16. August 2018, 22:13 Uhr

Handwerker aus Leidenschaft

16. August 2018, 22:13 Uhr
Wilhelm Lapp in seinem Element als Schuhmacher in seiner Werkstatt – hier hat er sich nochmals in seine Werkstatt zur Schuhreparatur begeben. (Foto: ws)

Er war 2012 der letzte aktive Schuhmacher in Biebertal: Wilhelm Lapp aus Rodheim. Er übte das Schuhmacherhandwerk über 60 Jahre lang aus, bis das Rodheimer Schuhhaus Lapp nach über 150-jähriger Firmengeschichte in der Mühlbergstraße am 31. Januar 2012 schloss. Lapp, Jahrgang 1936, ist ein echter »Rodheimer Bub«, geboren in der Bieberstraße 9, besuchte zunächst die Volksschule in seinem Heimatort. Danach absolvierte er von 1951 bis 1954 eine Ausbildung zum Schuhmacher bei der Firma Wilhelm Magold in Gießen, damals in der Licher Straße. Die Firma hatte eine sechsköpfige Belegschaft, darunter Willi Balßer, der später sein Geschäft als Schuhmachermeister in der Steinstraße in Gießen hatte. »Damals wurden viele Schuhe für Kriegsversehrte gefertigt. Ich fuhr mit der »Bieberlies« nach Gießen und lief dann zu Fuß in die Licher Straße. Im Sommer nahm ich auch das Fahrrad. Die Licher Straße war Anfang der 1950er Jahre noch eine Trümmerlandschaft. Im Winter wurden die Lederabfälle im großen Kohleofen verheizt«, erinnert sich Lapp. 1955 trat er in den Betrieb seines Vaters Wilhelm Konrad Lapp ein.

Blick in die Firmenhistorie: Bereits 1860 begann der Urgroßvater des letzten Firmeninhabers Wilhelm Lapp, Georg Lapp, mit der Anfertigung von Maßschuhen und mit Reparaturen. 1928 erfolgte zum ersten Male der Verkauf von Konfektionsschuhen aus Fabrikfertigung im Wohnzimmer von Wilhelm Konrad Lapp im Bornweg 8. 1934 erwarb Lapp das Anwesens Mühlbachstraße 51 (heute Bieberstraße 9). Dort wurden eine Schuhmacherwerkstatt und ein Laden im Nebengebäude eingerichtet. 1939 wurde das Hauptgebäude an- und umgebaut und das Ladenlokal mit Schaufenster direkt an der Mühlbachstraße eröffnet. 1968 wurde das neue Wohn- und Geschäftshaus in der Mühlbergstraße 1a bezogen. 1972 übernahm Wilhelm Lapp nach dem Tod seines Vaters Konrad Wilhelm die Firma. 1979 erfolgte ein umfangreicher Umbau zur Gestaltung des Ladenlokales mit einer Verkaufsfläche von 70 Quadratmetern. Wilhelm Lapp betrieb das Geschäft von 1972 zusammen mit seiner Frau, die leider schon 2008 verstarb. Bis 1981 war Annemarie Lapp mit ihrem Mann allein im Verkauf tätig. 1981 kam Doris Samer hinzu, 1989 Silke Bremer und 1991 Simone Lapp-Rinn. »Individuelle Beratung und guter Service in der Schumacherwerkstatt gehörten zur Firmenphilosophie unseres alteingesessenen Schuhgeschäftes«, so Lapp.

Werkzeug der Vorväter

Das Reparaturwerkzeug hatte Wilhelm Lapp von seinen Vorfahren übernommen. Die Nähmaschine war noch vom Großvater. Leisten, der Ausweitapparat für die Schuhe, die Doppelmaschine zum Annähen von Schuhsohlen, die Ausputzmaschine zum Schleifen), die Sohlen- und Absatzpresse sowie Hammer, Zange und Messer sowie anderes Werkzeug gehören dazu. Wilhelm Lapp reparierte jeden Tag Schuhe in seiner Schuhmacherwerkstatt. Stolz ist Schumacher Lapp auf die selbst angefertigten Maßschuhe, die er ebenso aufbewahrt hat wie die rahmengenähten Maßschuhe für den damaligen Rodheimer Sattler Heinrich Schmidt aus der Vetzberger Straße. Einer der Schuhe blieb unvollendet, da der Sattler plötzlich verstarb. »Das Schumacherhandwerk und das Schuhgeschäft haben mir viel Freude und Spaß gemacht. Ich war mit großer Leidenschaft Schuhmacher. Die 1980er Jahre waren die besten für das Geschäft.«

Das alteingesessene Schuhgeschäft bot stets ein breites Sortiment an Kinder-, Damen-, Herren- und Sportschuhen sowie Sporttaschen und Kleinlederwaren.

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