12. September 2018, 22:08 Uhr

Gerüstschüttler und Behörden-Ebay

12. September 2018, 22:08 Uhr
Der Zoll hilft auch beim Artenschutz und spürt illegale Tierimporte auf. (Foto: siw)

Die Bereitschaft zum Tragen einer Waffe und Dienstkleidung sowie das Deutsche Sportabzeichen gehören zu den Voraussetzungen für welches Berufsbild? Vorweg: Um den Dienst bei der Polizei geht es in diesem Falle nicht. Die richtige Antwort hielt die Auftaktveranstaltung zur Ausbildungsoffensive 2018 bereit. Diese ist seit elf Jahren einer von vielen Bausteinen, der bei der Suche nach dem »Traumjob« IGS-Schülern eine fundierte Entscheidungshilfe gibt. Lehrkräfte und Mitarbeiter der IGS, Jugendpflege und Unternehmer aus der Region beteiligten sich daran. Am Mittwoch waren es 22 Dienstleister und Gewerbetreibende, die an ihren Ständen in der IGS-Aula informierten und Fragen beantworteten. Einen Praktikumstag für einen oder mehrere Schüler der achten Klassen bieten 37 Firmen an – von A wie Amtsgericht bis Z wie Zahnarztpraxis.

Mit dem Uni-Klinikum Gießen-Marburg und dem Johanniterstift Buseck – beide waren mit Info-Ständen vertreten – haben die Handwerksbetriebe eines gemeinsam: Ihnen fehlen Auszubildende. Während deutsche Handwerker in Amerika, Kanada und Australien umworben werden, besteht hierzulande ein Image-Problem. Für Jörg Schepp (Heizung, Sanitär, Lüftung) liegt die Ursache in der mangelnden Wertschätzung des Handwerks und keinesfalls in den vielseitigen und interessanten Tätigkeitsfeldern. Weiter bedauert er: »Durch die Unterbrechung der Kette geht wichtiges, praktisches Wissen verloren, das die Jahre zuvor von den Altgesellen an die Junggesellen weitergegeben wurde.«

Geld stinkt doch

Von einem auf lange Sicht unterbrochenen Wissenstransfer, der für den firmenspezifischen Bereich besonders wertvoll ist, spricht auch Frank Petzold (Werth Messtechnik). »Bis vor zehn Jahren erhielten wir ohne unser Zutun Bewerbungen, seit einigen Jahren kommt da nichts mehr,« sagt Michaela Ranft (Müller und Waffenschmidt, Elektro).

Zurück auf Anfang: Hier geht es um Anforderungen an die Bewerber beim Hauptzollamt Gießen, bei den sogenannten »Bundesadleraugen«. »Wir sind zwar Geldeintreiber für den Staat, aber dennoch kein Finanzamt«, sagt Pressesprecherin Stefanie Eisenfeller. In lockerer Manier stellt sie die Aufgaben ihrer Behörde vor. »Unsere Gerüstschüttler, wie wir sie intern scherzhaft nennen, sind der Schwarzarbeit auf der Spur.« Auch die Einhaltung von Mindestlohnzahlungen wird überprüft.

»Und wir schnüffeln gerne in der dreckigen Wäsche anderer Leute.« Hier beschreibt Eisenfeller das Szenario am Flughafen Frankfurt, dem Hotspot des Zolls in Mitteldeutschland. Hier und anderswo werden Hundeführer des Zolls für den Tier- und Artenschutz (Schildkröten, Elfenbein, Schlangen usw.) eingesetzt. Mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn kommen die ausgebildeten Hunde Rauschgift und Tabak auf die Spur. »Außerdem helfen sie uns, Geldschmuggel aufzudecken«, berichtet Eisenfeller. Fragezeichen in den Gesichtern der Schüler. Die Zollbeamtin räumt sodann mit dem alten Sprichwort »Geld stinkt nicht« auf. »Geld hat einen Eigengeruch, auf den einige Hunde trainiert werden.« Zollbeamte fungieren auch als Vollstrecker. Gepfändetes wird im »Behörden-Ebay« unter www.zoll- auktion.de versteigert. In Gießen sind gut 800 Mitarbeiter im Einsatz, in Frankfurt nahezu doppelt so viele. Möglich ist eine Ausbildung im mittleren Dienst und ein duales Studium im gehobenen Dienst. Im Praktikum ist Innendienst angesagt. »Ihr dürft zwar mal eine schusssichere Weste tragen, aber wir können euch ja nicht als Kanonenfutter in den Außendienst schicken«, meint Eisenfeller. Sie schätzt es, dass man bei den vielen Einsatzmöglichkeiten beim Zollamt Familie und Beruf unter einen Hut kriegt.

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