07. November 2018, 21:33 Uhr

Romantisiert

Heimatbegriff entstand erst mit Industriealisierung

07. November 2018, 21:33 Uhr

Was ist Heimat, wo findet man sie und was bedeutet sie für die Menschen? Rund 100 Besucherinnen trafen sich nun zum mittlerweile 49. Frauenfrühstück in Leihgestern. Als Referentin sprach diesmal Britta Laubvogel. Sie lebt in Friedberg und ist als Bildungsreferentin im Evangelischen Dekanat Wetterau tätig. 2012 erschien ihr Buch »Wenn die Liebe Trauer trägt« – seitdem ist sie als Referentin zu dem Thema Trauerbewältigung gefragt.

Um Trauerbewältigung sollte es am Samstagmorgen aber nicht gehen: »Heimat – wo ich zu Hause bin – oder das Geheimnis der Kraniche« lautete der Titel ihres Vortrags, in dem sie auf die Bedeutung der Heimat auf die Menschen einging.

Den Einstieg machte Laubvogel mit den Kranichen, die schon im Titel des Vortrags genannt sind: »Es liegt für mich auf der Hand: Der Kranich weiß wo es hingeht und zieht vom Norden in den Süden«, sagte die Referentin. »Er weiß, wo er zu Hause und was seine Heimat ist«. Ebenso sollte es den Menschen mit ihrer Heimat gehen.

Im Anschluss sollten dann die Besucherinnen selbst überlegen, was ihnen Heimat bedeutet – ist es eher ein Ort oder doch ein Gefühl. »Für mich ist Heimat eine Verbindung aus einem Ort und einem Gefühl«, erklärte Laubvogel im Gespräch mit dieser Zeitung. »Und es hat nichts mit der Herkunft zu tun: Manche verbinden mit ihrer Ursprungsheimat gar nichts mehr, sondern haben an anderen Orten eine echte Heimat gefunden.«

Gegenbewegung zum Fortschritt

Der Heimatbegriff, wie wir ihn heute kennen, entstand erst im 18. und 19. Jahrhundert. Mit der immer weiter voranschreitenden Industrialisierung fehlte den Menschen auch etwas. In diese Lücke traten dann die Romantiker als Gegenbewegung zur Industrialisierung und prägten den Heimatbegriff erst wirklich. Im 20. Jahrhundert wurde dieser Begriff dann mit dem Zweiten Weltkrieg nachhaltig beschädigt. »Die Heimat wurde verbrannt«, sagt Laubvogel. Danach waren die Menschen auf der Suche nach einer heilen Welt und einer echten Heimat ohne Trümmer und Krieg. Aber auch heute ist der Begriff wieder wichtig: »Man denkt heute wieder mehr regional«, erklärt die Referentin. »Meine These ist: Das Leben wird heute immer komplizierter und globaler – da wird das Bedürfnis stärker, sich in die kleine Welt zurückzuziehen.« Auf Fortschritt kommt erneut die Gegenbewegung.

Mit dem Frauenfrühstück am 6. April 2019 stehen mehrere Änderungen an: Mit einem neuen Raum, ein neuem Datum und einer neuen Häufigkeit der Treffen. Denn ab dem kommenden Jahr soll das Frauenfrühstück nur noch einmal jährlich stattfinden. Daneben zieht man von der Volkshalle in Leihgestern in den neuen Saal der evangelischen Stadtmission um. (Foto: con)

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