10. September 2018, 05:00 Uhr

Wissenschaft

Feldforschung zu Wurmlöchern in Eberstadt

Der Drahtwurm macht Landwirten zu schaffen. Mit einem Pilz sind Göttinger Wissenschaftler dem Wurm auf einem Testfeld bei Eberstadt zu Leibe gerückt.
10. September 2018, 05:00 Uhr
Auf dem Feld nahe dem Mühlenhof bei Eberstadt: Volker Weisel, Stefan Vidal und Jonas Weisel (von links) lesen stichprobenartig Kartoffelknollen, um den Effekt des eingebrachten Pilzes zu begutachten. (Foto: jwr)

Verstreut auf einer 24 mal 60 Meter großen Fläche bücken sich junge Leute und lesen Kartoffeln auf. Viele Pflanzen sind verdorrt, auch auf diesem Feld des Eberstädter Landwirts Volker Weisel hat der trockene Sommer Spuren hinterlassen.

Doch heute geht es nicht um diese sichtbaren Dürreschäden, sondern um ein ganz anderes Problem: Drahtwürmer dringen in viele Fruchtpflanzen ein und bohren Löcher – auch in Kartoffeln. Zwar lassen sich die schadhaften Stellen rausschneiden. Doch wer will schon angeschnittene Kartoffeln im Handel kaufen? Es liegt auch an den Ansprüchen der Verbraucher, dass die Spuren der Drahtwürmer den Ernteertrag bedrohen.

Spuren des Drahtwurms.	(Foto: jwr)
Spuren des Drahtwurms. (Foto: jwr)

Die emsigen Leser auf dem Acker helfen nicht etwa bei der Ernte – die will Weisel erst einfahren, wenn es noch mal »richtig geregnet hat«. Es handelt sich um Wissenschaftler. Ein Team des Instituts für Agrarentomologie der Universität Göttingen ist angereist, Experten für Insektenkunde in landwirtschaftlichem Kontext.

 

Hochspezialisierter Pilz

Sie bringen ein Experiment zu Ende und schauen, welche Früchte es trägt. Im Mai hatten die Forscher um Prof. Stefan Vidal ihren Versuch gestartet: Auf Weisels Kartoffelacker brachten sie ein Granulat in den Boden ein, das den ungeliebten Würmern Einhalt gebieten soll. Es enthält Metarhizium Brunneum. Das ist ein Pilz, der zu wachsen beginnt, wenn die Kapseln feucht werden.

Kommen seine Sporen mit dem Drahtwurm in Kontakt, dann befällt er sie und tötet sie ab. Es ist quasi ein biologischer Kampfstoff gegen den Drahtwurm, speziell auf ihn zugeschnitten. An den Pflanzen richten die Pilze dagegen keinen Schaden an, ebensowenig bei Regenwürmern.

Drahtwürmer sind nicht wählerisch und hart im Nehmen

Prof. Stefan Vidal, Uni Göttingen

Der Wurm ist nicht etwa eine eingewanderte Spezies. »Die gibt es schon immer«, sagt Vidal. Sie seien »nicht wählerisch und hart im nehmen«. Große Probleme bereiten sie Bauern aber erst in der jüngeren Vergangenheit. Insektizide, die bis vor einigen Jahren gegen die schädlichen Würmer eingesetzt worden waren, sind laut Vidal mittlerweile nicht mehr zugelassen.

 

Ernteeinbußen wegen der Hitze

An sich ist diese Methode nicht neu, das Granulat ist längst auf dem Markt und wurde von einem Hersteller angeliefert. Die Göttinger Forscher wollten in diesem Fall testen, welchen Einfluss der Zeitpunkt der Anwendung hat. »Üblicherweise wird der Pilz schon bei der Pflanzung eingebracht, hier haben wir das getan, als die Pflanzen schon Laub hatten«, erläutert Vidal. Sie haben die Hoffnung, dass das biologische Insektizit dadurch noch mehr Wirkung entfalten kann.

Landwirt Weisel, der selbst an der Uni Gießen tätig ist, ist durch eine Fachzeitschrift auf das Mittel gegen die Drahtwürmer und Vidals Forschung aufmerksam geworden. Er fragte in Göttingen an, dann kam die Zusammenarbeit zustande. »Ich hoffe, dass es gewirkt hat und keine Würmer drin sind«, sagt Weisel.

Allein durch die Hitze rechnet er mit Ernteeinbußen von rund 30 Prozent. Da wäre es gut, wenn zusätzlich nicht allzu große Einbußen durch den Wurm hinzukommen. Sein erster Eindruck: »Es sieht ganz gut aus.«

 

Analyse steht noch aus

Der Göttinger Professor ist mit einer Prognose zu dem Pilz-Experiment noch vorsichtig: »Das kann man noch nicht sagen.« Neben jenen Parzellen, auf denen das Hoffnung versprechende Granulat eingebracht wurde, gibt es auf dem Areal auch unbehandelte Flächen, um einen Vergleich ziehen und damit Aussagen über die Wirkung treffen zu können.

Säckeweise schleppen die Wissenschaftler Kartoffeln vom Acker. Auf den Vergleichsflächen finden sie viele Exemplare mit kleinen Bohrlöchern der Würmer. Damit ist zumindest klar, dass der Schädling hier aktiv war, ein Vergleich also möglich ist.

Auf frischer Tat ertappt hat das Uni-Team übrigens keinen einzigen Drahtwurm, sondern nur seine Spuren gesehen. Die gesammelten Erdäpfel haben sie mit nach Göttingen genommen. Dort werden sie die Löcher auszählen und statistisch erfassen. Erst dann wird klar sein, wie stark der Effekt der hoch spezialisierten Killer-Pilze in Eberstadt war.

Info

Der Drahtwurm

Als Drahtwürmer werden die Larven des Schnellkäfers bezeichnet, in Europa leben zahlreiche Arten davon. Den Namen haben die kleinen Würmer ihres Aussehens wegen bekommen. Sie befallen unter anderem Kartoffelknollen und »trinken« quasi daraus. Laut Vidal überwintern sie im Boden und schädigen vor allem Pflanzen, die später im Jahr geernet werden. (jwr)

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