25. Juni 2018, 18:00 Uhr

Neuer Gesellschafter

Heuchelheimer Baustoffhändler Keil holt sich dicken Fisch ins Boot

Um sich für die Zukunft zu wappnen, hat sich der Baustoffhändler Keil den Raiffeisen-Konzern als Gesellschafter hinzugezogen. Die Suche nach Nachwuchs wird unterdessen immer schwieriger.
25. Juni 2018, 18:00 Uhr
Die Geschäftsführer Grieb, Nickel und Bandt mit IHK-Chef Leder (2.v.r.).

Wir haben schon länger die Fühler nach Erweiterungen ausgestreckt«, sagt Friedjoff Grieb, einer der Geschäftsführer der Keil Baustoffe GmbH mit Standorten in Heuchelheim und Reiskirchen.

Nun ist das Kapitalunternehmen in Nordhessen fündig geworden: Seit dem 1. Januar ist die Raiffeisen Waren GmbH Gesellschafter von Keil Baustoffe. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Kassel hält 60 Prozent der Keil-Anteile.

Die Geschäftsführer Martin Bandt und Friedjoff Grieb sowie dessen Mutter Eleonore Grieb bleiben Gesellschafter. Damit konzentriert sich die bisherige Struktur von bisher neun auf nun vier Teilhaber.

 

Nun drei Geschäftsführer

Bei einem Pressegespräch am Montag hat die Geschäftsführung in Anwesenheit von IHK-Hauptgeschäftführer Dr. Matthias Leder die personellen und strukturellen Veränderungen erläutert. Mit welcher Summe das Kasselaner Unternehmen bei Keil eingestiegen ist, wollten die neuen Partner nicht verraten.

Der Wechsel schlägt sich auch in der Unternehmensleitung nieder: Helmut Nickel, Prokurist und Leiter der Baustoffsparte bei Raiffeisen, steigt als dritter, gleichberechtigter Geschäftsführer ein.

Keil beschäftigt an beiden Standorten im Kreis insgesamt rund 40 Mitarbeiter, hinzu kommen weitere 15 der Tochterfirma Stroh in Weilburg. Der Raiffeisen-Konzern als neuer Gesellschafter hat ungefähr 2300 Mitarbeiter, davon 700 in der Baustoff-Sparte. Der Gesamtumsatz betrug 2017 rund 1,3 Milliarden Euro.

 

Hoffnung auf Synergien

Was erhofft sich das überschaubare Unternehmen von der Kooperation mit der Branchen-Größe aus Kassel? Unter anderem beim Einkauf und im Personalwesen setze man auf Synergien, heißt es aus der Geschäftsführung.

Mit Beginn des Jahres hat sich die Unternehmensstruktur von Keil Baustoffe, hier der Sitz in Heuchelheim, stark verändert. 	(Fotos: jwr)
Mit Beginn des Jahres hat sich die Unternehmensstruktur von Keil Baustoffe, hier der Sitz ...

»Die Zielstellung war, einen Interessenten zu finden, bei dem unsere mittelständische Struktur erhalten bleiben kann«, sagt Grieb. So wolle man gewährleisten, dass es beide Standorte auch weiterhin gibt.

Was bedeutet der Gesellschafterwechsel für die Belegschaft? Im Vertrieb werde sich vor Ort wenig ändern. Auch im Einkauf und der Personalabteilung seien keine Arbeitsplätze weggefallen, allerdings seien einige Mitarbeiter in andere Bereiche gewechselt.

Die Hochkonjunktur ist irgendwann zu Ende, dafür müssen wir gewappnet sein

Co-Geschäftsführer Grieb

»Ob das in Zukunft so bleiben wird, muss man sehen. Die Hochkonjunktur ist irgendwann zu Ende, dafür müssen wir gewappnet sein«, äußert sich Grieb. Im Laufe der kommenden Monate soll die Zusammenarbeit weiter intensiviert werden.

 

"Baustoffhandel ist nicht so sexy"

»Wir haben nun den Rücken frei, uns mit dem Wesentlichen zu beschäftigen«, sagt Grieb. Die Baubranche boomt, die Auftragsbücher seien üppig gefüllt, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführer Leder. Auch der Handel mit Baustoffen läuft daher rege.

An Arbeit mangelt es nicht, eher an qualifizierten Arbeitnehmern. Die Lage sei bei Keil nicht so gravierend, dass Aufträge nicht abgearbeitet werden können. Doch in den kommenden Jahren stünden einige Verrentungen an, dann werde Nachwuchs umso dringender gebraucht. Passende Kandidaten zu finden, ist allerdings schwierig geworden.

Man sei froh, wenn man überhaupt Bewerber finde. »Der Baustoffhandel ist nicht so sexy, die Besten bewerben sich nicht unbedingt hier«, bekundet Grieb.

 

Hoffnung, dass Entscheidung richtig war

»Handel hat immer etwas mit Rechnen zutun, und wenn es bei Bewerbern an Grundsätzlichem wie dem Dreisatz mangelt, dann müssen wir Basis-Arbeit leisten.« Derzeit habe das Unternehmen insgesamt fünf Auszubildende, weitere würden dringend gesucht.

Was der Einsteig von Raiffeisen bei Keil Baustoffe im Einzelnen bedeutet, wird die Zukunft zeigen. »Raiffeisen hat 60 Prozent, das sagt schon etwas über die Ausrichtung aus«, sagt Geschäftsführer Grieb.

Man habe schnell eine Vertrauensbasis gefunden, Raiffeisen mache »einen sehr soliden Eindruck«. Grieb weiter: »Du kannst nur hoffen, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast.«

Info

Die Firma Keil Baustoffe GmbH

1931 gründete Wilhelm Keil den Betrieb, damals als Bagger-Firma. 1977 schrammte Keil knapp am Konkurs vorbei. In Heuchelheim ist Keil seit 2003 vertreten. Das Einflussgebiet des Baustoffhandels umfasst ganz Mittelhessen, Natur-Baustoffe werden auch über die Region hinaus vertrieben. Nach Unternehmensangaben beträgt der Marktanteil in der Region 10 bis 15 Prozent. Zur Zielgruppe gehören auch Eigenheim-Besitzer und kleinere Unternehmer. Etwa jeder zweite Kunde holt seine Ware selbst bei Keil ab. jwr

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