26. August 2018, 19:37 Uhr

Junger Vater muss ins Gefängnis

26. August 2018, 19:37 Uhr

Keine Rechtfertigung einer Bewährung möglich: Zwei Jahre und vier Monate Haft – so lautet das Urteil, mit dem ein 24-Jähriger aus Langgöns jetzt klarkommen muss. Der Mann der erst im Mai Vater geworden ist, wurde für einen Raubüberfall sowie Nötigung aus dem Jahr 2014 schuldig gesprochen.

Im November 2014 waren der Angeklagte B., ein Mittäter und der damals 20 Jahre Geschädigte, der als Nebenkläger in den Prozess involviert ist, in einer Spielothek in Großen-Linden. Dort bemerkt B., dass der 20-Jährige rund 700 Euro an einem der Automaten gewonnen hatte. Schnell kam ihm die Idee, sich dieses Geldes zu bemächtigen. Er überredete seinen Mittäter dazu, den 20-Jährigen »abzuziehen«. Als sich dieser auf den Heimweg machte, folgten B. und sein Mittäter ihm in einem Auto. Am Ortseingang von Langgöns bremsten sie ihn aus, lotsten ihn zum Festplatz und forderten ihn auf, ihnen die 700 Euro herauszugeben. Deshalb war B. wegen eines Raubüberfalls, Nötigung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu dreieinhalb Jahren Haft, sein Mittäter zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Seit dem Urteil sind drei Jahre ins Land gegangen; jetzt wurde erneut verhandelt: Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil im vergangenen Jahr aufgehoben, da der Straftatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr nicht vorlag. Das hatte zur Folge, dass die Strafe für den 24-Jährigen B. auf zweieinhalb Jahre abgesenkt wurde. Der Mitangeklagte erhielt ein Jahr und neun Monate auf Bewährung. B. legte ein weiteres Mal Revision gegen das Urteil ein, doch die dazu angesetzte Verhandlung im April dieses Jahres musste ausfallen: Der Angeklagte blieb der Verhandlung fern, vermutlich da zu dieser Zeit ein anderer Haftbefehl gegen ihn vorlag.

»Meine Verlobte war damals schwanger und ich hatte Angst inhaftiert zu werden«, sagte der 24-Jährige. Am 30. Mai wurde sein Kind geboren – das hat er jetzt seit drei Wochen nicht mehr gesehen; er befindet sich in Haft. Bis heute hat B. ein Drogenproblem: Nach eigenen Angaben kauft er sich selbst zwar kein Kokain mehr, aber »wenn bei meinen Kumpels was herumliegt, kann ich nicht Nein sagen«. Diesem Problem versucht er sich jetzt in der Haft zu stellen: Derzeit sitzt er in der JVA Wiesbaden eine Jugendstrafe ab. Zum Tatzeitpunkt im November 2014 lief noch eine Bewährungsstrafe wegen mehrerer ähnlicher Taten aus dem Jahr 2012.

Was sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage während der Verhandlung bemängelten, war das fehlende Engagement des Angeklagten, für einen Schadensausgleich zu sorgen. 4500 Euro Schmerzensgeld sollten die beiden Täter an den Geschädigten zahlen. Doch während sein Mittäter regelmäßig zahlt, kam von B. bislang nichts. »Ich wollte etwas zurückzahlen, aber das wären maximal 20 Euro im Monat gewesen«, erklärte B. Diese geringe Summe wäre immerhin ein Zeichen gewesen. »Mit fehlt hier etwas die Symbolik«, erklärte der Vertreter der Nebenklage, Alexander Hauer. »Wenn ich höre, wie viel Koks sie im letzten Jahr konsumiert haben – hätten sie zweimal darauf verzichtet, hätten sie schon etwas zahlen können«.

B. versprach während der Verhandlung, seine Zahlungen jetzt endlich anzugehen, im Zweifelsfall über eine Arbeitsstelle während seiner Haftzeit. Die Möglichkeit einer Bewährungsstrafe schloss der Vorsitzende Richter Andreas Wellenkötter kategorisch aus: Mit der Tat im November 2014 habe der Angeklagte gegen eine gerade einmal vier Monate alte Bewährungsstrafe verstoßen. »Damals war es e ähnlich wie heute. Sie haben sich entschuldigt und versprochen, so etwas nie wieder zu tun«, erklärte Wellenkötter. »Eindeutiger kann man die Begründung fürs Strafmaß nicht widerlegen«.

Das Urteil des Landgerichts bedeutet auch, dass B. sein Kind erst einmal nicht aufwachsen sehen kann. Bevor er seine zwei Jahre und vier Monate Haft aus dem aktuellen Verfahren antreten kann, muss er erst noch zwei Jahre Jugendstrafe verbüßen. Bei guter Führung kann er damit frühestens nach zwei Jahren aus der Haft entlassen werden. Und die abschließenden Worte des Richters: »Sehen sie diese Zeit auch als Chance, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und ihren Drogenkonsum zu beenden«.

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