31. Januar 2018, 13:00 Uhr

Rotwild

Hirsche im Krofdorfer Forst zeigen Folgen von Inzucht

Wie geht es dem Hirsch im Krofdorfer Forst? Nicht so gut. Es sind Folgen von Inzucht zu erkennen. Experten rufen konkrete Maßnahmen auf den Plan.
31. Januar 2018, 13:00 Uhr

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Der Rothirsch ist das größte heimische Wildtier. (Archivfoto: dpa)

Seit 2012 lässt die Rotwildhegegemeinschaft die Hirsche systematisch genetisch untersuchen – dies ist gut möglich anhand der abgeworfenen Geweihe und Stangen. Warum? Der Krofdorfer Forst ist mit 17 000 Hektar als Rotwildgebiet sehr klein, hat mit 200 Tieren eine geringe Population und liegt isoliert, also ohne direkten Anschluss an benachbarte Rotwildgebiete. »Ungünstige Strukturen für eine gute genetische Ausstattung«, sagt Klaus Schwarz, lange Jahre Vorsitzender der Hegegemeinschaft und ehedem Leiter des Forstamtes Gießen.

 

Mittlerweile drei Studien

Zwei Untersuchungen befassten sich mit dem Bestand im Krofdorfer Forst, eine dritte Studie umfasst alle fünf mittelhessischen Rotwildgebiete – neben Krofdorf das Lahn-Bergland und das Dill-Bergland, den nördlichen Vogelsberg und den hohen Vogelsberg. Die Erkenntnisse, die die Veterinärmedizin/Arbeitskreis Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität in Gießen unter Federführung von Prof. Gerald Reiner gewonnen hat, stützen diese Thesen: Die genetische Vielfalt der Tiere im Krofdorfer Forst ist suboptimal, und seit Mitte der 1980er Jahre sind 17 Prozent der Gen-Varianten verloren gegangen. Letztlich eine Folge von Inzucht und eine ungesunde Entwicklung.

Das führte zwangsläufig zur Frage nach Ursachen – und damit zum Blick auf alle fünf mittelhessischen Rotwildgebiete und die Wanderbewegungen der Tiere, die einen Gen-Austausch erst ermöglichen.

 

Straßen und Städte stören

Schwarz: »Mit den Ergebnissen dieser jüngsten Studie wissen wir nun, wo landschaftliche Engpässe oder Barrieren den Austausch be- oder verhindern«. Verkehrswege und Siedlungen zerschneiden die Wanderrouten der Tiere und führen zu immer kleineren und isolierten Populationen von Rothirschen. So zeigt sich dies deutlich an der Achse Wetzlar-Gießen-A 5. Dort erkennen die Forscher eine Barriere. Gerald Reiner: »Diese unterbricht den genetischen Austausch zwischen den mittelhessischen Teilpopulationen in erheblichem Maße«.

Von den Studien sollen gezielt Verbesserungen abgeleitet werden. Das können Grünbrücken sein, die den Tieren beim Wandern helfen. Ruhezonen in den Wäldern, in denen auch die Jagd unterbleibt, Besucherlenkung im Wald oder gar das Überprüfen des hessischen Jagdgesetzes: Das sieht den Abschuss von jungen bis vierjährigen Hirschen in so genannten rotwildfreien Gebieten vor, um die Ausbreitung der Tiere zu verhindern. Das Wandern der Junghirsche braucht es aber für genetischen Austausch.

 

Austausch von Bedeutung

Zudem fließen die neuen Kenntnisse in die Lebensraumgutachten ein, die derzeit von den Hegegemeinschaften erarbeitet werden. Denn die Rothirsche als größte heimische Wildtiere gelten als sogenannte Leit-Wildart. Sie reagieren sehr sensibel auf Störungen und geben so schnell Hinweise auf Veränderungen in ihrem Lebensraum. Von intakter Natur profitieren auch alle anderen Wildtiere: neben Damwild beispielsweise die seltenen Wildkatzen oder Luchse.

Weitere Befunde: Ungestört ist der Austausch zwischen hohem und nördlichem Vogelsberg sowie zwischen dem Dill- und dem Lahn-Bergland. Der Austausch zwischen Lahn- und Dill-Bergland sowie dem Krofdorfer Forst liegt bei 33 Prozent – aber dieser spielt nach Einschätzung der Experten eine entscheidende Rolle für »frisches Blut« in den mittelhessischen Rotwildgebieten.

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