04. Januar 2019, 13:05 Uhr

Lebenswege

Friseur, Trucker, Reisebürochef – die Karriere des Hans-Joachim Menz aus Buseck

Viel hat Hans-Joachim Menz von der Welt schon gesehen. Und auch schon viele Berufe gehabt. Seit 1. Januar ist er in Ruhestand – und hat bereits neue Ziele.
04. Januar 2019, 13:05 Uhr
Hans-Joachim Menz auf Reisen. Der 66-jährige Neurentner will nun seinen Bootsführerschein machen. (Repro: siw)

Was soll ich bloß lernen? – Das war die große Frage! Wie Hans-Joachim Menz heute gesteht, hatte er als junger Mann Lust auf nichts. Heute kann er auf einen ungewöhnlichen Karriereweg zurücknlicken.

1967 kam das Angebot von Richard Eulenberg. Die Haarschneiderei lag nur einen Katzensprung vom Elte rnhaus von »Menze-Hans« am Anger in Großen-Buseck entfernt. Die Mutter sagte: »Mach’ das, dann hast du einen kurzen Arbeitsweg und kannst zum Mittagessen nach Hause kommen.« Er machte es.

 

Vom Friseursalon ins Führerhaus

Im zweiten Lehrjahr zog sich Eulenberg zurück und Ingrid Deibel übernahm den Salon. Menz wurde als Bester der männlichen Prüfungsteilnehmer bewertet und wurde vom Prüfungsausschussvorsitzenden Karl Heinz Römer eingestellt. Zwei Jahre später erfolgte die Einberufung zur Bundeswehr. Hier machte Menz den Lkw-Führerschein, fuhr später vier Jahre für Edeka Laster. Das wurde ihm zu langweilig, deshalb wechselte er als Fernfahrer zu Schwabfrucht. Als er auch hier alle Straßen auswendig kannte, sprach er beim Arbeitsamt wegen einer Umschulung vor. Diese wurde ihm verweigert, da Frisöre und Lkw-Fahrer ja dringend gesucht wurden.

Ein Skiunfall brachte die Wende. »Mein Wirbel war längs gerissen, ich war kurzzeitig bewusstlos«, erzählt Menz. Nun erhielt er aus medizinischen Gründen eine Empfehlung für eine Umschulung. Im Reha-Zentrum BFZ in Waldkraiburg in Bayern ließ sich Menz zum Informatiker ausbilden, fand eine Anstellung bei der GZS (Gesellschaft für Zahlungssysteme), eine Tochter von Banken und Sparkassen. Hier arbeitete er sieben Jahre als Systemmanager.

 

Auf den Spuren von "Flipper" in Florida

»Freddy Quinn ist schuld daran, dass ich immer Fernweh hatte«, sagt Menz. »Ich wollte die Welt kennenlernen und unbedingt an die Westküste Floridas, dort wo ›Flipper‹, meine Lieblingsserie aus Kindertagen, gedreht wurde.« Fernweh, gepaart mit Mut und Risikobereitschaft, führten schließlich dazu, dass Menz im Dachgeschoss des Elternhauses vor 25 Jahren ein Reisebüro mit zwei Solarien eröffnete. Das lief gut und machte Spaß. Als ihm Räume im Schützenweg von Edeka angeboten wurden, griff er sofort zu.

Nur mit dem Datum hatte er wenig Glück: Einen Tag vor dem 11. September 2001 unterschrieb er einen Zehn-Jahres-Mietvertrag. Nach den Terroranschlägen in Amerika war den Leuten erst einmal die Reiselust vergangen. »Ohne finanzielle Rücklagen hätte ich die monatelange Flaute nicht verkraften können«, erklärt Menz. Inzwischen wurde der Mietvertrag für das Reisebüro mehrfach verlängert.

»66 Jahre und kein bisschen leise«, sagt Menz schmunzelnd über sich selbst. Dennoch übergab er nun die Leitung des Reisecenters in jüngere Hände: Mit Vincent Geisert ist ein Mitarbeiter aus den eigenen Reihen seit dem 1. Januar der neue Inhaber.

 

Nächstes Ziel: Bootsführerschein

»Meine Freundin und ich machen dann nur noch das, was uns gut tut«, freut sich der Neurentner. Sobald seine eigene noch vermietete Penthouse-Wohnung frei wird, möchte er mit seiner langjährigen Lebensgefährtin nach Berlin ziehen. Warum gerade Berlin? Bei dieser Entscheidung spielte auch die Vernunft mit, weniger das Fernweh. Gemeint sind die ärztliche Versorgung und deutschsprachige Ärzte. »Beim Kauf der Wohnung haben wir auf Barrierefreiheit geachtet. Berlin hat außerdem viel zu bieten: Kultur, Museen und 13 000 Restaurants, die wollen alle getestet werden. Wir schauen von der Wohnung direkt auf das Wasser (die Dahme), haben einen eigenen Bootsanleger.« Sobald die Zelte hier abgebrochen sind, will Menz seinen Bootsführerschein machen.

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