09. November 2018, 21:47 Uhr

Ein Herz für das Wasserwerk

09. November 2018, 21:47 Uhr
Wilken Gräf (l.), Walter Damasky und Happel (r.). vor dem Wasserhaus von 1909. (Foto: rge)

Es ist gerade mal etwas mehr als ein Jahrhundert her, als in Watzenborn-Steinberg und den umliegenden Gemeinden das Wasser noch aus einzelnen Brunnen gefördert wurde. 1909 wurde das erste Wasserhaus in Betrieb genommen. Eine Interessengemeinschaft zur Förderung des Erhalts der historischen Wasserhochbehälter hat sich zur Aufgabe gemacht, diesen Teil der Geschichte der Wasserversorgung erlebbar zu machen. Dazu wurde nun ein rund fünf Kilometer langer Rundweg angelegt und mit Schautafeln ausgeschildert, vorbei an den zentralen Wasserhochbehältern und Quellen von Watzenborn-Steinberg.

Historische Daten ausgewertet

Gegründet wurde die Interessengemeinschaft auf Anregung von Stadtrat Uwe Happel und dem damaligen Stadtverordneten Ulrich Kuhn 2017. Ortsvorsteher Wilken Gräf übernahm den Vorsitz. Mittlerweile erfolgten umfangreiche Arbeiten zur Sicherung und Renovierung bei dem im Jahr 1954 in Betrieb genommenen Hochbehälter am Trieb.

Das erste im Jahr 1909 gebaute Wasserhaus soll demnächst restauriert werden. Davor soll ein neu gestalteter Vorplatz entstehen – als Treffpunkt für die Bürger. In dem Gebäude könnte ein »Wasserhausmuseum« einziehen.

Die geschichtliche Aufarbeitung übernahmen in den letzten Monaten Pohlheims Ehrenbürger und Lokalhistoriker Walter Damasky sowie eine Gruppe um Stadtrat und Ortsbeiratsmitglied Ernst Jakob Kandel. Sie werteten historische Daten und Bilder aus und fassten ihre Ergebnisse zusammen, die auch in die Schautafeln des Rundweges einflossen.

Ein Ergebnis: Die Umstellung auf fließend Wasser hatte auch Kritiker, denn vorher das kühle Nass aus dem Brunnen kostenlos. Doch das Trinkwasser aus der Leitung war jederzeit verfügbar und hygienisch, was die gesundheitlichen Verhältnisse erheblich verbesserte. Die Wasserwerke (Hochbehälter, Ortsnetz und die neu gegrabenen Brunnen nahe dem Pohlheimer Wald) wurden nun von einem Wassermeister überwacht.

Rasensprengen untersagt

Die Architektur des Wasserhauses zeigt den Stolz auf die Errungenschaft: Schon das massive Mauerwerk aus grob behauenen Natursteinen der Fassade sowie der weit ausgreifenden symmetrischen Seitenteile bringen die Schutzfunktion zum Ausdruck. Die kugelförmigen Steine an den beiden Enden des Mittelteils sind symbolische Wächter, die vor unbefugten Eindringlingen schützen sollen. Das Bauwerk sowie das gesamte Ortsnetz und die neu verlegte Kanalisation wurde 1909 bis 1911 von der Kreisbauverwaltung mit überwiegend italienischen Gastarbeitern errichtet und von der Gemeinde Watzenborn-Steinberg finanziert.

1935 standen für die auf 3600 angewachsene Einwohnerzahl nur noch 43 Liter pro Person und Tag zur Verfügung. Es musste ein weiterer Brunnen »Auf dem Bruch« gefasst werden. Über eine Pumpstation wurde das Wasser in das Ortsnetz gepumpt.

Durch die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten hatte Watzenborn-Steinberg 1946 neunhundert Heimatvertriebene aufzunehmen. Die Einwohnerzahl war damit auf 3665 gestiegen.

Im Sommer musste das Wasser häufig partiell abgestellt werden, damit die höher gelegenen Häuser versorgt werden konnten. Rasensprengen und Autowaschen wurde den Anwohnern damals gänzlich untersagt.

1951 wurde ein 4,5 Hektar großes Baugebiet zwischen Lückebach und Bahnhof Watzenborn-Steinberg erschlossen. Das Gelände liegt größtenteils höher als das Wasserhaus in der Hubertusstraße. Um die Wasserversorgung für das Neubaugebiet zu sichern, wurde von der Gemeinde ein neuer Hochbehälter »Am Trieb« errichtet und 1954 in Betrieb genommen.

1963 hatte der Ort fast 5000 Einwohner. Die Bohrungen nach weiteren Brunnen brachten keinen Erfolg. Watzenborn-Steinberg schloss sich dem Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke an, die das Wasser aus dem Raum Stadtallendorf beziehen.

Mit dem vom Zweckverband errichteten und 1964 in Betrieb genommenen Hochbehälter auf dem Steinköppel war die Trinkwasserversorgung von Watzenborn-Steinberg zunächst zukunftsweisend gesichert. Die anstehenden Probleme wie Druckverlust bei den höher gelegenen Häusern und stundenweises Abstellen der Trinkwasserversorgung waren gelöst. Die alten Watzenborn-Steinberger Brunnen wurden stillgelegt.

In den folgenden Jahren wurde auch der Hochbehälter »Am Trieb« stillgelegt und die dazugehörige Pumpstation musste später einem Sammelplatz für Altglas weichen.

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