07. November 2018, 17:00 Uhr

Familiennamen

In Biebertal gibt es auffällig viele Schmidts

Welche Familiennamen sind in Biebertal am häufigsten vertreten und wo kommen sie her? Sprach- und Namensforscher Hans Ramge liefert Erklärungen.
07. November 2018, 17:00 Uhr
(Foto: Philipp Brandstädter/dpa)

»Biebertaler Familiennamen – Wo kommen unsere Familiennamen her?« Der Vortrag von Hans Ramge ist auf reges Interesse gestoßen. Rund 70 Zuhörer waren gekommen, um etwas über ihre eigenen Namen zu erfahren. Ramge war 30 Jahre Germanistik-Professor und ist Sprach- und Namensforscher. Familiennamen spielten in der innerdörflichen Verständigung im Unterschied zu den Rufnamen, den Haus- oder Dorfnamen oder auch den Spitznamen eine eher untergeordnete Rolle, sagte Ramge. Dennoch tragen viele Bewohner des Biebertals Familiennamen, die bis ins späte Mittelalter zurückreichen. 

In Biebertal gebe es etwa 1500 Familiennamen, davon rund 1100 im Telefonbuch verzeichnet, so der Referent. Elf Mal beispielsweise den Namen »Abel«. 1532 habe es in Kinzenbach als historischen Beleg »Abeln Peter« und »Abeln Seypp« gegeben. Grundlagen für die Namensdeutung seien historische Nachweise, die räumliche Verbreitung und die mögliche Wortbedeutung. Eine Besonderheit: In Biebertal gebe es – prozentual gesehen – dreieinhalb mal so viel Schmidts wie in der gesamten Bundesrepublik.

 

Familiennamen gibt es seit 1200

Typische und charakteristische Namen für einzelne Ortsteile sind demnach in Rodheim: Dudenhöfer, Hasselbach, Steinmüller, in Vetzberg: Weil, in Fellingshausen: Crombach, Hörr, Kienholz, in Krumbach: Herrmann und Königsberg: Geller, Lepper, Scherer. Der häufigste Familienname nach Telefonanschlüssen ist in Biebertal Schmidt mit 90 Nennungen, gefolgt von Gerlach mit 50 und Wagner mit 45.

»Familiennamen gibt es seit dem Jahr 1200. Die ältesten Namen im Jahr 1470 in Rodheim/Fellingshausen waren Crafft, Gerlach, Rülnhentze und der Senßinsmit. Früher waren Haus- und Dorfnamen auf dem Land gängige Identifizierungsmuster«, erläuterte Ramge. Der Namensbestand sei durch Zuwanderung in der Neuzeit erweitert worden. Rodheim(-Bieber) hatte um das Jahr 1600 185 und 2015 5150 Einwohner.

 

Hessische Familiennamen nach Westen orientiert

Die Zuwanderung war sowohl individueller Natur, etwa durch Einheirat, meist aus der Nähe. Aber es gab auch Zuwanderung aus der Ferne: etwa aus Frankreich im 16./17. Jahrhundert (Besier), aus der Schweiz (Schwarzentraub), dem Osten wie etwa dem Sudetenland nach 1945 (Gareis). Anschaulich zeigte Ramge auch die relative Namensverteilung in der Bundesrepublik wie etwa Sandner, ein typischer sudetendeutscher Name, oder Schlierbach, der seinen Ursprung in Bad Endbach am Schlierbach hat.

Namengebende Motive in Biebertaler Namen werden demnach nach der Herkunft, aber auch nach Wohnstätte (Brück), Beruf (Waldschmidt), Eigenschaft/Eigenheit (Rüspeler) oder nach einem Ruf- oder Taufnamen (Weil) unterteilt.

»Viele Familiennamen haben bestimmte Verbreitungsgebiete. Hessische Familiennamen sind nach Westen orientiert.« Steinmüller kommt von »Steinerne Mühle«. 1496 ist ein Dietrich Stenmoller belegt. Ramge ging auch auf historische Belege für den Namen Failing ein, etwa 1502 Hermann Feylink in Rodheim. 1292 habe es den ersten Waldschmidt bzw. Waldschmitt (von Waldschmiede) in Wetzlar gegeben. Der Name sei hochkonzentriert im hessischen Raum zu finden, auch in Biebertal, Wetzlar und im Dillenburger Land.

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