11. September 2018, 22:17 Uhr

Fantasievolle Hommage an Rilke

11. September 2018, 22:17 Uhr
Ensemble mit feinem lyrischen Instinkt: Bernd Winterschladen, Oliver Steller und Dietmar Fuhr (v. l.) bei der vom begeisterten Publikum erklatschten Zugabe. (Foto: jou)

. – Weit war das musikalische Spektrum, das die Reihe »Musik und Sprache« 2018 in der Hessenbrückenmühle bei Münster abdeckte: Es reichte vom klassischen Klaviertrio über leidenschaftliche Tango-Duo-Arrangements bis hin zum Bläserquintett. Zum Saisonabschluss am frühen Sonntagabend rückte im »Alten Pferdestall« der Sprachaspekt stärker in den Fokus. Rezitator und Gitarrist Oliver Steller präsentierte seine literarisch-musikalische Annäherung an den Dichter Rainer Maria Rilke, wurde dabei durch Saxofonist Bernd Winterschladen und Kontrabassist Dietmar Fuhr begleitet. Schon der besinnliche Auftaktsong »Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen« ließ aufhorchen; besonders gefiel hier das expressive Saxofonsolo.

Vorzüglich eingespieltes Trio

Der feine lyrische Instinkt des Trios beeindruckte auch in dem Song »Wie soll ich meine Seele halten«, bei dem Steller originell zwischen gesprochenen und gesungenen Passagen wechselte. Der Rezitator verfügt über eine sehr wandlungsfähige Stimme, ebenso kontrastreich spielte er die Gitarre, zauberte darauf mal ganz sanfte Klänge, dann durchdringende Akkorde.

Bereichert durch Briefzitate gelang Steller eine stimmige Verbindung aus biographischer Schilderung, Gedichten und Liedvertonungen. Anschaulich zeichnete er das Bild eines bereits als Kind kränkelnden, sensiblen Menschen zwischen Wahnvorstellungen und ungeheurer Schaffenskraft, beleuchtete etwa Rilkes Liebesbeziehung zu Lou Andreas-Salomé sowie die Förderung durch Mäzenin Marie von Thurn und Taxis.

An einem sonst eher ruhigen Abend setzte der Song »Der Panther« bei den wuchtigen instrumentalen Zwischenspielen dramatische Akzente. Ganz anders gestaltete Steller die erste »Duineser Elegie« – er rezitierte sie mit bedächtigen Pausen, ganz zurückgenommen untermalt durch fahle Kontrabasstöne. Im Ganzen fand das Trio fantasievoll einen Zugang zum Leben und Werk des Dichters. Bereits seit 2004 widmet sich das Ensemble dem Rilke-Programm, in letzter Zeit indes selten. Bemerkenswert schien die humorvolle Spontaneität, mit der Steller Gedächtnislücken ausbügelte, sich als Stütze kurzerhand der Buchfassung bediente. Davon abgesehen rezitierte und sang er auf hohem Niveau und bildete mit Fuhr und Winterschladen, beides erfahrene Jazzmusiker, ein vorzüglich aufeinander eingespieltes Trio. Das Publikum spendete kräftigen Applaus. Sascha Jouini

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