist zum einen die Ehekrise des seit 20 Jahren verheirateten Londoner Bildungsbürgerpaars Fiona (Emma Thompson) und Jack (Stanley Tucci). Hinzu kommt der Gerichtsfall des leukämiekranken Jugendlichen Adam (Fionn Whitehead), über den Fiona als Familienrichterin entscheiden muss.

Regisseur Richard Eyre verknüpft die beiden Ebenen nur streckenweise überzeugend. Mitunter wirkt das Drama rührselig, zudem entbehrt es jeden Realismus, wie Fiona daran scheitert, Beruf und Privatsphäre voneinander zu trennen.

 

Ja oder nein zu Bluttransfusion

 

Die Perspektive des Regisseurs zeigt sich unmissverständlich klar: Der 17-jährige Adam und dessen Eltern, verbissene Zeugen Jehovas, sind auf Abwege geraten, wenn sie glauben, für die Wahrheit zu kämpfen. Einer medizinisch notwendigen Bluttransfusion stemmen sie sich entgegen, sei Blut als Ort der Seele doch etwas Unantastbares, liege es zudem allein in Gottes Hand, über Leben und Tod zu entscheiden.

Fionas Aufgabe ist es zu urteilen, ob die Religiosität des Minderjährigen höher wiegt als seine Gesundheit. Knapp ein Jahr zuvor hatte sie einen ähnlich gelagerten Fall: Die orthodoxen Eltern siamesischer Zwillinge waren gegen eine Operation, die immerhin einem der Kinder das Leben gerettet haben könnte.

 

Richterin im Dilemma

 

Moralisch heikel ist weniger das Urteil, das Fiona fällt, als vielmehr der Umstand, dass sie Kontakt zu Adam aufnimmt, um seine Sichtweise persönlich zu hören. Die Richterin schlittert in ein unlösbares Dilemma hinein: Egal wie sie sich verhält, kann es negative Folgen für den Jugendlichen haben.

 

Film wirkt uninspiriert

 

Unterstrichen durch beschauliche Klaviermusik, versucht Eyre den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen über den schwierigen ethischen Aspekt – mit mäßigem Erfolg. Wie Fiona Sympathie entwickelt für Adam, dabei unprofessionell die Distanz verliert, mutet konstruiert an. Auch der Eheaspekt vermag nicht sonderlich zu animieren, so hingebungsvoll Emma Thompson und Stanley Tucci das Paar auch spielen: Der Regisseur porträtiert uninspiriert zwei Anfangsechziger, die sich voneinander entfernt haben, seit Jahren in ihrer eigenen Welt leben. Abgesehen von Jacks Wunsch nach einer Affäre ist da keinerlei Bewegung, vielmehr ödet die starre Routine an. Wie sich Intellektuelle durch beruflichen Druck entfremden, auch ihr sexuelles Interesse schwindet, haben viele andere Regisseure schon differenzierter beleuchtet. So hinterlässt der Film trotz guter Ansätze nur einen mittelmäßigen Eindruck. Sascha Jouini

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