02. März 2018, 10:05 Uhr

Hessenpark

Historische Gärtnerei aus Hüttenberg neue Attraktion im Hessenpark

Ein Hüttenberger Gewächshaus zieht derzeit in den Hessenpark um. Es soll dort allerdings nicht nur an die 1950er Jahre erinnern. Auf die Gärtnerei wartet auch eine wichtige Mission.
02. März 2018, 10:05 Uhr
Die Gräben für die Fundamente sind bereits ausgehoben, die Bodenplatte für den Heizungskeller gegossen, der Kamin steht: Die Vorbereitung für den Wiederaufbau der Hüttenberger Gärtnerei im Hessenpark laufen auf Hochtouren. (Foto: pad/Hessenpark)

Als sich Georg Weidmann 1957 dazu entschied, in Hüttenberg ein Gewächshaus zu errichten, hätte er wohl nicht geglaubt, dass dieses noch einmal umziehen würde. Doch genau das ist nun geschehen. Spezialfirmen haben im vergangenen Jahr das Gebäude sorgfältig demontiert. Nun laufen die Aufbauarbeiten auf Hochtouren: Im Hessenpark Neu-Anspach soll das Gewächshaus am 13. Mai offiziell eröffnen.

Volker Weber, Leiter für historische Landwirtschaft und Umwelt im Hessenpark, ist von dem Bauwerk bereits jetzt begeistert. Den Hessenpark verbindet man zwar eigentlich mit älteren Häusern. »Wir beschränken uns in unserem Erhaltungsauftrag aber nicht auf Fachwerkhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts«, sagt Weber. Derzeit werde daran gearbeitet, auch die 1950er und 1960er Jahre im Park darzustellen. Und da passt die Gärtnerei wunderbar hinein.

 

Koksofen eine Besonderheit

Weidmann hatte sie einst auf der grünen Wiese errichtet. Durch die Lage außerhalb des Ortes hatte das Gebäude eine Besonderheit: eine schwerkraftabhängige Heizung. Das heißt, dass der Koksofen in einem rund einen Meter in den Erdboden versenkten Mini-Kellerraum stehen musste. Das erhitzte Wasser stieg automatisch nach oben auf, floss durch die Rohre und beheizte die Innenräume.

Zwar hat Buderus aus Lollar bereits angeboten, einen solchen Ofen wieder für die Gärtnerei zu stiften. Dieser wird dann aber ein reines Ausstellungsstück werden. »Unsere Mitarbeiter können schließlich nicht alle drei Stunden hier vorbeikommen und Koks nachlegen«, sagt Weber.

Diese Gärtnereien im ländlichen Raum sterben zunehmend aus

Volker Weber

Heute unvorstellbar – doch genau so wurde das Gewächshaus einst im Winter auf Temperatur gehalten. »Diese Gärtnereien im ländlichen Raum sterben zunehmend aus«, sagt Weber. Früher gab es sie in jedem größeren Ort. Doch gegen die Konkurrenz von Gartencenter und Billigangeboten im Discounter konnten nur wenige bestehen. Daher entschloss man sich, solch eine Gärtnerei im Hessenpark wieder aufzubauen.

Der Kamin der Gärtnerei wird von einer Fachfirma demontiert. (Foto: pad/Hessenpark)
Der Kamin der Gärtnerei wird von einer Fachfirma demontiert. (Foto: pad/Hessenpark)

Dass es die Hüttenberger Gärtnerei traf, hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen der bereits erwähnte Koksofen: »Andere Gewächshäuser haben Kesselhäuser. So eines zu demontieren und wieder aufzubauen, das wäre wesentlich teurer gewesen«, erklärt Weber.

Außerdem kannte er die Gärtnerei noch aus seiner Kindheit: Er hatte direkt nebenan die Gesamtschule Schwingbachtal besucht und wusste, dass das Gewächshaus seit Jahren leersteht. Umso mehr freute es ihn, dass nach eingehender Prüfung auch anderer Gewächshäuser das Hüttenberger Exemplar ausgewählt wurde. Zudem hatte ein fotografiebegeisterter Gärtnerei-Mitarbeiter die Geschichte des Unternehmens von den ersten Bautagen an dokumentiert. Ein Glücksfall für die Ethnologen.

 

Ein riesiges »Metall-Mikado«

Im Hessenpark sind ein Teil der Fundamente bereits gegossen worden, für die anderen werden gerade die Gräben ausgeschachtet. Der strenge Frost unterbrach die Bauarbeiten. Das Gewächshaus selbst wurde von einer Fachfirma demontiert, die nun auch den Wiederaufbau übernimmt.

Die Metallteile lagern derzeit in einer Remise im Hessenpark. »Das ist ein riesiges Metall-Mikado«, sagt Weber. Der Kamin wurde von einer anderen Fachfirma in Stücke zerteilt und ist bereits wieder aufgestellt worden.

Ab 13. Mai soll das Gewächshaus unter anderem eine Ausstellung über die Geschichte der Hüttenberger Gärtnerei beherbergen. Außerdem wird ein pädagogischer Bereich für Schulklassen eingerichtet.

 

Erhalt von Pflanzenvielfalt

Der hintere Teil des L-förmigen Bauwerks wird allerdings nur bei Führungen zugänglich sein. Denn hier sollen Pflanzen gezogen werden. Zum einen alles, was in den Bauerngärten und auf den Schaufeldern im Park wächst – von Färbepflanzen bis Weißkraut. Zum anderen will man hier auch Samen vermehren. Möhren etwa blühen erst im zweiten Jahr – »ohne Gewächshaus würden die im Winter erfrieren oder von Mäusen gefressen.«

Außerdem will man zusammen mit Gendatenbanken und dem »Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt« alte und fast verschwundene Sorten vor dem Aussterben bewahren. Auf das Hüttenberger Gewächshaus wartet also eine wichtige Mission.

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