14. Februar 2019, 23:47 Uhr

Fernwald darf weiter wachsen

14. Februar 2019, 23:47 Uhr

Der Weg ist frei für weiteres Bauland in Annerod: 3,3 Hektar Flächen stehen zusätzlich zur Verfügung. So kann »Auf der Jägerplatt III« ein vierter Bauabschnitt erschlossen werden. Das benachbarte Gewerbegebiet »In der Brennhaar« wächst um 7,8 Hektar. Davon ist der überwiegende Teil (6,5 Hektar) gewerbliche Baufläche, der Rest Mischgebiet. Der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung hat dafür am Donnerstag »grünes Licht« gegeben. Und das, obwohl Fernwald seine »erlaubten« Flächen längst ausgeschöpft hat.

Warum die Ausnahmegenehmigung? Das hat mit der Gunst der Lage zu tun: Fernwald gilt als attraktive Wohngemeinde. Das spiegelt sich im Bevölkerungszuwachs wider. Zwischen 2011 und heute ist die Einwohnerzahl um rund 230 auf 6720 gewachsen. Und der Trend setzt sich fort: Im dritten Bauabschnitt auf der Jägersplatt in Annerod werden 22 Baugrundstücke vermarktet. An Oppenröder Straße in Steinbach, in den so genannten »Steinbacher Gärten«, gibt es rund 50 Wohnungen plus 48 Reihenhäuser. Also ist mit weiterem Anstieg der Bevölkerungszahlen zu rechen. Und die Nachfrage nach Bauland ist ungebrochen.

Gewerbeflächen sind derzeit überhaupt nicht mehr verfügbar. Das soll sich nun ändern. Einzig aus landwirtschaftlicher Sicht gibt es Bedenken – denn es droht weiterer Verlust von Weide respektive Ackerland – und Boden ist eben nicht vermehrbar.

Mit der Genehmigung sind Auflagen verbunden. Denn die rund 11 Hektar große Fläche übersteigt das, was an Siedlungszuwachs in der Kommune vorgesehen war, deutlich. Das im Regionalplan genehmigte Flächenpotenzial ist längst ausgeschöpft. Der vorgesehene Ausgleich, eine Fläche bei Albach, die dafür aus einer Siedlungsplanung herausgenommen wird, misst nur neun Hektar.

Innen- vor Außenentwicklung

Die Bedingungen der Regionalplanung: So sollen die knapp acht Hektar fürs Gewerbe mindestens in drei Abschnitten erschlossen werden. Ein weiterer Abschnitt darf immer erst dann geplant werden, wenn der vorhergehende zu 75 Prozent vermarktet ist. Einzelhandel wird ausgeschlossen.

Für das Wohnbauland gilt eher verdichtetes Bauen: wenigstens 30 Wohneinheiten je Hektar. Das sieht denn eher nach Reihenhäusern respektive Doppelhaushälften oder wenigstens zweigeschossiger Bebauung aus.

Zwischen Wohn- und Gewerbeflächen ist ein Lärmschutzwall zu schaffen.

Die nun zur künftigen Bebauung freigegebenen Äcker und Wiesen waren bislang der Landwirtschaft gewidmet und als regionaler Grünzug ausgewiesen; mit Bedeutung fürs Mikroklima und den Grundwasserschutz. Wie viel Fläche in einer Kommune für Industrie, Gewerbe oder eben Wohnbebauung neu zur Verfügung steht, das wird jeweils im Regionalplan festgehalten. Der wird etwa alle zehn Jahre überarbeitet – so auch aktuell wieder. Noch gilt der Plan von 2010, doch im vergangenen Jahr sind alle 101 Städte und Gemeinden in Mittelhessen angefragt worden, wie es bei ihnen mit dem Bestand aussieht – und vor allem, wo sie Flächen neu erschließen wollen.

Innerorts oder in bereits vorhandenen Gewerbegebieten, so schätzt man, gibt es zwischen 10 und 20 Prozent ungenutzter Flächen, die noch aktiviert werden könnten. Rund zwei Drittel aller mittelhessischen Kommunen haben dazu entsprechende Rückmeldungen gegeben.

Warum rückt das in den Fokus? Beim neuen Regionalplan soll nämlich der gleiche Grundsatz gelten wie schon 2010: »Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung.« Deshalb wünscht sich die Regionalplanung von den Kommunen, dass diese ein Baulückenkataster und ein Leerstandskataster erarbeiten. Auch damit haben sich rund zwei Drittel der mittelhessischen Kommunen auseinandergesetzt, 19 Städte und Gemeinden haben dazu sogar die Eigentümer befragt.

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