25. September 2018, 22:11 Uhr

Finanzierung bleibt Knackpunkt

25. September 2018, 22:11 Uhr
Die Jubiläumsfeier wird musikalisch anspruchsvoll umrahmt, hier von den Akteuren des Blues-Workshop. (Foto: nab)

Seit 40 Jahren gibt eine Musikschule in Lich: Mit einem Festakt am Sonntag im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge haben Lehrer, Schüler, Gründungsmitglieder und politische Vertreter das Jubiläum gefeiert. Viele der Festredner hoben die kulturelle Bedeutung der Musikschule für die Stadt und ihren Einfluss auf die Bildung junger Menschen hervor. Gleichwohl gab es aber auch kritische Worte, da stets die Finanzierung ein Knackpunkt ist und die Politik nach Meinung vieler stärker in die Verantwortung treten muss.

So decke der Landeszuschuss nur vier Prozent der Gesamtkosten, machte Katja Marauhn vom Verband deutscher Musikschulen in Hessen (VdMH) in ihrer Ansprache deutlich. Die Unterfinanzierung führe dazu, dass Eltern der Schüler 70 Prozent der Kosten tragen müssen. Auch die Lehrkräfte, die alle gut ausgebildet seien und meist ein Studium abgeschlossen haben, könnten nur freiberuflich mit Honorarverträgen und unzureichender Absicherung arbeiten. »Eine öffentliche Musikschule soll und muss für alle da sein«, sagte Marauhn im Vergleich zu den auf Gewinn orientierten privaten Musikschulen. Wünschenswert wäre, wenn die Kosten zu je einem Drittel von Land, Kommune und den Nutzern geschultert werden. In der Politik ist man sich des Problems bewusst. Auch SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel machte in seiner Ansprache deutlich, dass verlässliche Finanzierungsstrukturen geschaffen werden müssen und dass es gute Absicherungen für die freiberuflich arbeitenden Lehrer geben müsse. Aus dem kulturellen Leben Lichs sei die Musikschule genauso wenig wie das Kino Traumstern und der Verein »künstLich« wegzudenken.

Staatssekretär Patrick Burghardt verdeutlichte, dass die Musikschulen neben den Schulen einen wichtigen Erziehungsbeitrag leisten. »Musik vermittelt Attribute, die junge Menschen auf das Leben vorbereiten«, hob der stellvertretende Vorsitzende der hessischen CDU hervor. Er erinnerte daran, dass das Land seit 2015 die Zuschüsse verdoppelt habe. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördere die Musikschule in Lich in diesem Jahr mit 13 900 Euro.

18 Lehrer unterrichten 400 Schüler

Erste Kreisbeigeordnete Dr. Christiane Schmahl wünschte sich mehr Förderung für die öffentlichen Musikschulen von der Landesregierung, damit sich alle Menschen diesen Unterricht leisten können. Stadtrat Dr. Klaus Doll erinnerte daran, dass Musikschulen nicht nur für den Beruf fit machen, sondern auch zur Entwicklung der Persönlichkeit beitragen und die Menschen zu selbstbewussten Staatsbürgern formen. »Uns ist es wichtig, diese Einrichtung auch über die nächsten 40 Jahre hinauszutragen«, führte Thorsten Noll vom Trägerverein der Musikschule Lich an. Stefan Heuss vom Förderverein der Musikschule berichtete von neuen Projekten, wie etwa dem Musizieren mit Stimme und Perkussioninstrumenten in Seniorenheimen. Schon lange arbeitet die Musikschule mit den Schulen in Lich und der Grundschule in Langsdorf zusammen.

Andreas Kühr, der neben Peter Damm und Hans Kreuzinger schon seit über 30 Jahren an der Musikschule tätig ist und zum 1. Oktober 2018 deren Leitung übernimmt, erinnerte an die Gründung 1978 mit 70 Orgelschülern. 1984 zog die Musikschule in die ehemalige Synagoge um. In den 90er Jahren sei die Zahl der Schüler auf 500 gewachsen. Nachdem die ehemalige Bezalel-Synagoge umgebaut wurde und die Musikschule insgesamt 17-mal umziehen mussten, fand sie 2006 dort Platz mit fünf Unterrichtsräumen – doch knapp wird der Raum immer. Heute unterrichten 18 Lehrer rund 400 Schüler.

»Inklusion war von Anfang an kein Thema«, erinnerte Kühr. »Wir legen großen Wert darauf, dass wir Unterricht für jeden anbieten.« Er betonte noch einmal: »Es braucht mehr finanzielle Mittel, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.« Dass sich all das lohnt, bewiesen die musikalischen Beiträge der Musikschüler, die zwischen den Grußworten einen Einblick in das vielseitige Repertoire der öffentlichen Einrichtung gaben.

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