12. April 2019, 05:00 Uhr

Fragen von Schülern

»Hells Angels – wie gehen Sie damit um?«

Wie funktioniert Politik vor der Haustür? Vier Reiskirchener Kommunalpolitiker stellten sich am Donnerstag in einer Busecker Schulklasse vielen Fragen. Auch heikle Themen kamen zur Sprache.
12. April 2019, 05:00 Uhr
Vier Reiskirchener Kommunalpolitiker stellen sich den Fragen der Klasse 9e an der Busecker Gesamtschule. (Foto: jwr)

Als die Basketballer von den 46ers zu Gast in der Klasse waren, sei die Begeisterung schon etwas größer gewesen, sagt Nicole Gärtner, Klassenlehrerin der 9e an der Gesamtschule Busecker Tal. Während eine Delegation der Reiskirchener Kommunalpolitik gegen 10 Uhr vorne im Klassenraum Platz nimmt, steht einigen der 25 Schüler die Müdigkeit noch ins Gesicht geschrieben. Sie kommen aus Buseck, Reiskirchen und Fernwald. Nun haben sie Gelegenheit, vier Kommunalpolitikern unterschiedlicher Parteien Löcher in den Bauch zu fragen.

Gekommen sind Michael Seipp-Wallwaey (SPD), Vorsitzender der Gemeindevertretung, Gerhard Albach, FW-Fraktionsvorsitzender, Heidemarie Hagemann-Haag (Grüne) als Mitglied des Gemeindevorstands und Tobias Breidenbach, der für die CDU im Parlament sitzt. Die Klasse hat sich gut vorbereitet: Zunächst wollen die Jugendlichen wissen, welche Ehrenämter ihre Gäste bekleiden.

 

25 Euro pro Sitzung

Von Engagement in der Feuerwehr über Mitarbeit im Kirchenvorstand und Sportverein bis zur Tätigkeit als ehrenamtliche Richter reichen die Antworten. »Wer in der Gemeindevertretung sitzt, ist in der Regel auch in Vereinen engagiert«, sagt Seipp-Wallwaey. Das bedeutet, neben anderen Ehrenämtern auch noch Fraktions-, Ausschuss- und Parlamentssitzungen zu absolvieren. Und das für eine Aufwandsentschädigung von gerade einmal 25 Euro je Sitzung.

»Warum machen Sie das?« Die vier Politiker haben unterschiedliche Motivationen. Doch allen geht es darum, im Kleinen mitzugestalten. Hagemann-Haag, die nach ihrem Studium bis zur Rente berufstätig war, berichtet, wie sie in den 1980ern um Kinderbetreuung rang: Damals waren die Kitas nachmittags geschlossen. »Ich habe gedacht: Das kann nicht so bleiben, da muss was passieren.« Für sie sei das der Antrieb gewesen, sich zu engagieren. Und was sollte man mitbringen, um Kommunalpolitiker zu werden? »Gesunden Menschenverstand und Sitzfleisch«, sagen die Gäste.

Dann geht es allmählich ans Eingemachte, die Schüler fragen nach konkreten Themen: Wieso gibt es keine Toiletten am Reiskirchener Bahnhof, wieso keine Bushaltestelle im neuen Baugebiet? Und warum dürfen auf dem Sportplatz nur Vereinsmitglieder spielen? Die Antworten haben meist einen ähnlichen Kern: Über vieles, was vor der Haustür passiert oder eben nicht, wird an anderer Stelle entschieden. Der Einfluss der Gemeinde ist vielfach begrenzt – weil ihr das Bahnhofsgebäude nicht gehört, sie die Buslinien nicht betreibt und auch nur bedingt über den Sportplatz entscheiden kann, den sie zwar bezuschusst hat, der ihr aber nicht gehört.

 

Hells Angels als Bordell-Betreiber?

Und dann haken die Jugendlichen noch bei einem heiklen Thema nach: »Die Hells Angels – wie gehen Sie damit um?« Es geht um ein ehemaliges Hotel, das bald zum Bordell umgewidmet werden könnte, und um den Rockerclub, der es angeblich betreiben will. »Wenn man hört, wer dahinter steckt, ist das sehr unerfreulich – aber wir können da im Grunde nichts machen«, sagt Hagemann-Haag.

Die Hells Angels – wie gehen Sie damit um?

Frage der Schüler an die Kommunalpolitiker

Am Ende drehen sich die Rollen dann noch einmal um: Parlamentsvorsitzender Seipp-Wallwaey verweist auf Jugendbeiräte, die es in einigen Kreiskommunen gibt. »Könntet ihr euch so etwas in Reiskirchen vorstellen?« Für einen Moment herrscht Stille. »Mit welchem Ziel?«, fragt eine Schülerin. Es gehe darum, ein Gremium als Ansprechpartner für junge Menschen zu haben, entgegnet der Parlamentsvorsitzende – und man hoffe, so auch kommunalpolitischen Nachwuchs zu finden, der über Fraktions- und Gemeindegrenzen hinweg äußert rar ist.

Die Szene verdeutlicht: Um junge Menschen für Kommunalpolitik zu gewinnen, braucht es einen langen Atem, Angebote und direkte Ansprache. Ein weiter Weg, doch eine Etappe haben die Reiskirchener nun schon gemeistert. Ein Besuch, der Schule machen könnte.

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