07. September 2018, 22:07 Uhr

»Ich will gewinnen«

07. September 2018, 22:07 Uhr
Kein Regelfall: Frank Balser und seine Frau Sandra harmonisch im Spiel vertieft. (Foto: dcg)

Nahezu liebevoll dreht Frank Balser die kleine Spielfigur in seinen Fingern. Er schwärmt von der guten Verarbeitung und den Details. Es wird deutlich, wie sehr der 46-Jährige das Spielen liebt, seine Sammlung und die sozialen Kontakte, die mit seiner Leidenschaft einher gehen. Über 1000 Gesellschaftsspiele stapeln sich bis unter die Decke des Familienhauses in Watzenborn-Steinberg. Wie viele er genau hat, kann er gar nicht sagen. Etwa 100 von ihnen stellt er am morgigen Sonntag zum gemeinsamen Spielen zur Verfügung. Im Interview erzählt er von seiner Leidenschaft und von besonderen Erlebnissen.

Stellen Sie sich vor, Ihr Haus steht in Flammen und Sie können nur eines Ihrer Spiele retten. Welches wäre das?

Frank Balser: Mein »3D Catan«. Das ist eines meiner teuersten Spiele und limitiert auf 2500 Stück. Sie sind nummeriert, ich habe die Nummer 1997, das ist das Geburtsjahr meiner Tochter und unser Hochzeitsjahr. Von daher sind wir natürlich sehr stolz, diese Version zu haben. Alle anderen wären ziemlich einfach zu ersetzten.

Was gibt Ihnen das Spielen?

Balser: Ich mag die Herausforderung, eine gestellte Aufgabe zu lösen. Ich kann ein Spiel nur des Spieles Willen spielen, ich kann aber auch versuchen, Taktik oder Vorgaben so zu optimieren, dass ich möglichst viele Punkte dabei bekomme. Außerdem finde ich es gut, dass man sich in einem geregelten Umfeld befindet. Die Regeln sind klar und alle müssen sich daran halten. Alle haben die gleichen Voraussetzungen.

Welches Spiel sorgt immer für Zündstoff?

Balser: Das Spiel »Seenot im Rettungsboot«. Man entscheidet im Team, wer das Rettungsboot verlassen muss. Dieses Spiel sorgt dafür, dass man sich am Tisch in die Haare bekommt, das ist aber auch gewollt.

Haben Sie sich jemals über das Spiel hinaus gestritten?

Balser: Der Streit bleibt im Spiel. Wir haben auch schon dafür gesorgt, dass wir eine Mitspielerin am Tisch zum Weinen gebracht haben. Es ist aber nicht so, dass wir uns das dann nachtragen. Freundschaften macht man damit nicht kaputt. Es gibt viele Spiele, bei denen gerade diese Auseinandersetzung mit Konfliktsituationen gewünscht ist.

Was fällt Ihnen zu Extremen ein?

Balser: Das Spiel »Der Ringkrieg«. Wir haben einmal zwölf Stunden für eine Partie gebraucht. Am Tisch haben wir die epische Schlacht um Mittelerde nachgespielt, bis in die Nacht hinein.

Gibt es spezielle Spielertypen und mit welchem identifizieren Sie sich?

Balser: Es gibt natürlich immer den, der alles bewertet, alles verbessert. Dann gibt es den Grübler, der über jede Entscheidung unendlich lange nachdenkt. Die, die nur spielen um Spaß zu haben; schlimm wenn die auf die Grübler treffen. Und den Kuschelspieler, der alle gewinnen lässt. Ich bin der Ehrgeizige. Ich setze mich an den Tisch, um zu gewinnen.

Wie kann jungen Menschen das analoge Spielen wieder nähergebracht werden?

Balser: Auf die Kombination verzichten. Es gibt viele Spiele, die sowohl auf dem Tisch als auch auf einem Tablet gespielt werden. Bei diesen Hybridspielen verliert immer das Brettspiel und das sollte eigentlich im Mittelpunkt stehen. Außerdem sollte man sich informieren und gute Spiele kaufen. Wenn das Spielen im Kindesalter Spaß macht, macht es später auch wieder Spaß.

Wie kam es zu der Veranstaltung am Sonntag?

Balser: Der Spieletag ist der erste, den wir selber machen. Dabei war ausschlaggebend, dass es im Umkreis von Gießen wenig Vergleichbares gibt. Wir waren letztes Jahr auf einer Veranstaltung von »Stadt-Land-Spielt!« und waren ziemlich enttäuscht. Ich habe dann gesagt, bevor ich noch länger meckere, probiere ich, ob ich es besser machen kann und habe mich für dieses Jahr einfach dort angemeldet.

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