31. Mai 2018, 20:22 Uhr

Kindergarten am Einkaufsmarkt

31. Mai 2018, 20:22 Uhr

Den Nachwuchs in den Kindergarten bringen, anschließend nebenan zum Arzt gehen, einkaufen oder eine Runde im Fitnessstudio trainieren – das könnte in Annerod bald möglich sein. Westlich der Großen-Busecker Straße, auf der Jägersplatt. Zwei Projektierer haben Interesse, dort ein Nahversorgungszentrum samt Betreuungseinrichtung zu bauen – die in Gießen ansässige Imaxx-Projektentwicklungsgesellschaft und die Kropp GmbH aus Großenlüder. Geschäftsführer und Architekten stellten ihre Pläne am Dienstagabend in der Sitzung von Bau- und Sozialausschuss vor. Was bei den politischen Entscheidungsträgern gar nicht gut ankam: Der Kindergarten soll direkt an der Hauptstraße entstehen.

Aber der Reihe nach: Dort, wo sich derzeit die Einfahrt zum Neubaugebiet auf der Jägersplatt befindet, soll das Vorhaben umgesetzt werden. Linker Hand, direkt an der Großen-Busecker-Straße, auf der an dieser Stelle ein Kreisverkehr gebaut wird. Es handelt sich um ein Areal von 8100 Quadratmetern, das die Investoren beplant haben. Auf diesem soll im vorderen Bereich ein Kindergarten, dahinter ein Einkaufsmarkt errichtet werden. Norma hat offenbar starkes Interesse bekundet. Laut des für die Kropp-Gruppe tätigen Architekten Dieter Warter stehe der Discounter »Gewehr bei Fuß«, vertragliche Eckpunkte seien bereits fixiert worden. Bürgermeister Stefan Bechthold bestätigte: »Eine ernsthafte Absichtserklärung von Norma liegt bei uns vor.« Imaxx-Geschäftsführer Jochen Ahl zeigte sich nicht ganz so optimistisch: »Es ist noch nicht ganz sicher, aber wir sind nah dran.«

Lebenshilfe als Kita-Betreiber?

Geht es nach der Imaxx, könnte auf dem Gelände auch noch ein weiteres, kleineres Gebäude Platz finden, das Raum für Bäcker und Metzger bietet. Rechter Hand der Zufahrt zum Neubaugebiet würde Ahl gerne auf einem zweiten Gelände ein Ärztehaus oder Seniorenwohnen verwirklichen. Mit interessierten Medizinern sei bereits gesprochen worden, ebenso mit anderen potenziellen Mietern. Aus Sicht von Ahl und Architekt Felix Feldmann soll das Nahversorgungszentrum Dorfplatzcharakter haben.

Während die Gießener mit zwei eingeschossigen Gebäuden planen, gehen die Investoren aus Großenlüder in die Höhe: Über dem Einkaufsmarkt ist ein Fitnessstudio vorgesehen, für interessierte Ärzte sieht Oliver Kropp (Geschäftsleitung Kropp GmbH) räumliche Möglichkeiten über der Kindertagesstätte, ebenso für eine Apotheke. Wenn Bäcker oder andere lokale Partner Interesse zeigen, will er auch diese unterbringen.

Dass der Kindergarten und nicht der Einkaufsmarkt an der Straße stehen soll, stieß bei den Kommunalpolitikern auf Kritik. »Warum tauschen Sie nicht einfach die Gebäude,« wollte Peter Steil (FDP) wissen. Das hielt auch Gisela Papstein (Grüne) mit Blick auf die Verkehrsentwicklung für sinnvoll. Fraktionskollege Martin Tasci-Lempe meinte: »Dann dient der Nahversorger gleich als Lärmschutz für die Kita.« Ahl hält den Tausch für schwierig. Zum einen, weil Freiflächen im Kita-Bereich verloren gingen. Zum anderen aus Sicherheitsgründen (Stichwort: Anliefer-Verkehr). Denn der Weg zur Kita soll wie der zum Einkaufsmarkt über den Parkplatz führen.

»Nur eine Zu- und Abfahrt für beide Objekte, das kann ich mir sehr schwer vorstellen«, kritisierte Traudel Balser (FW). Doch andere Möglichkeiten gibt es laut Ahl nicht. Enttäuscht, dass das Ganze »noch nicht in trockenen Tüchern ist«, zeigte sich FDP-Mann Steil, der außerdem die durch das Nahversorgungszentrum entstehende Konkurrenzsituation für bereits existierende Betriebe ansprach. Was die Kindertagesstätte angeht, die Fernwald vier weitere Gruppen bringen wird, könnte die Lebenshilfe ein möglicher Betreiber sein.

Die Fraktion der Freien Wähler hatte im März eine Prüfung dahingehend beantragt, inwieweit die Möglichkeit besteht, die Einrichtung durch einen Externen führen zu lassen. Seitens der Lebenshilfe informierten Geschäftsführer Dirk Oßwald und die Bereichsleiterin der Kindertagesstätten, Dr. Rebecca Neuburger-Hees, über den Verein, der seit mehr als 40 Jahren Erfahrung mit Betreuungseinrichtungen hat. Vorteil dieses Modells: geringere Kosten. Freie Träger bekommen vom Land höhere Pauschalen als Kommunen. Die Lebenshilfe hat zudem Zugang zu Fördermitteln über die Aktion Mensch. Ein weiterer Pluspunkt: Der Verein könnte auch den Waldkindergarten betreiben, über dessen Einrichtung in den Gremien bereits diskutiert wurde.

Zwar dienten die Präsentationen nur der Information. Auf GAZ-Anfrage erklärte Bechthold später aber, dass er noch in diesem Jahr mit dem Satzungsbeschluss rechnet. (Fotos: pm)

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