04. September 2018, 13:05 Uhr

Bauland

In Hüttenbergs Baulücken könnte man ein ganzes Dorf bauen

In Hüttenberg gibt es rund 100 Interessenten für Bauplätze. Die Gemeinde hat keine mehr – und alte Bauplätze bleiben teils über Jahrzehnte hinweg unbebaut.
04. September 2018, 13:05 Uhr
Kein Einzelfall: In Volpertshausen liegt mitten im Ort eine fußballplatzgroße Fläche. (Foto: pad)

Wenn guter Ackerboden und grüne Wiesen in Baugebiete umgewandelt werden, dann ist das eine recht endgültige Entscheidung. Dass die dann entstandenen Häuser noch einmal abgerissen werden, damit wieder Obstbäume und Getreide darauf wachsen – das ist eher unwahrscheinlich. Kommunen zögern daher, allzu leicht neues Bauland auszuweisen, da die Ressource Boden erschöpflich ist. Als Alternative wird oft die Nachverdichtung genannt. Doch diese stößt schnell an ihre Grenzen, wie sich das Beispiel Hüttenberg zeigt. Es steht exemplarisch für viele Kommunen, auch im Kreis Gießen.

 

Immobilien sind heiß begehrt

 

Die Gemeinde Hüttenberg kurz hinter der Kreisgrenze profitiert von ihrer Lage zwischen Gießen und Wetzlar, einem Autobahnanschluss in Richtung Rhein-Main und gerade in den Orten Hüttenberg und Rechtenbach von einer sehr guten Infrastruktur. Kein Wunder, dass hier nicht nur Bauplätze, sondern auch Häuser und Wohnungen heiß begehrt sind. »Bevor sie auf dem Markt sind, sind sie schon verkauft«, sagt Bürgermeister Christof Heller.

Für Bauplätze gibt es eine Warteliste mit 100 Interessenten. Ihnen kann Heller derzeit keine Angebote machen. Die Gemeinde hat keine Grundstücke mehr. Die Pläne für das Neubaugebiet Dollenstück IV in Rechtenbach sind zuletzt gescheitert, da eine Eigentümergemeinschaft notwendige Flächen nicht verkaufen wollte. Ein neues Baugebiet im Ortsteil Reiskirchen wird frühesten 2019/2020 kommen.

 

Kein nachträglicher Bauzwang

 

Eigentlich bräuchte man diese neuen Plätze derzeit gar nicht, wenn vorhandene Baulücken geschlossen würden. Heller hat einmal zusammengezählt. Allein im Ortsteil Hüttenberg könnten so 38 Häuser gebaut werden. Doch die Grundstücke sind in Privatbesitz, die Gemeinde kann nicht nachträglich einen Bauzwang verhängen. »Man hat keinen Zugriff auf die Grundstücke«, sagt er.

Die Wurzel des Problems liegt teils ein halbes Jahrhundert zurück. Damals wurden Baugebiete ohne eine Verpflichtung, innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu bauen, ausgewiesen. Die Eigentümer der Wiesen und Äcker, die nun Bauland wurden, bekamen oft einen prozentualen Anteil als Baugrundstücke zurück. Meist hatten sie kein Interesse, dort direkt selbst zu bauen. Aber vielleicht wollten es ja irgendwann die Kinder oder die Enkel. Nicht immer wurden diese Zukunftspläne Realität. Doch auch in jüngerer Zeit erhielten ehemalige Landbesitzer als Ausgleich Baugrundstücke, die nun brach liegen.

 

Luxus mehr Abstand zum Nachbarn

 

Manche Bauherren wollten auch einfach mehr Abstand zum Nachbarn und sicherten sich darum gleich zwei Parzellen nebeneinander. Wenn dann nicht Familienangehörige dort bauen wollen, wird dieser Status quo aufrechterhalten. Es gibt noch viel mehr Gründe, warum Bauplätze über viele Jahre ungenutzt blieben. Viel Hoffnung, dass sich das derzeit ändert, macht sich Heller nicht. »Wer kein finanzielles Interesse am Verkauf hat, der macht das auch nicht in der Null-Zins-Phase.«

Besonders deutlich wird das Problem in Volpertshausen: Hier liegt an der Christiane-Vulpius-Straße eine fast fußballfeldgroße Fläche brach (siehe Foto). Rund 20 Häuser könnten hier bequem entstehen, »das ist fast schon ein kleiner Ortsteil«. Doch so lange dies nicht geschieht, müssen die Nachbarn an einer Baustraße leben. Denn würde man jetzt den Endausbau vornehmen und dann in ein paar Jahren hier doch gebaut werden, wäre die neue Straße gleich wieder kaputt, befürchtet Heller.

 

Gemeinde bittet um Vermarktung

 

Die Gemeinde will nun die Besitzer der Baugrundstücke anschreiben und bitten, ihre Flächen doch noch auf den Immobilienmarkt zu bringen. Auch ein Baulückenkataster ist geplant. Mit diesem wird man jedoch lediglich bei der Planung neuer Baugebiete nachweisen können, dass diese Grundstücke alle für die Nachverdichtung nicht zur Verfügung stehen. Eine Weitergabe von Kontaktdaten, sowohl von Interessenten an die Besitzer als auch umgekehrt, ist von Gesetzeswegen aus nicht gestattet.

Bald wird also wieder eine Wiese oder ein Acker verschwinden müssen, um Platz für neue Wohnhäuser zu schaffen, während irgendwo mitten in einer fertigen Straße ein Grundstück weiter leer bleibt.

 

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