01. August 2018, 21:32 Uhr

Einmal durch die Ortsgeschichte

01. August 2018, 21:32 Uhr
In Ruppertsburg erläutert Holger Parr alte Berufsbilder. (Foto: gjo)

Zur Wanderung »Auf historischen Pfaden« konnte Holger Parr, Vorsitzender des Heimatkundlichen Kultur- und Geschichtsvereins, dieser Tage trotz des schwülen Sommerwetters mehrere Teilnehmer begrüßen.

Er gab eine kurze Einführung zum Thema »Broterwerb und Berufe« früherer Zeiten. Es sei davon auszugehen, dass es zunächst – als die Menschen sesshaft wurden – Hirten und Ackerbauer gab. Durch Ideen, sich mit Hilfsmitteln die Arbeit zu erleichtern, entstanden die ersten Berufsbilder.

Graf erlässt Zunftordnung

Je nach Eignung und Geschick fertigten die ersten Handwerker aus Metall oder Holz Geräte zum Arbeiten an. Im Laufe der Zeit spezialisierten sie sich. So konnten sie durch ihre Arbeit neben den bäuerlichen Tätigkeiten weitere Einkommensquellen erschließen.

Dabei entstanden die ersten Berufe wie Metzger, Bäcker, Leineweber sowie für Holz- und Metallverarbeitung. Dies geschah über Jahrhunderte in reiner Handarbeit. Wie Parr ausführte, gab es laut Schätzungen im Mittelalter in den Haushalten etwa 700 Gegenstände, alles handgefertigt. Heute geht man davon aus, dass es etwa 10 000 bis 15 000 industriell gefertigte Gegenstände in den Haushalten gibt. Die Vielzahl der Berufe, sie wurden oft in der Familie weiter geführt, ergaben ein Rückblick auf die nur wenige Hundert Meter lange Straße vom Ausgangspunkt der Wanderung am alten Rathaus. Dort gab es noch teils bis in die jüngste Vergangenheit zwei Lebensmittelgeschäfte, eine Bäckerei, einen Schreiner, Sattler, zwei Schuster und die Poststelle. Eine Spenglerei mit Elektroinstallation, eine Schmiede sowie eine Reparaturwerkstatt für Fahrzeuge aller Art waren ebenfalls vorhanden. Üblicherweise betrieben die Handwerker und Geschäftsleute nebenbei noch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb.

Auf dem weiteren Weg durch das Dorf erwähnte Parr andere Standorte von Handwerksbetrieben. So erfuhren die Teilnehmer, dass verschiedene Handwerker mehrfach im Dorf vertreten waren. Dies sei nicht verwunderlich, denn alles musste ja handgefertigt erledigt werden. Bei dieser Gelegenheit verwies Parr auf den Zusammenschluss der Berufe in Zünften. Die vom Grafen in Laubach erlassene Zunftordnung umfasste strenge Regelungen. Sie regelte nicht nur die Preise, sondern ebenfalls das Miteinander. Meister konnten Lehrlinge ausbilden und kassierten während der Ausbildung das entsprechende Lehrgeld. War jemand finanziell nicht in der Lage, dies zu entrichten, wurde entsprechend die Lehrzeit verlängert. Mitgliedern der Zunft war es möglich, eine Meisterprüfung abzulegen. Die gefertigten Meisterstücke gingen in den Besitz des gräflichen Hauses über, welche die Oberaufsicht führte.

Parr erwähnte bei dieser Gelegenheit verschiedene Berufe, die es heute nicht mehr gibt. So unter anderem Nagelschmiede, Blechschmiede und Branntweinbrenner.

Eine Ausstellung mit historischen Fotos des Ortes sowie aus dem Arbeitsleben sorgte anschließend für genügend Gesprächsstoff.

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