30. Juli 2018, 21:38 Uhr

Ein paradiesischer Platz

30. Juli 2018, 21:38 Uhr
Weit und breit nur sattes Grün und Wasser – das Lumda-Ufer nahe des alten Wehres bei Allendorf ist ein beruhigender Ort. (Fotos: jwr)

Zugegeben: Der sechste Teil der Schatzsuche war ein anspruchsvolles Rätsel für Naturfreaks. Mehr noch als das Bild des gesuchten Ortes haben wohl einige Informationen im Text zur Lösung hingeführt: Unter anderem vielleicht der besondere Nistkasten für Wasseramseln, die hier laut dem Allendorfer Naturschützer Hans Erich Wissner einen der ersten Brutplätze im gesamten Lumdatal gefunden haben. Auch Bach- und Gebirgsstelzen haben dieses idyllische Refugium zu schätzen gelernt.

Vor knapp zehn Jahren, berichtet Wissner, ließ der Wasserverband Lumdatal den Bereich des Lumda-Wehrs bei Allendorf neu gestalten und renaturieren. Der Flusslauf wurde umgeleitet. Ein paar Meter vom alten Wehr (kleines Foto) entfernt sprudelt die Lumda nun über Steine hinweg. Das ermöglicht Fischen, auch flussaufwärts zu schwimmen. Am alten Wehr war ihnen das verwehrt geblieben, die steile, wenig ansehnliche Betonwand war für sie ein schier unüberwindbares Hindernis.

Aus Gründen des Denkmalschutzes, erklärt NABU-Mann Wissner, sei der Betonbau aber nicht abgerissen worden. Die Pläne für die Zuschüttung des Lumda-Wehres waren schon in trockenen Tüchern, als die Denkmalschutzbehörde einen Riegel vorschob. Im August 2011 wurde das Bauwerk offiziell außer Funktion gesetzt. Außer bei Hochwasser fließt dort kaum noch Wasser hinab. Durch die Umleitung der Lumda ist zwischen dem alten, fast trocken gefallenen, und dem neuen Flussarm eine kleine Insel entstanden.

Nur ganz wenige Leser haben zumindest den gesuchten Fluss, die Lumda, erkannt. Auch das Stichwort »Lumda-Wehr« wäre zutreffend gewesen. Und noch ein weiteres Gewässer kommt hier ins Spiel: Der von Allertshausen kommende Kaulbach, in Allendorf als »Kringelgraben« bekannt, fließt an dieser Stelle in die Lumda, die wiederum bei Lollar in die Lahn mündet.

Schwer zugänglich

Während vor einigen Jahren das Wehr von Allendorf her noch gut zugänglich, ein Treffpunkt für Jugendliche war, müssen sich Besucher dort inzwischen durch einiges Gestrüpp kämpfen. Etwas besser erreichbar ist das abgeschiedene Idyll von der anderen Seite her: Entweder über die Londorfer oder über die Allertshäuser Straße gelangt man auf den Talweg, von dort führt eine unscheinbare Einfahrt auf einen Parkplatz. Wer dann ein paar Meter hohes Gestrüpps hinter sich bringt, erreicht den neuen Flusslauf. Damit nicht weiterhin Autos und Motorräder dem entstandenen Auenwäldchen zusetzen, ist dort mittlerweile ein Baumstumpf quer gelegt. Die Natur hat ihrerseits Barrieren in Form von Bäumen und Pflanzen geschaffen, um den Menschen das Durchkommen nicht allzu leicht zu machen. Zum Campen und Picknicken ist dieses verwunschene Paradies nicht geeignet. Für eine Rast, etwa auf einer Radtour entlang der Lumda, eignet sich der abgeschiedene Ort aber durchaus. Wer wilde Natur zu schätzen weiß, dem sei diese sechste Station unserer Schatzsuche empfohlen.

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