Feuerwehr Albach

Hat die Albacher Feuerwehr eine Zukunft?

Die Einsatzabteilung ist aufgelöst, die Nachwuchsarbeit passé. Trotzdem will der Feuerwehr-Verein in Albach weitermachen. Nur wie?
16. April 2018, 06:00 Uhr
2018 wird es aller Voraussicht nach in Albach kein Oktoberfest geben. (Archivfoto: con)

In Albach gibt es keine Feuerwehr-Einsatzabteilung mehr, keine Jugend- und auch keine Minifeuerwehr. In diesem Jahr soll zudem das Oktoberfest, der Höhepunkt im dörflichen Terminkalender, ausfallen. Doch der Feuerwehr-Förderverein will weitermachen, irgendwie. Der von der Mitgliederversammlung am Freitag neugewählte und um sechs Beisitzer vergrößerte Vorstand will sich in den kommenden Monaten über neue Zielsetzungen Gedanken machen und das Ergebnis den Mitgliedern zur Beschlussfassung vorlegen.

Bis Februar bestand die Albacher Wehr aus zwei Teilen. Erstens der öffentlich-rechtlichen Wehr, zu der neben der Einsatzabteilung auch der Nachwuchs und die Alters- und Ehrenabteilung gehörten. Und zweitens dem Verein, dessen erklärter Zweck die Förderung des Brandschutzes ist.

Die öffentlich-rechtliche Wehr ist seit dem Parlamentsbeschluss zur Auflösung des Feuerwehr-Standorts Albach Geschichte. Über den Konflikt, der zu diesem Schritt führte, verloren Vorsitzender Friedhelm Langsdorf und sein Stellvertreter Florian Blaukat in der Jahreshauptversammlung kein Wort, vorsichtshalber, denn sie liegen mit der Gemeinde Fernwald im Rechtsstreit. Stattdessen berichtete Stefanie Müller, ehedem in der aufgelösten Einsatzabteilung aktiv, auf Antrag eines Mitglieds über die Ereignisse des vergangenen Jahres, die erst zum Ausschluss der Vorsitzenden Langsdorf und Blaukat aus der Einsatzabteilung und schließlich zur Auflösung des Standorts geführt hatten. Müllers Fazit: »Rund 60 Ehrenamtliche wurden aus ihrem Hobby getrieben«.

Überall wird händeringend nach Ehrenamtlichen gesucht, aber in Albach macht man mal eben 60 Leute platt

Frank Krämer von der Partnerwehr Ahlbach

Die deutlichsten Worte an diesem Abend fand ein Auswärtiger, Wehrführer Frank Krämer von der Partnerwehr in Limburg-Ahlbach. »Das ist wirklich ein Trauerspiel.« Sein Eindruck: »Man wollte hier keine Lösung finden. Überall wird händeringend nach Ehrenamtlichen gesucht, aber in Albach macht man mal eben 60 Leute platt.«

Viele Fragen blieben an diesem Abend ungeklärt? Warum ist die Wehrführung zurück getreten? »Wir wissen es nicht«, sagen die Ex-Einsatzkräfte, die in weißen T-Shirts mit der Aufschrift »Wir sind ein Team« erschienen waren. Und warum ist alles so schief gelaufen, nachdem in der Jahreshauptversammlung vom Vorstand der Konflikt um die Einsätze auf der B 457 öffentlich gemacht wurde? Die einstigen Mitglieder der Einsatzabteilung sprechen von einem riesengroßen Kommunikationsproblem. Vom Bürgermeister bekomme man seit einem Jahr keine Antworten. Die Mediation sei eine Farce und eine Tortur gewesen. »Noch nie in meinem Leben bin ich so verarscht worden«, klagte einer der älteren Aktiven.

 

Kommunalaufsicht eingeschaltet

Und der Konflikt geht weiter. Aktuell liegen der Kommunalaufsicht zwei Beschwerden gegen Bürgermeister Stefan Bechthold vor. Erstens weil die Unterlagen für einen Bürgerentscheid auch drei Monate nach der Abgabe noch nicht geprüft sind. Und zweitens, weil Langsdorf und Blaukat, die gegen ihren Ausschluss klagen, noch keinen Widerspruchsbescheid erhalten haben, obwohl der entsprechende Beschluss im Gemeindevorstand bereits im Februar gefasst wurde.

Aus den Reihen der Mitglieder kamen aber auch kritische Anmerkungen zur Rolle der Albacher Wehr in dem Konflikt. »Der Bürgermeister hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, doch es gibt auch ein Verusacherprinzip,« bemerkte Kevin Klös.

Wie es mit dem Feuerwehr-Verein ohne Einsatzabteilung weitergehen soll, will der Vorstand in den kommenden Monaten beratschlagen. Einfach wird das nicht, unter anderem, weil die Spenden, die der Verein erhalten hat, zweckgebunden sind: zur Förderung des Brandschutzes. Laut Kassenführer Jan-Patrick Emmel hat der Verein gut 20 000 Euro auf dem Konto. »Wir können das Geld nicht einfach nehmen und uns in Burschenschaft Albach umbenennen«, machte der stellvertretende Vorsitzende Blaukat deutlich. Der Vorstand will sich in diesen Fragen von einem Anwalt beratenlassen.

 

Fürs Oktoberfest fehlen die Helfer

Dass es zumindest 2018 kein Oktoberfest geben soll, wurde allgemein bedauert. Aber die Einsatzabteilung war die tragende Säule der Organisation dieser beliebten Veranstaltung. »Ohne sie können wir das nicht stemmen«, erklärte Friedhelm Langsdorf. Und die Ex-Aktiven wollen sich dieser Aufgabe zumindest momentan nicht stellen. Bei ihnen ist nach eigenem Bekunden »die Luft raus.«

Dieses Problem bewegt auch Florian Blaukat. »Womit halten wir die Leute ohne gemeinsames Ziel bei der Stange?« Für den wiedergewählten Vorsitzenden Langsdorf aber steht eines außer Frage: »Den Verein Freiwillige Feuerwehr Albach wird weiter bestehen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Brandschutz
  • Förderung
  • Kommunikationsprobleme
  • Oktoberfest
  • Stefan Bechthold
  • Vereine
  • Fernwald
  • Ursula Sommerlad
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.