Entsorgung

Hausbauer müssen für Erde teure Entsorgungsgebühren zahlen

Erde im Boden ist Erde, Erde in der Baggerschaufel ist Abfall? Laut bürokratischer Vorgaben ist dies so. In Hüttenberg kritisieren Unternehmen diese Praxis.
10. August 2018, 05:05 Uhr
Ortstermin in Rechtenbach: Sobald der Bagger die Erde aus dem Loch gehoben hat, gilt sie als Abfall. (Foto: lbh)

Erde, die im Boden liegt, ist Erde. Erde, die man mit einem Bagger aushebt und wegbringt, ist Sondermüll. Was wie ein bürokratischer Scherz klingt, hat teure Folgen. Im Vogelsberg, aber auch in Hüttenberg sorgt das Thema für besonderes Kopfschütteln. Nicht nur öffentliche Firmen, auch private Bauwillige müssen sich mit den Folgen auseinandersetzen. Bei einem Ortstermin in Rechtenbach erklärten betroffene Firmen nun, welche Auswirkungen diese Regeln auf ihre Arbeit haben.

Das wohl größte Problem, welches auch für den enormen Aufwand bei der Entsorgung von ausgehobener Erde sorge, sei die Überregulierung der Deponien. So habe jede Deponie bestimmte Grenzwerte. Der Abfall, der dort entsorgt werden soll, darf diese nicht überschreiten. Findet sich nur ein einziger Stoff, der den Grenzwert überschreitet, muss er zu einer dafür zugelassenen Deponie gebracht werden. Dadurch entsteht ein logistischer Aufwand und die Entsorgungskosten steigen, wodurch im Endeffekt der einzelne Verbraucher leide, heißt es bei dem Ortstermin.

 

Deutliche Mehrkosten beim Hausbau

 

Das fängt schon beim heimischen Häuslebauer an: Hebt man nämlich beispielsweise beim Bau eines Hauses einen Keller aus und dadurch entstehen 400 Kubikmeter Aushub, muss man aktuell mit Entsorgungskosten von über 6000 Euro rechnen. Um zu bestimmen, wie ein Material zu entsorgen ist, wird es zunächst analysiert und aufgrund seiner Inhaltsstoffe einer bestimmten Kategorie zugeordnet. Allein die Erstellung eines entsprechenden Gutachtens kostet im Durchschnitt zwischen 500 und 600 Euro. Die Transport und Deponiekosten kommen dann noch oben drauf.

 

Vogelsberg-Erde darf nicht im Vogelsberg entsorgt werden

 

Besonders im Vogelsberg zeigt sich das bizarre der gesetzlichen Vorgaben: Hier ausgehobene Erde dürfe hier nicht entsorgt werden, da er unter anderem Schwefel enthalte. Dieser könne das Grundwasser verseuchen. Jedoch fließt das Regenwasser ständig durch diese Böden, ohne dass es bisher zu gesundheitsgefährdenden Problemen für die Bevölkerung gekommen sei.

Ein weiteres Beispiel kommt aus dem Landkreis Wetzlar. Hier durfte Aushub aufgrund von Natriumchlorid nicht direkt entsorgt werden. Das Material wurde vor dem Transport zwischengelagert. Da es zwischenzeitlich regnete, löste sich das Natriumchlorid auf. Wenige Tage später wurde das Material bei einer Analyse in eine neue Abfallklasse eingestuft.

 

Appell: Erde als Wirtschaftsgut sehen

 

Wie wichtig die Thematik für die Unternehmen ist, zeigt sich beim Ortstermin: Gleich vier Geschäftsführer kamen dabei zusammen, um über ihr Problem zu berichten: Detlef Stein, Geschäftsführer der Energie- und Wassergesellschaft Wetzlar (enwag), Sebastian Hoffmanns, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill, Karl-Heinz Schäfer, Geschäftsführer des Zweckverbandes Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) und Ulrich Weber, Geschäftsführer der Firma Ernst Weber Bau und Innungsobermeister der Bauinnung Lahn-Dill in Rechtenbach.

Ein möglicher Weg, um gegen die Probleme dieser Überregulierung vorzugehen wäre es, wenn Erde nicht mehr länger als Abfall, sondern als Wirtschaftsgut zählen würde und zur Wiederbebauung eingesetzt werden könnte, indem man sie mit bestimmten anderen Abfällen zu einem Recycling-Baustoff vermische. So könnte man zumindest einen Teil von Aushüben wiederverwerten und somit auch Deponien entlasten.

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