07. Dezember 2018, 18:47 Uhr

Die A 45 und der Domino-Effekt

07. Dezember 2018, 18:47 Uhr

»So etwas habe ich noch nicht erlebt«, sagte einer der Brückenbauarbeiter, der am Dienstag indirekter Augenzeuge des Lkw-Unfalls auf der Autobahn 45 bei Linden wurde. Indirekt? Ja. Denn das Umstürzen des Lkws hatte er nicht direkt beobachtet, jedoch eine der Folgen. Der Arbeiter schaute gerade in Richtung Fahrbahn, als dort, wie eine Kette Dominosteine die provisorische Mittelleitplanke komplett in Richtung Südkreuz umkippte. Auf knapp einem Kilometer Länge kippte sie um.

Dieser Anblick bedeutete vor allem eines: jede Menge Arbeit. Denn die Leitplanke musste erst wieder aufgestellt werden, bevor die Autobahn freigegeben werden konnte. Dazu kam, dass da ja noch eine ordentliche Menge Bauschutt auf der Fahrbahn lag, der Laster zudem auch die Leitplanke an der Böschung demoliert hatte.

Einen Tag später war von alldem nichts mehr zu sehen: Die Mittelleitplanke steht wieder, die Leitplanke an der Böschung ist ausgetauscht, der Schutt besenrein entfernt. Nur die schwarzen Spuren der Reifen auf der Fahrbahn bleiben als Zeugen des Unfalls zurück.

Da wird es Zeit, einmal denen ein dickes Lob zu übermitteln, die dafür gesorgt haben, dass die A 45 wieder so aussieht. Diese Arbeit begann schon direkt am Unfalltag: Die Bauarbeiter auf der Brücke eilten zur Hilfe, als sie den Unfall bemerkten. Ein Radlader wurde sofort von der Baustelle geholt, um den Schutt zu beseitigen, die Männer packten mit Schippen beim Aufräumen kräftig an. Wäre nicht die provisorische Leitplanke umgelegen, vermutlich wäre bereits in den Mittagsstunden die A 45 wieder frei gewesen.

Doch nicht nur an diesem Tag, sondern auch wann anders leisten die Bauarbeiter auf den hessischen Straßen sehr gute Arbeit. Ein paar Dinge können sie jedoch nicht beeinflussen – allem voran, dass es derzeit viel zu wenige von ihnen gibt, um alle kaputten Straßen und maroden Brücken gleichzeitig zu erneuern. Auch der Gedanke, »Die könnten doch nachts auch bauen, damit die Baustellen schneller fertig sind«, lässt sich deshalb derzeit nicht umsetzen, wie ein Vertreter von Hessen Mobil bei einer Informationsveranstaltung zum Talbrückenneubau bei Lang-Göns am Dienstag erklärte. Denn die Arbeiter, die eine Nachtschicht einlegen, fehlen am nächsten Tag auf der Baustelle – und Ersatz ist für sie derzeit auf dem Arbeitsmarkt nicht zu finden.

Dies könnte auch daran liegen, dass an den Schulen ein Großteil der Schüler auf den Besuch der Hochschulen statt auf einen Job im Handwerk vorbereitet wird – obwohl Letzteres derzeit wesentlich bessere Job- und Einkommenschancen als beispielsweise ein Studium »Byzantinischer Kirchengeschichte« bieten würde… (pad)

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