25. Juli 2018, 21:41 Uhr

»Groß und Klein« ganz subtil

25. Juli 2018, 21:41 Uhr
Sepiatönung reduziert auf das Wesentliche: Fotografie von Barbara Ritzkowski. (Foto: kdw)

Unter »Groß und Klein« kann man sich viel vorstellen. Die gleichnamige Ausstellung im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK) macht deutlich, dass selbst ein so allgemeiner Ansatz zu sehr differenzierten Resultaten führen kann – was im KuKuK ja durchaus öfter vorkommt. Die Eröffnung am Freitag war gut besucht. Ulrike Dalla-Bona, Hartmut Dörr, Johannes Eucker, Ernst Moritz, Barbara Ritzkowski, Sabine Schalefke, Regina Willems, Ingrid Wortmann-Wilk und Annemarie Zaha beweisen, dass sie die Aufgabe mit zum Teil verblüffender Subtilität, ja Raffinesse angingen. Platte antagonistische Darstellungen sucht man vergeblich.

Bilder wirken lange nach

Ines Scheurmann vom Vorstand erinnerte sich in ihrer Einführung noch an ihre Skepsis, wie aus der Aufgabenstellung »Groß und klein« substanzielle Resultate entspringen sollten, sah sich aber im Angesicht der Schau erleichtert, »dass es gut geworden ist«. So findet man etwa Barbara Ritzkowskis eindrückliche fotografische Menschendarstellungen, mit Sepiatönungen aufs Wesentliche konzentriert. Sie erweitern das Thema auf die Beziehung zwischen Alt und Jung.

Annemarie Zaha setzt mit ihren beiden Nägeln, einer groß und einer riesig, sogleich den optischen Hauptakzent (»Wie groß?«) in der Kunsthalle und betrachtet die Frage leicht ironisch. Ulrike Dalla-Bona hingegen fiel die unendliche Nahrungskette ein. Sie zeigt eine Reihe von kleinen und immer größer werdenden Fischen, die schließlich alle im Schlund des größten Artgenossen verschwinden (»A never ending story«); optisch attraktiv wie eine eingefrorene Zeitlupenaufnahme aus dem Wissenschaftsfernsehen – nur witziger. Und Johannes Eucker setzt seinem eisernen Insekt einen winzigen Gefährten auf die Schultern und nennt sie »Ein ungleiches Paar«. Ob sie Freunde oder Geschlechtspartner sind, bleibt offen, vor allem sieht das zauberhaft verschmitzt aus – besonders, wenn man ganz nahe herangeht.

Schon eher bedrohlich wirken die Verhältnisse, die Hartmut Dörr in seinen sehr gut gestalteten Fotografien zeigt. Er schaute auf das Leben und vor allem das Wohnen unter riesigen Straßenbrücken. Die lassen alles Bauwerk unter sich fast winzig, jedenfalls aber unbedeutend aussehen (»Kronjuwelen«). Die Ansichten vermitteln ein ziemlich ungutes Gefühl, denkt man darüber nach und lässt die Bilder auf sich wirken. In einem anderen Werk zeigt er ein tatsächlich unerhört herziges kleines Mädchen und nennt es schmunzelnd »Maya größer«. Obwohl es augenscheinlich ein Schnappschuss ist, vermittelt das Bild unmissverständlich das sanfte Insichruhen, das dem Kind gerade das Dasein verschönt. Das Schöne ist, dass dies nur ein kleiner Ausschnitt aus den sehenswerten Impressionen ist, die den Besucher auch diesmal wieder erwarten.

Bis 19. August in der KuKuK-Kunsthalle in Wißmar, Goethestr. 4b (geöffnet samsstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr).

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