23. Mai 2018, 14:28 Uhr

Kirche und AfD

»Ich möchte weiterarbeiten!«

Der Synodalvorstand des Dekanats Kirchberg hat beschlossen, Sylke Schäfer von ihrer Mitarbeit im Kirchenvorstand von Allendorf zu entbinden. Sie ist aber offen für einen Dialog.
23. Mai 2018, 14:28 Uhr

Von Rüdiger Soßdorf , 1 Kommentar
Anfang Dezember will die AfD auf einem Delegiertenparteitag in Hannover einen neuen Bundesvorstand wählen. (Foto: Christophe Gateau)

Ich bin bereit, zu reden«, sagt Sylke Schäfer. Und: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin immer bereit, mich an einen Tisch zu setzen«. Mehrfach spricht sie vom Aufeinanderzugehen und von Versöhnung. »Wer war denn der große Versöhner?«, spielt sie auf Christus an. Und zeigt sich enttäuscht von ihrer Kirche. Denn für Sylke Schäfer stellt sich die Frage, wer sich denn der Kommunikation verweigere. Im Gespräch auf ihrem Pferdehof in Allendorf steht Schäfer eine Stunde lang Rede und Antwort.

Am Donnerstag hat sich der Dekanatsynodalvorstand (DSV) einmütig hinter den Allendorfer Kirchenvorstand gestellt, der sich von seinem seitherigen Mitglied distanziert. Damit hat der Dissens zwischen Schäfer und der Kirche eine neue Qualität erreicht. Mit dem Beschluss des DSV stehen Schäfer nun Rechtsmittel offen. Doch anders also noch vor gut zwei Wochen, als sie ankündigte, gegen einen »Rauswurf« zu klagen, ist das geschasste Kirchenvorstandsmitglied momentan zurückhaltender: Erst will sie die (ihr noch nicht zugestellte) Begründung der Kirche kennen, um dann zu entscheiden, welche Schritte sie geht.

Enttäuscht und verletzt

Aber klar ist für Schäfer auch: »Ich möchte weiterarbeiten!« Und ganz emotional bricht es aus ihr heraus;: »Wo soll ich denn predigen? Vor meinen Pferden etwa?« Sie hoffe doch sehr, dass Anfragen kommen und sie weiter als Lektorin in Kirchengemeinden im Lumdatal wirken kann. Denn das mache ihr Freude, insbesondere da die von ihr mitgestalteten Gottesdienste gut besucht waren: »Auf einmal sollte ich nicht mehr – das konnte ich nicht verstehen«, zeigt sie sich »super enttäuscht« und verletzt. Schäfer hofft nach wie vor, dass es Pfarrer gibt, die ihre Grundrechte nach Artikel 3 Grundgesetz respektieren. Auf den hatte sich Schäfer bereits vor mehreren Wochen berufen. Nämlich, dass niemand »wegen ... seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden« dürfe.

Kein "Entweder-oder"

So wie Schäfer es darlegt, hat der DSV das Miteinander zwischen ihr und der Kirchengemeinde mit einer Ehe verglichen und quasi auf »Scheidung« gedrungen«. Das stößt bei der Allendorferin auf Unverständnis: »Wie kann Kirche das tun, wenn nicht alles dafür getan wird, sich zu versöhnen?« Denn von einer Trennung will sie nichts wissen: Die Frage nach einer Entscheidung zwischen Kirche oder politischem Engagement stellt sich für sie nicht. »Ich bin nach wie vor ein kirchlicher Mensch und ein politischer Mensch«, sagt sie im Gespräch.

In ihrer Haltung sieht sie sich bestärkt durch Zuspruch, den sie erfahre. Menschen bekundeten ihr ihre Freundschaft: »Das ist der Treibstoff, der mich weitermachen lässt«.

Distanzierung vom Begriff "faschistisch"

Seitens der Kirche empörte man sich derweil über den Begriff »faschistische Kirchengemeinde Allendorf«, der in einem Facebook-Post zu lesen war, und über die Flugblätter, die die AfD als einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion verteilen ließ. Da wirbt Schäfer um differenziertes Betrachten und erklärt für sich: »Wenn das Wort faschistisch auftaucht, dann distanziere ich mich davon«. Warum aber hat sie es dann nicht auf Facebook gelöscht? »Das wäre zu einfach gewesen«, beruft sie sich auf die Meinungsfreiheit. Die beanspruche sie für sich, die dürfe auch für andere gelten. Auch solches müsse ein Dialog aushalten.

Die Flugblattaktion rechtfertigt derweil Schäfers Stellvertreter im Vorsitz des Ortsverbands Nordkreis Gießen, Jörn Bauer: Er nennt es »eine Reaktion darauf, dass Kirche nicht mehr mit uns reden wollte«. Und er sieht seine Parteifreundin als Opfer: »Sylke Schäfer wird als Mitglied der AfD ausgegrenzt und diskriminiert«. Doch auch er wirbt für einen Dialog mit der Kirche: »Wir müssen miteinander reden«. (Foto: pm)

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