22. August 2018, 21:28 Uhr

Familienfreundlichkeit als Standortfaktor

22. August 2018, 21:28 Uhr

Die Gemeinde Fernwald soll sich eine Strategie für die Familiengerechtigkeit erarbeiten: Das empfiehlt ein Antrag der CDU, der am Dienstagabend im Ausschuss für Soziales, Jugend, Sport und Kultur der Gemeinde besprochen wurde. Dazu soll eine Zertifizierung als »Familiengerechte Kommune« angestrebt werden: Der gleichnamige Verein mit Sitz in Bochum berät seit 2008 deutschlandweit Kommunen und Entscheidungsträger dabei, vor Ort familienfreundliche Strukturen zu schaffen. Dazu stellt die kommunale Verwaltung unter Beteiligung der Bürger einige Ziele auf, deren Umsetzung Familien in unterschiedlichsten Belangen unterstützen soll.

Zum Abschluss des Programms steht dann die oben genannte Zertifizierung an; das berichtete Ellen Ehring vom Verein Familiengerechte Kommune während der Sitzung. »Die Entscheidung ist eine starke Positionierung, sich für die Rahmenbedingungen für Familien angemessen einzusetzen«. Dabei kann die Art der Ziele vollkommen unterschiedlich sein; die Entscheidung liegt allein bei der Kommune: Denkbar sind zum Beispiel Projekte zur Inklusion oder Integrationskultur, familienfreundlichere Arbeitsplätze oder anderes. Und das könnte auch deutlich positive Auswirkungen für Fernwald als Wahlheimat für Neubürger haben: »Es gibt einen Wettstreit unter den Kommunen, was den Zuzug von Bürgern angeht – da kann die Familienfreundlichkeit den Ausschlag geben«, sagte Ehring. Fernwald verzeichnete in den letzten Jahren eine steigende Bevölkerungszahl – und das, obwohl es im Schnitt pro 1000 Einwohner zwei Todesfälle mehr als Geburten gab. Der Bevölkerungszuwachs lässt sich also nur durch den Zuzug erklären.

Standort für Kita Annerod noch offen

Natürlich behauptet niemand, dass Fernwald nicht schon familiengerecht agiert; vielmehr ist eine längerfristige Strategie in diesem Themenbereich das Ziel der Antrag stellenden Fraktion. »Wir könnten so ein Audit nutzen, um das Thema strategischer und geschlossener anzugehen«, erklärte Jan-Eric Walb (CDU). »Im Bereich der Familienpolitik sollte man ein konzeptuelles Vorgehen starten«. Die Kosten für die Zertifizierung würden sich auf 13 000 Euro belaufen. »Eine gewaltige Summe«, sagte Peter Stein (FDP). »Auch wenn es das sicherlich wert ist – wir sollten uns gut überlegen, ob wir so viel Geld investieren wollen«. Eine Entscheidung zu diesem Projekt steht noch aus: Die CDU schlug vor, sich nochmals in den Fraktionen mit der Thematik auseinanderzusetzen und dann in der nächsten Sitzungsrunde eine Entscheidung zu fällen.

Der zweite Tagesordnungspunkt der Ausschusssitzung behandelte den Neubau einer Kindertagesstätte in Annerod: »Derzeit werden noch Verhandlungen zur neuen Kita geführt«, berichtete Bürgermeister Stefan Bechthold. Als Betreiber ist derzeit die Lebenshilfe Gießen im Gespräch. Der weitere Fahrplan sieht vor, dass die Standortfrage für den Neubau in den nächsten Wochen geklärt wird. Im Verlauf dieses Jahres sollen die Planungen beendet werden und der Bau dann im Frühjahr beginnen.

Auch ein Waldkindergarten könnte schon in wenigen Monaten in Fernwald starten: Im März oder April des kommenden Jahres soll der Betrieb aufgenommen werden. Hierzu müssen aber noch Flächen begangen und Gespräche mit Hessen Forst geführt werden. »Wir haben einen enormen Druck, was die Kinderbetreuung angeht«, erklärte Bürgermeister Stefan Bechthold, und: »Wir mussten noch niemanden ablehnen – aber es kam schon vor, dass Kinder in eine Kita in einen anderen Ort verwiesen werden mussten«. Der Grund für die Knappheit an Betreuungsplätzen in der Gemeinde Fernwald sind allerdings nicht die gestiegenen Kinderzahlen, sondern die Anforderungen durch den vorgegebenen Betreuungsschlüssel.

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