Eine Qualitätsmarke

08. Januar 2018, 20:02 Uhr
Blechbläserquintett des HR-Sinfonieorchesters mit (v. l.) Maja Helmes, Francis Baur, Charles Petit, Klaus Bruschke und Markus Bebek. (jou)

. – Welch außerordentliche, über die Gemeindegrenzen weit hinausreichende Anziehungskraft die Wettenberger Winterkonzerte einmal ausüben sollten, dürfte der damalige Bürgermeister Gerhard Schmidt 1988 kaum geahnt haben. Wie er beim Festkonzert zum 30-jährigen Bestehen der Reihe anmerkte, seien anfangs nur rund 30 Besucher ins Gleiberger Dorfgemeinschaftshaus gekommen. Demgegenüber war die evangelische Kirche zu Wißmar am Sonntag voll besetzt, einige Hörer fanden gar keinen Sitzplatz mehr. Schmidts Nachfolger Thomas Brunner dankte dem Arbeitskreis um Ilse Bergner, der die Reihe seit jeher ehrenamtlich organisiert.

Im Neujahrsprogramm mit dem Blechbläserquintett des HR-Sinfonieorchesters spiegelte sich die über die Jahre gesteigerte künstlerische Qualität wider. Maja Helmes und Markus Bebek (Trompeten) sowie Charles Petit (Horn), Klaus Bruschke (Tenorposaune) und Francis Baur (Bassposaune) spannten inspiriert den Bogen vom Barock bis zur Gegenwart. Das Prélude aus dem »Te Deum« von Marc-Antoine Charpentier, weithin bekannt als Eurovisionshymne, zauberte sogleich festliche Atmosphäre in den Saal. Auch bei Matthew Lockes »Five-Part Things for the Cornetts« dürfte das nuancierte, klanglich fein ausgewogene Spiel des Ensembles das Herz vieler Barockmusikliebhaber höher haben schlagen lassen.

Vergnügliches Konzertprogramm

Durchweg genügte die ausgefeilte Interpretation strengen Ansprüchen – bei der eröffnenden, intensiv getragen-ernste Stimmung verströmenden Allemande ebenso wie bei der in tänzerisch-leichter Bewegung daherkommenden Courante. Vergnügen bereitete auch das spritzige stereophone Wechselspiel der Trompeten im Eingangssatz der »Battle Suite« von Samuel Scheidt. Zu dieser vitalen Musik bildete das schwermütige Stück »Courant Doloros« den denkbar größten Kontrast. Die vorzügliche Akustik des Gotteshauses und das aufgeschlossene Auditorium beflügelten das Ensemble auch im weiteren Verlauf des Programms. Bei dem Quintett Nr. 1 von Viktor Ewald bewiesen die Künstler mit ihrer expressiven, zudem detailverliebten Darbietung, dass ihnen gleichermaßen romantische Musik liegt. Wie schon bei den Barockwerken zeichnete sich die Interpretation durch klangliche Klarheit und formale Plastizität aus. Besonders begeisterte der abwechslungsreiche Mittelsatz.

Bei drei ursprünglich für gemischten Chor komponierten Liedern von Claude Debussy unterstrich das Ensemble die farbige Harmonik und setzte fantasievoll beschauliche Akzente. Am meisten amüsierten das Publikum Klaus-Peter Bruchmanns Miniaturen »Cinq pour cinq« – vom humorvoll-beschwingten Prélude bis hin zum ans Varieté erinnernden Can-Can. Das hervorragende Konzert ging zu Ende mit drei Spiritualvertonungen von Enrique Crespo und nicht weniger als drei Zugaben. Sascha Jouini

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