02. September 2018, 19:43 Uhr

Für Tritt ins Gesicht nicht ins Gefängnis

02. September 2018, 19:43 Uhr

Der Tritt ins Gesicht eines in diesem Augenblick Wehrlosen ist schon harter Tobak. Ein heute 31-Jähriger aus Dutenhofen war deswegen vom Amtsgericht Gießen im September letzten Jahres wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von 16 Monaten verurteilt worden. Spielraum für eine Aussetzung der Strafe hatte die Kammer seinerzeit nicht gesehen. Gegen dieses Urteil hatte der Täter Mike T. Berufung eingelegt. Seine Anwältin Dagmar Nautscher hatte dabei vor allem das Ziel, die Aussetzung der Strafe zur Bewährung zu erwirken.

Und das wurde erreicht. Die Berufungsinstanz, also die 3. Strafkammer des Landgerichts Gießen unter dem Vorsitz des Richters Dr. Johannes Nink verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und setzte dabei eine zweijährige Bewährungszeit fest. Dabei wurde von einer günstigen Sozialprognose des Vaters eines fünfjährigen Mädchens ausgegangen. Ungeachtet der zivilrechtlichen Ansprüche des Opfers wurde Mike T. zu einer Schmerzensgeldzahlung von 3000 Euro, zahlbar in Monatsraten à 100 Euro, verurteilt. Außerdem wird der Dutenhofener einem Bewährungshelfer zugeteilt und einen etwaigen Wohnsitzwechsel bei Gericht sowie Bewährungshilfe melden müssen.

Opfer leidet noch heute

Nink hatte für den Angeklagten mehrere gute Ratschläge parat, die dessen Lebensweg durchaus positiv beeinflussen könnten. So empfahl ihm der vorsitzende Richter, künftig einer geregelten Beschäftigung nachzugehen. Der gelernte Schreiner hatte zwar erklärt, eine Arbeitsstelle in Aussicht zu haben, doch damit konnte er beim Richter nicht punkten. Ein weiterer sehr gut gemeinter Ratschlag: »Machen Sie den Führererschein.« Diesen hat der 31-Jährige bislang noch nicht erworben.

Ein Blick zurück auf den 18. April 2016. Der Angeklagte und zwei weitere Bekannte hatten an jenem Tag ab der Mittagszeit Alkohol getrunken. Dabei waren sie in die Wohnung eines der beiden Bekannten in der Frankfurter Straße in Großen-Linden gegangen, wo die Unterhaltung sehr lautstark geführt wurde. So laut, dass die Partnerin des Wohnungsinhabers wegen der in der Wohnung lebenden Kinder mahnend einschreiten musste.

Es kam auch zu einem Streit zwischen Mike T. und dem späteren Opfer, das bei dem Prozess als Nebenkläger auftrat. Möglicher Hintergrund: Der Geschädigte soll die Mutter des Angeklagten beleidigt haben, außerdem schuldete der Täter seinem Gegenüber noch Geld. Beide wurden aus der Wohnung komplimentiert und setzten auf der Straße ihren Streit fort, nur, dass die zuvor verbal geführte Auseinandersetzung eskalierte und nun mit Körpereinsatz fortgeführt wurde, wobei sie sich gegenseitig leichte Verletzungen zufügten.

Die Rangelei, es war bereits gegen 22.30 Uhr, sahen zwei junge Frauen, die vom Sport kommend mit dem Auto an den beiden Streithähnen vorbeifuhren, aber dann beherzt eingriffen und die Kontrahenten voneinander trennten. Die beiden Männer schienen sich zu beruhigen, der andere Mann setzte sich auf, und dann trat Mike T. ihm mit voller Wucht ins Gesicht.

Das Opfer erlitt unter anderem eine komplexe Gesichtsfraktur, unter der er heute noch zu leiden hat. Die Verletzungen waren so heftig, dass er intensivmedizinisch behandelt werden musste und die Ermittlungen zunächst von der Mordkommission aufgenommen wurden. Der Täter hatte zum Zeitpunkt der Tat einen Blutalkoholgehalt von hochgerechnet etwa 2,1 Promille.

Da er aber durchaus gewohnt war, Alkohol zu sich zu nehmen, ging das Gericht bei dieser Tat nicht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Gleichwohl musste Nink feststellen: »Alkohol war bei der Tat der entscheidende Faktor.« Das kommt einer dringenden Empfehlung an den Angeklagten gleich: »Hände weg vom Alkohol

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