13. März 2018, 20:50 Uhr

Großinvestition

Erster Spatenstich: Post investiert in Langgöns in großem Stil

Der Logistik-Standort Langgöns gewinnt an Gewicht: Die Post baut dort ein Paketzentrum. Das werde keine Arbeitsplätze kosten, sondern das Arbeiten angenehmer machen, sagt das Unternehmen.
13. März 2018, 20:50 Uhr
Trotz Nieselwetters bringen sich die Spatenstecher beim Pressetermin in Stellung. (Foto: jwr)

Die Bagger und Planierraupen sind hier schon seit gut zwei Wochen im Einsatz, insofern ist der Begriff »Erster Spatenstich« etwas irreführend. Doch die Verantwortlichen von Post und Gemeinde ließen es sich nicht nehmen, symbolisch bei Nieselwetter selbst ein paar Schippen nasser Erde auszuheben.

Am Dienstag hat die Bauphase für das DHL-Paketzentrum am Mandlerwasen in Lang-Göns offiziell begonnen. Bis August soll die etwa 4400 Quadratmeter große Halle stehen, für die die Gemeinde im Vorjahr passendens Baurecht geschaffen und das Grundstück an die Deutsche Post DHL Gruppe verkauft hatte.

Ab Oktober soll der Betrieb starten. Die Investitionssumme für den Logistik-Standort dürfte bei knapp 8,3 Millionen Euro liegen, eine genaue Zahl nennt die Post nicht. Bauherr ist der Generalunternehmer Goldbeck Nord GmbH. Bundesweit gibt es rund 90 solcher Zentren.

 

Post: Kein Arbeitsplatzverlust

Damit legt der Logistik-Riese am Standort Langgöns noch eine Schippe drauf: Seit gut 20 Jahren betreibt die Post in günstiger Lage nahe der A 485 ein Briefzentrum, dort werden Sendungen für Orte, deren Postleitzahl mit 35 beginnt, verteilt. Etwa 180 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. 2016 ist ein »Zustellstützpunkt« hinzugekommen, wo sowohl Briefe als auch Pakete umverteilt werden.

Am nun entstehenden Paketzentrum – im Unternehmensdeutsch »mechanisierte Zustellbasis« – sollen nach Unternehmensangaben täglich im Schnitt 8000 Paketsendungen angeliefert und am gleichen Tag auf etwa 70 Fahrzeuge verteilt werden.

Das mag nach Rationalisierung klingen, also nach maschineller Arbeit, die menschliches Anpacken überflüssig macht, doch die Post widerspricht: Zukünftig werde die körperlich anstrengende Arbeit einfacher, weil Pakete über ein System aus Förderbändern, Rutschen und Klappen angeliefert und später gezielt zu den Wagen der Zusteller transportiert würden. Bis zu 70 Arbeitsplätze für Zusteller sollen so entstehen.

 

Paketgeschäft boomt weiter

Der Neubau ist als Verteilstation für Paketsendungen nach Gießen, Langgöns, Wetzlar sowie Teile von Wettenberg, Buseck, Pohlheim und Lollar konzipiert. Damit sollen vor allem Gewerbegebiete und Ballungszentren mit hohem Paketaufkommen versorgt werden.

Bisher werden diese Bereiche unter anderem vom Standort Lollar versorgt. Insofern gibt es laut Post keine Überschneidungen mit den bestehenden Standorten in Langgöns. Zunächst sollen Mitarbeiter aus Lollar und Wetzlar eingesetzt werden, dauerhaft könnten aber auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Mit der Großinvestition will sich der Marktführer im Paketgeschäft in dem wachsenden Segment positionieren. Während das Briefaufkommen in Deutschland sinkt, boomt der Pakethandel weiter.

 

"Gütesiegel für die Region"

Auch die Gemeinde Langgöns hofft auf positive Effekte durch das Post-Projekt: Zwar erwarte er keine nennenswerte Erhöhung der Gewerbesteuer-Einnahmen, sagte Bürgermeister Horst Röhrig beim Ortstermin am Dienstagnachmittag. Doch die Post betreibe durch den Ausbau des Standorts »Arbeitsplatzsicherung für die Zukunft«.

Dass das Unternehmen seit über 20 Jahren in Langgöns ansässig sei, sehe er als »Gütesiegel für die Region«. Auch sei er froh, für das bald bebaute Grundstück einen Käufern gefunden zu haben.

Offenbar wollte die Langgönser Kommunalpolitik dem Ruf vorbeugen, die Gemeinde trage bei der Zusammenarbeit mit dem einstigen Staatsbetrieb eine postgelbe Brille: Statt in der bekannten Unternehmensfarbe wird die neue Halle nun grau gestrichen. Die Post wird es verschmerzen.

 

Info

Politischer Streit im Vorfeld

Dem nun beginnenden Bau des Paketzentrums waren einige Diskussionen vorausgegangen. Im Januar 2017 hatte der Langgönser Bauausschuss mehrheitlich gegen das Projekt gestimmt – auch wegen befürchteter Verkehrsbelastung. Die Post als Bauherr hatte daraufhin die Fraktionen zu einem Info-Gespräch geladen und zugesagt, die Zustellung über die nahe gelegene A 485 statt innerorts über die Schillerstraße abzuwickeln. Schließlich entschieden die Gemeindevertreter, dass neben dem neu ausgewiesenen Industriegebiet eine Restfläche als Gewerbegebiet für kleinere Betriebe erhalten bleiben soll. Welche Summe DHL für das Baugrundstück gezahlt hat, ist nicht bekannt. (jwr)

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