10. September 2018, 10:00 Uhr

Von oben

In Ettingshausen kann man gut und lange leben

Ettingshausen hatte einst hoch fliegende Pläne. Luftkurort ist der südlichste Ortsteil von Reiskirchen dann doch nicht geworden. Gut leben kann hier aber heute allemal.
10. September 2018, 10:00 Uhr
Eingebettet zwischen Vogelsberg und Wetterau liegt Ettingshausen, der südlichste Ortsteil von Reiskirchen. Wer von hier aus in den Hauptort möchte, muss über fremdes Terrain fahren, nämlich über den Grünberger Stadtteil Harbach. (Foto: Henß)

Ettingshausen dürfte eines der Dörfer sein, das unser fliegender Mitarbeiter Manfred Henß am häufigsten »von oben« gesehen hat, schließlich steht sein Ultraleichtflugzeug auf dem dortigen Flugplatz. Aber um die kleine Flugplatzsiedlung geht es heute nicht, die haben wir schon vor gut einem Jahr aus der Vogelperspektive betrachtet.

Heute ist das »große« Ettingshausen dran. Groß ist der Ort allerdings erst in den letzten Jahrzehnten geworden. Vor dem Krieg lebten im Dorf gerade mal gut 600 Menschen. Heute sind es rund 1900.

Aus dem Luftbild ist gut zu erkennen, wie sich das Dorf entwickelt hat. Links vom Sportplatz, der mitten im Ort liegt, befindet sich der alte Ortskern. Rechts davon ziehen sich die Neubaugebiete bis zum Wald hoch. Die Trennlinie verläuft ungefähr da, wo einst die Butzbach-Licher-Eisenbahn durch Ettingshausen dampfte. Die Flugplatzsiedlung ist nicht auf dem Foto drauf. Dafür aber der »Weinberg«. Die behagliche Siedlung liegt etwas ab vom Schuss in Richtung Queckborn.

 

"Wir haben noch alles"

In Ettingshausen lässt es sich gut leben. »Wir haben noch alles«, sagt Ortsvorsteherin Petra Süße und fängt an aufzuzählen: Nahkauf, Grundschule, Kindergarten, Bankfiliale, Arztpraxen und sogar ein Freibad. Letzteres erlebte vor mehr als sechs Jahren einen denkwürdigen Auftritt. Als ein HR-Team in Ettingshausen für die Reihe »Dolles Dorf« drehte, stürzten sich einige harte Männer entschlossen in die Fluten.

Dazu muss man wissen: Gedreht wurde am 11. Januar. Dass sich das Freibad behaupten kann, ist auch einem Förderverein zu verdanken. Er unterstützt den Betrieb nicht nur mit ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen, sondern auch finanziell. Rund 35 000 Euro hat er in den vergangenen Jahren in die Freizeiteinrichtung gesteckt, die sich am nordöstlichen Ortsrand (und außerhalb des Bildausschnitts) befindet. Gut zu erkennen ist dagegen links unten die Federfabrik, einer von drei Standorten der Subtil-Group, die Federn unter anderem für die Automobilindustrie und den Maschinenbau produziert.

Viele Jahre lang verband man Ettingshausen auch mit dem Namen Milupa. Noch ehe der Ort nach Reiskirchen eingemeindet wurde, hatte der Säuglingsnahrungs-Hersteller hier ganz große Pläne. Doch nur ein kleiner Teil wurde verwirklicht. Im Werk im Waldweg wurden seit 1972 Probepackungen konfektioniert und ins gesamte Bundesgebiet versandt. 2008 verabschiedete sich Milupa vom Standort Ettingshausen. Der Versand- und Packservice wurde an den Rosbacher Mailingspezialisten Strauß & Leupold GmbH verkauft.

 

Ungeliebtes Reiskirchen

Nochmal zurück in die 1970-er Jahre und zur Gebietsreform: Einigen alteingesessenen Ettingshäusern liegt die noch immer schwer im Magen. Ursprünglich wurden Ideen für eine eigene Großgemeinde zusammen mit Hattenrod, Münster sowie Ober- und Nieder-Bessingen geschmiedet, mit Ettingshausen als Hauptort und einem riesigen Gewerbegebiet Richtung Münster.

Erst als sich dieser Plan zerschlagen hatte, stieß Ettingshausen sehr spät, nämlich 1977, zur bereits sieben Jahre zuvor gegründeten Großgemeinde Reiskirchen. Seither müssen die Ettingshäuser, wenn sie in ihren Hauptort wollen, über fremdes Terrain. Der Weg nach Reiskirchen führt über den Grünberger Stadtteil Harbach. Zerschlagen haben sich auch die Pläne für ein großes Erholungsgebiet und die Anerkennung Ettingshausens als Luftkurort. Gesund scheint das Leben dort trotzdem zu sein. Am Dreh fürs Dolle Dorf im Jahr 2012 hat Helene Lucius noch teilgenommen, die älteste Einwohnerin des Orts. Im Jahr darauf ist sie gestorben, im gesegneten Alter von 109.

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