14. Juni 2018, 05:00 Uhr

Windräder

Kein Windrad in Fernwald

Die Gemeindevertretung hat mit großer Mehrheit gegen einen Pachtvertrag mit Windkraft-Investoren votiert. Die Gründe dafür waren ganz unterschiedlich.
14. Juni 2018, 05:00 Uhr
Fünf minus eins macht (maximal) vier: Das Windrad auf Fernwalder Gemarkung (ganz links) wird es nicht geben. (Fotomontage: pm)

Zu laut, nicht schön anzusehen und schlecht für die Immobilienpreise im Ort. So lauteten auf den Punkt gebracht die Hauptargumente der Bürger gegen ein Windrad auf Fernwalder Gemarkung. Bei den politischen Entscheidungsträgern ist diese Botschaft angekommen. Mit deutlicher Mehrheit (19/3) votierte die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung am Dienstagabend gegen den Abschluss eines Pachtvertrag mit den Investoren des Windpark Höhlerberges.

Unterschiedliche Ablehnungsgründe

Ganz unterschiedlich die Gründe: Die CDU beispielsweise befürchtete, dass die Fernwalder Fläche nur zur Sicherung der anderen Anlagen benötigt und gar kein Windrad auf Gemeindegebiet gebaut wird. In diesem Fall bekäme die Kommune laut Mathias Klose nur eine finanzielle Entschädigung. Die falle aber viel geringer aus, als mögliche Pachteinnahmen. Zudem wäre die Fläche nicht mehr anderweitig nutzbar. »Ich möchte nicht jeden Morgen aufstehen, die Windräder sehen und mich ärgern, dass wir davon nicht profitieren«, warb Mark Reitmeier (CDU) deshalb für einen Änderungsantrag seiner Fraktion. Dieser sah vor, die entsprechende Klausel aus dem auf 25 Jahre ausgelegten Vertrag herauszunehmen, wurde allerdings mehrheitlich abgelehnt.

Ortsteildenken befürchtet

Das ganze Geld nicht wert sei der Ärger, den die Windkraft mit sich bringe, erklärte Peter Steil (FDP). Die Ablehnung in der Bevölkerung sei groß, ebenso die Belastung der Betroffenen. Er befürchtete ein Erstarken des Ortsteildenkens nach dem Motto: »Albach bekommt die Feuerwehr geschlossen, Steinbach ein Windrad und Annerod einen neuen Kindergarten.« Die Lärmbelastung spielte in den Begründungen von Ulrike Bell-Rieper (FW) und Gerd Espanion (SPD) die entscheidende Rolle. Es mache nachweisbar einen erheblichen Unterschied, ob eine oder fünf Anlagen gebaut würden, sagte Bell-Rieper. Wenn die Fernwälder auch gegen die Pläne des Fürsten keine Handhabe hätten, die Planungen auf Gemeindegebiet könne man aber beeinflussen.

Kritik an fehlender Bürgerbeteiligung

Espanion vertrat die Auffassung, dass die Steinbacher in der Vergangenheit mit Blick auf Raketenstation und Autobahn schon »genug auszuhalten« hatten. Zudem habe die Gemeinde auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien viel getan (Solarpark, Photovoltaikanlagen, Holzheizkraftwerk). Fraktionskollege Norbert Magel störte sich vor allem an der fehlenden Möglichkeit der Bürgerbeteiligung, welche die Investoren von Anfang an ausgeschlossen hatten. Magel: »Ich lehne Windkraftanlagen nicht grundsätzlich ab. Aber wir müssen die Leute mitnehmen.« Ein Punkt den, den auch Bernd Voigt (Grüne) kritisierte. »Bei anderen geht das auch«, bemängelte er. Zudem vertritt er die Auffassung, dass der Pachtvertrag »kein guter« sei. Voigt: »Was die Gemeinde an Geld bekommt ist nicht berauschend. Vor allem, wenn gar kein Windrad aufgestellt wird.«

Zwei Fürsprecher

Fürsprecher waren lediglich Martin Tasci-Lempe (Grüne) und Lena Riedl (SPD). »Ich glaube an den Klimawandel. Ich bin für die Energiewende. Und das ist der Beitrag, den wir leisten können«, erklärte Tasci-Lempe. Riedl appellierte im Sinne einer lebenswerteren Zukunft an das Gremium, eine mutige Entscheidung zu treffen. Denn im Vergleich zu Kohle und Atomkraft seien Windräder das geringere Übel. Mit den beiden stimmte noch Heike Wehrum (SPD) für den Pachtvertrag.

Anlass für diesen war die Absicht zweier Investoren gewesen, fünf Windräder auf dem Höhlerberg zu bauen. Bei zwei Informationsveranstaltungen hatten die Planer das Vorhaben dargestellt, Bürgern und Politikern Rede und Antwort gestanden (die GAZ berichtete). Vier Anlagen sollen allerdings auf privatem Terrain entstehen, konkret auf fürstlichem Besitz. Für zwei der Anlagen wurde bereits die Genehmigung beim Regierungspräsidium beantragt. Mit einer Entscheidung wird im Dezember gerechnet. In Betrieb gehen könnten diese im Frühjahr 2020. Zwei weitere, deren Beantragung für Ende dieses Jahres vorgesehen ist, ein halbes Jahr später.

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