10. August 2018, 14:31 Uhr

Filmkritik

Ein Drama auf hoher See: »Die Farbe des Horizonts«

Eine junge Frau mitten auf dem Ozean in einem schwer beschädigten Segelboot, ihr Freund zunächst im Meer vermisst – unser Filmkritiker Sascha Jouini lobt den Film sehr.
10. August 2018, 14:31 Uhr
Filmszene. (Foto: dpa)

 

Mit eindringlichen Bildern stimmt der Beginn ein auf die packende Handlung: Tami (Shailene Woodley) gelangt, nachdem die Segelyacht Hazana im Pazifik durch den Hurrikan Raymond beschädigt wird, in der halb unter Wasser stehenden Kajüte wieder zu Bewusstsein. Im weiteren Verlauf rollt Regisseur Baltasar Kormákur erzählerisch raffiniert auf, wie die 23-Jährige in diese brenzlige Lage geraten ist.

Bei ihren Großeltern in San Diego aufgewachsen, reist Tami bereits seit fünf Jahren durch die Welt. Mit Gelegenheitsarbeit spart sie jeweils Geld für die nächste Etappe. Auf Tahiti verliebt sie sich in den aus England stammenden Segler Richard (Sam Claflin). Den beiden schwebt Japan als nächstes Ziel vor; ohne zu zögern, schließt Tami sich ihrem neuen, ein eigenes Boot besitzenden Schwarm an. Dann allerdings erhält Richard von Bekannten den Auftrag, deren Yacht Hazana zu überführen – ausgerechnet nach Tamis kalifornischer Heimatstadt. Eigentlich wollte die junge, vor Tatendrang strotzende Frau Neuland erkunden, gleichwohl fährt sie mit, winkt doch eine saftige Prämie, die es dem Paar erlauben würde, ein Jahr auf Weltreise zu gehen.

 

Weit mehr als Abenteuerfilm

 

»Die Farbe des Horizonts« erinnert zwar zuweilen an einen Abenteuerfilm, reicht aber weit darüber hinaus. Auf fesselnde Weise vermittelt Kormákur, wie das Paar bei dem Hurrikan die lebensbedrohliche Gefahr zu überwinden versucht. Kaum über Segelerfahrung verfügend, muss Tami nun navigieren und die arg ramponierte Yacht notdürftig reparieren, um nach Hawaii zu gelangen. Das Drama erzählt davon, wie die Mittzwanzigerin in dieser Grenzsituation über sich hinauswächst.

Hauptdarstellerin Shailene Woodley verleiht dem unerschütterlichen Mut der kämpferischen Protagonistin nuanciert Ausdruck. In Rückblenden wirkt Tami unbeschwert-fröhlich, jetzt zehrt der Schiffbruch an ihren Kräften. Klar wird, wie nah Freud und Leid beieinander liegen können: Eben noch schmiedete das frisch verliebte Paar Zukunftspläne, kurz darauf zählt allein, die Seenot zu bewältigen.

 

Nach wahrer Geschichte

 

Auf einer wahren Geschichte basierend, die sich 1983 im Pazifik ereignete, berührt nachhaltig, wie das Paar aus der Zweisamkeit Vitalität schöpft. An dem originell inszenierten, mit wunderschönen Aufnahmen bezaubernden Drama gefällt vor allem die Überlagerung von Realität und Fantasieebene. Sie gibt dem sehenswerten Film eine individuelle Note, hebt ihn vom Mainstream ab. Gerade die psychische Dimension ließe sich kaum authentischer herüberbringen. »Die Farbe des Horizonts« bietet anspruchsvolle Unterhaltung und erinnert den Zuschauer daran, wie wichtig es ist, den Augenblick zu genießen sowie zu weitreichenden Entscheidungen zu stehen. Note: 1.

Der Film läuft noch bis kommenden Mittwoch jeweils um 20.15 Uhr im Kino Grünberg. Zusätzliche Vorstellungen am Samstag und Sonntag um 15.15 Uhr und 17.45 Uhr statt. Am Wochenende steht das Drama jeweils um 11 Uhr auch in Nidda auf dem Programm.

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