11. September 2018, 18:00 Uhr

Schwimmbad-Bilanz

Immer weniger Jugendliche: So lief der Supersommer für die Freibäder im Kreis Gießen

Die Betreiber der Freibäder im Kreis freuen sich über eine außergewöhnlich hohe Zahl von Gästen in diesem Jahr. Eine Besuchergruppe aber ist immer seltener in den Bädern anzutreffen.
11. September 2018, 18:00 Uhr
Die Besucherzahlen in Freibädern im Kreis Gießen sind im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen, vielerorts um fast 50 Prozent. (Foto: dpa)

Sonne satt lockte in diesem Sommer so viele Gäste wie lange nicht in die Freibäder im Kreis Gießen. Monatelange Hitze und Sonnenschein sorgten für volle Schwimmbecken und immer wieder für lange Menschenschlangen vor den Bädern.

Besucher zwischen 18 und 29 Jahren sind oft ausgeblieben

Daniel Heil, Schwimmmeister in Laubach

Laut der zuständigen Schwimmmeister sind die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen, vielerorts um fast 50 Prozent. Im Wettenberger Freibad Gleiberger Land wurde mit mehr als 36 780 Gästen die höchste Zahl der letzten zehn Jahre erreicht, wie Bürgermeister Thomas Brunner mitteilte – obwohl das Bad zwischenzeitlich für drei Wochen gesperrt war. »Auch bei den Tagesgästen war eine deutliche Steigerung festzustellen«, erklärte Brunner. »Dies ist auch nötig, um einen Deckungsbeitrag zu den in einer solchen Supersaison steigenden Personal- und Sachkosten zu erzielen.« Zufrieden mit der zu Ende gehenden Saison äußert sich auch Daniel Heil, Schwimmmeister in Laubach. In den vergangenen zehn Jahren sei die Besucherzahl kontinuierlich angestiegen. Mit 25 000 Gästen seien in diesem Sommer allerdings alle Erwartungen übertroffen worden.

 

Smartphone statt Freibad

Manuela Kluge, Schwimmbadleiterin in Hungen, berichtet von einem Anstieg um 16 000 im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt über 40 000 Gäste. Nur während des Rekordsommers 2003 seien es etwas mehr Gäste gewesen, erklärt sie. Kluge fügt hinzu: »Heute planen viele Leute frühzeitig ihren Urlaub und verbringen die Zeit in Gebieten, in denen es jedes Jahr so warm ist.«

Eine Besuchergruppe ist indes immer seltener in Freibädern anzutreffen: Die Zahl der jugendlichen Besucher nimmt deutlich ab. Diese Entwicklung bereitet den Schwimm- und Bademeistern Sorgen. »Den größten Teil unserer Besucher bildeten junge Familien und ältere Menschen«, sagt Daniel Heil, Bademeister in Laubach, »Besucher zwischen 18 und 29 blieben oft aus.« Ein möglicherweise zu klischeehafter Erklärungsansatz ist, dass mehrere Jugendliche zunehmend vor Computer und Videospielkonsole sitzen statt im Freibad. Heil führt als Grund schlicht das veränderte Freizeitangebot an. Dies werde in den vergangenen Jahren eben wesentlich breiter. Die Hungener Schwimmbadleiterin Kluge vermutet, dass die hohe Smartphone- und Internetnutzung Einfluss auf das Freibadverhalten habe.

 

Probleme mit Erdwespen in Hungen

Dennoch ziehen die Betreiber der Freibäder zum Ende des Sommers eine positive Bilanz: »Es war eine schöne und erlebnisreiche Saison« bilanziert Kluge. Auch Heil aus Laubach blickt trotz eines erhöhten Betriebes auf eine »schöne und entspannte Saison« zurück.

Zum Alltag gehörten zwar das gelegentliche Versorgen kleinerer Wunden und das Reagieren auf Gäste, die sich nicht an die Badeordnung hielten. Darüber hinaus ist es laut den Verantwortlichen jedoch zu keinen größeren Vorkommnissen gekommen. In Hungen habe man zeitweise mit Erdwespen zu kämpfen gehabt, berichtet Kluge. Das Problem habe man dank eines Kammerjägers schnell unter Kontrolle gebracht.

 

Hundertster Sommertag im Kreis

Dieser Sommer ist einer der heißesten in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und bricht Rekorde: Bis Ende August konnte man sich in der Region über 92 Sommertage mit mindestens 25 Grad Celsius freuen, davon waren 40 mit mehr als 30 Grad besonders heiß. Bisheriger Rekordhalter war das Jahr 2003 mit 88 Sommertagen und 30 heißen Tagen im selben Zeitraum.

Im Kreis Gießen freut man sich bereits über den hundertsten Sommertag in diesem Jahr. Das sonnige Wetter nahmen die Freibäder vielerorts zum Anlass für Aktionen und Feste. Das Laubacher Freibad zum Beispiel lud seine Gäste zum Nachtschwimmen ein. Das Hungener Freibad veranstaltete darüber hinaus noch einen Familientag sowie ein Neptunfest und bot Kurse für Aqua-Aerobic an.

Auch in dieser Woche wird im Kreis wieder die 25–Grad–Marke geknackt – Grund genug, dieses Jahr noch ein letztes Mal das örtliche Freibad oder den nächsten See zu besuchen.

Info

Wißmarer See: Besucherzahl eingebrochen

Während Freibäder in diesem Sommer gut gefüllt waren, war das Ufer des Wißmarer Sees bisweilen verwaist. Eine Meldung des Gesundheitsamts über ein angeblich erhöhtes Aufkommen von Blaualgen sorgte für Verwirrung und eine schwindende Zahl von Gästen. »Es gibt kein Badeverbot. Und es hat auch während der gesamten Saison kein Badeverbot gegeben«, betont Betreiber Mike Will. Um 90 Prozent seien die Besucherzahlen eingebrochen. Er habe Mitarbeitern kündigen müssen.

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