16. Mai 2018, 18:00 Uhr

Geschmack

In Hungen entsteht ein ganz besonderer Kaffee

Seine Passion ist der Kaffee. Vor allem das Erleben seines Ursprungs. Deshalb betreibt Andreas Binz im Hungener Stadtteil Utphe eine kleine Rösterei.
16. Mai 2018, 18:00 Uhr
Das Herzstück von Andreas Binz’ kleinem Betrieb: der Trommelröster. (Foto: ti)

Große Jute-Säcke stehen auf Pflanzenrollern in einem kleinen Raum. Unter den Fenstern, die den Blick auf die Weedstraße freigeben. Schwarze Buchstaben weisen unter anderem auf das Herkunftsland hin, aus dem der Inhalt stammt.

Unzählige grünliche Bohnen. Kein Gemüse, sondern Kaffee. Allerdings in seiner Rohform, also noch nicht geröstet und deshalb nicht braun. Das übernimmt Andreas Binz, der in seinem Haus im Hungener Stadtteil Utphe seit fünf Jahren eine kleine Kaffee-Rösterei betreibt. Dort, wo einmal sein Wohnzimmer war.

14 verschiedene Kaffees umfasst sein Angebot. Abgesehen von zwei Mischungen, die er selbst kreiert hat, allesamt sortenrein. Das ist dem gebürtigen Bad Homburger, der seit 1993 in der Weedstraße lebt, wichtig.

»Weil ich den Menschen die Möglichkeit geben möchte, Kaffees in ihrem Ursprung zu entdecken«, erklärt er. Eine Angebot, das Einkaufsmärkte heute nicht mehr machen, sagt Binz. Weil oft bereits im Herkunftsland gemischt wird.

Wert des Ursprungs

Der Utpher Kaffeeröster aber legt Wert darauf, dass seine Ware von kleinen Farmen kommt und die Bohne möglichst bis zu ihrem Ursprung nachzuverfolgen ist. Rund um den Erdball verteilt liegen die Erntegebiete, aus denen er seine Rohware bezieht.

Denn je nach klimatischer Witterung und verwendeten Pflanzen entstehen von Land zu Land ganz unterschiedliche Bohnen.

Früher Handelsvertreter

Dass er seine Brötchen einmal mit Kaffee verdienen würde, hatte Binz nicht auf dem Plan. Nach einer technischen Ausbildung war er jahrelang als selbstständiger Handelsvertreter unterwegs, hatte nicht einmal einen besondern Bezug zu Kaffee. »Ich habe zwar immer welchen getrunken, aber nie bewusst«, sagt der 55-Jährige.

Das änderte sich, als ihm sein Sohn vor rund 20 Jahren zum Geburtstag ein Produkt aus einer Kleinrösterei schenkte. »Ich weiß nicht mehr woher der Kaffee war, aber ich weiß noch ganz genau, dass er großartig schmeckte«, erzählt Binz.

Etwas Vergleichbares war in der Umgebung damals nicht zu bekommen. Da er beruflich viel herumkam, brachte er aus Großstädten immer wieder Kaffees aus kleinen Röstereien mit und begann, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

»So erfuhr ich, dass die Art des Röstverfahrens entscheidend für einen guten Kaffee ist«, erzählt der Utpher. Eine niedrige Temperatur und eine längere Zeit sind das Geheimnis.

Bedeutung der Aromen

Zum einen, weil die Aromen eine Weile brauchen, um sich zu entwickeln. Zum anderen, weil der Abbau von Säure dauert. Und je weniger die Bohnen nach dem Erhitzen davon enthalten, desto bekömmlicher das Heißgetränk.

Als vor fünf Jahren ein kleiner Betrieb in Bad Nauheim schloss, ergriff Binz seine Chance, kaufte dem Chef dessen Trommelröster ab, übernahm den restlichen Warenbestand und machte seine Leidenschaft zum Beruf.

14 Sorten zur Auswahl

Parallel forderte er Proben von verschiedenen Herstellern an und überlegte sich, was zu ihm passt. So fand er irgendwann zu seinem Grundsortiment. Von den 14 Kaffees hat er etwa die Hälfte dauerhaft im Bestand, den Rest variiert er.

Und wie lernt man das richtige Rösten? »Ich habe ein Kaffeeseminar belegt und anderen viel über die Schulter geschaut«, sagt Binz. Aber ein Großteil seines Wissens zieht er aus der eigenen Erfahrung.

Einfach mal probieren, lautet sein Motto. Und dabei wird jede Röstung dokumentiert. Rund fünf Kilogramm Bohnen kommen pro Durchlauf in die Trommel, sobald sie auf Temperatur ist.

Rund 200 Grad sollten es sein, sagt der Experte, 15 bis 20 Minuten braucht es, bis die Bohnen ihr volles Aroma entfalten. Dann lässt Binz diese kurz abkühlen, bevor er sie zwecks Aufbewahrung in große, luftdicht verschließbare Kunstoffeimer füllt.

Utpher Mischung

Während des Röstvorgangs zieht er immer wieder Proben. Er sieht, riecht und hört, wenn das Röstgut fertig ist, was von Sorte zu Sorte unterschiedlich sein kann. 150 bis 200 Kilogramm Kaffee verarbeitet er im Monat.

Für Gewerbekunden stellt Binz auch Mischungen zusammen. Dafür werden die Bohnen zunächst sortenrein geröstet. »Dann muss man überlegen, was zusammen passt.« Von verschiedenen Kaffees werden die besten Eigenschaften genutzt und in einem zusammengeführt. Getan hat der Utpher das beispielsweise für den Eberstädter Dorfladen.

Mehrere Wochen hat es gedauert, bis man sich auf eine Zusammensetzung geeinigt hatte. Jetzt gibt es dort die Eberstädter Mischung zu kaufen, und auch seiner Heimat hat er zwei Eigenkreationen gewidmet: den Utpher Café Crème No. 1 und den Utpher Espresso.

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