10. Juni 2018, 10:00 Uhr

Reaktivierung

Deshalb haben sich die Kosten für die Horlofftalbahn verdoppelt

Die Kosten für eine Reaktivierung der Horlofftalbahn sind auf 20,7 Millionen Euro gestiegen. Landrätin Anita Schneider gibt außerdem bekannt, dass die Lumdatalbahn durch einen Schnellbus ergänzt werden soll.
10. Juni 2018, 10:00 Uhr
Die Reaktiverungen von Horloff- und Lumdatalbahn -? hier ein Foto von der verwaisten Strecke bei Treis -? werden derzeit geprüft. (Foto: Schepp)

Die Horlofftalbahn würde im Fall eines Comebacks fast doppelt so teuer wie bisher angenommen. Die geschätzten Kosten sind von ursprünglich 10,6 auf 20,7 Millionen Euro gestiegen, erklärte Landrätin Anita Schneider am Donnerstag vor dem Kreistagsausschuss für Infrastruktur, Umwelt und Energie.

Wir stellen den Kommunen die Gutachten vor. Und dann erwarten wir Beschlüsse: pro oder contra

Anita Schneider, Landrätin

Grund für die Kostensteigerung: Die bisherige Schätzung basierte noch auf Zahlen aus dem Jahr 2003. Außerdem war der Zustand der Strecke bisher als besser bewertet worden, als er tatsächlich ist. Dennoch, betonte Schneider, stünden die Chancen für eine Reaktivierung der 2004 stillgelegten Strecke zwischen Hungen und Wölfersheim gut. »Trotz der Erhöhung kann man von einem guten wirtschaftlichen Ergebnis ausgehen«, sagte sie.

Die neue Kostenschätzung hat die Überprüfung des Gutachtens zur Wirtschaftlichkeit der Wiedereinrichtung der Horlofftalbahn durch das Wirtschaftsministerium verzögert. Im August, erwartet die Landrätin, liege die Einschätzung aus Wiesbaden vor. Das Ministerium habe Vorschläge zur Wirtschaftlichkeit der Horlofftalbahn angekündigt. Im September soll der Kreistag über die Planung beschließen.

 

Einblick in Gutachten gefordert

Grünes Licht aus Wiesbaden gibt es derweil bereits für die Reaktivierung der Lumdatalbahn. Der hessische Verkehrsminister empfiehlt das Projekt, was Voraussetzung für eine finanzielle Beteiligung des RMV ist. Die Landrätin gab am Donnerstag ein neues Detail bekannt: Die Lumdatalbahn soll stündlich zwischen Lollar und Londorf hin und her verkehren, der RMV würde zu Stoßzeiten bei starkem Pendlerverkehr ein Fahrzeug stellen, um mit einem Schnellbus den Zug zu ergänzen. Dies sei auch aus Sicht des Verkehrsministeriums ein wichtiges Kriterium für die Nutzen-Kosten-Analyse, erklärte Schneider.

Der genaue Inhalt der Gutachten zu beiden Bahnstrecken ist bisher nicht bekannt. Auch den Mitgliedern des Kreistags blieb ein Einblick in die Untersuchungen bislang verwehrt. »Wir brauchen eine Grundlage, um zu beraten«, mahnte der CDU-Abgeordnete Christopher Lipp an. Schneider erklärte, auch zur Lumdatalbahn sei das schriftliche Gutachten des Ministeriums noch nicht eingegangen. Sobald das Ergebnis des Landes vorliegt, werde man die Studie den Fraktionen zukommen lassen.

Die Landrätin versicherte, dass die Kommunen, die an den Bahnen angebunden wären, im Spätsommer umfassend informiert würden. »Dann erwarten wir von den Gemeinden auch Beschlüsse: pro oder contra.« Bei einem Ja könne man dann in die Planung übergehen. »Der RMV würde sich zur Hälfte an den Planungskosten beteiligen.«

 

105 Ladepunkte im Kreis zusätzlich bis 2026 erforderlich

Die Sitzung des Kreistagsausschusses am Donnerstag stand ganz im Zeichen der Mobilität. Knut Petersen stellte Ergebnisse des Projekts »EMOLA« vor, das in den vergangenen Monaten im Rahmen von Workshops und mithilfe von Fachbüros Möglichkeiten zur Förderung der Elektromobilität erörtert hat. Dabei kam es auch zu einer Einschätzung, wie viele Ladepunkte für Elektroautos im Kreis bis zum Jahr 2026 wohl notwendig sind: Petersen nannte die Zahl 142. 37 gibt es bereits, daher seien 105 zusätzliche Ladepunkte erforderlich, außerhalb der Stadt Gießen 79. Entsprechende Stationen verfügen zumeist über zwei Ladepunkte.

Außerhalb der Stadt Gießen gibt es im gesamten Kreisgebiet bisher erst 17 Ladepunkte. Jeweils sieben seien beispielsweise in Gemeinden aufzustellen, wo bisher kein einziger Ladepunkt steht: Buseck, Hungen, Grünberg, Lich und Linden. Mehr seien voraussichtlich in den nächsten acht Jahren nicht erforderlich, betonte Petersen. »Ein großer Teil wird zu Hause laden, gerade im ländlichen Raum.« Am Hausanschluss sei der Strom im Gegensatz zu E-Tankstellen günstiger. »Und beim Benzin sieht man ja, wie Autofahrer auf jeden Cent achten.«

 

Die meisten werden ihr Elektrofahrzeug zuhause laden

Rund 35 000 Ladepunkte im Kreis seien daher in Privathaushalten zu erwarten, beispielsweise am Carport. Das Elektroauto werde man außerdem voraussichtlich auch auf Park-and-Ride-Plätzen, an Supermärkten und vor Hotels aufladen können – und wohl auch am Arbeitsplatz. »Das Ausmaß ist aber noch schlecht zu prognostizieren.«

Im Gewerbegebiet Heuchelheim hat eine Untersuchung im Rahmen des »EMOLA«-Projekts ergeben, dass 58 Prozent der Beschäftigen bis zu 15 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt wohnen. Eine Carsharing-Studie für dienstliche Fahrten habe zudem verdeutlicht, dass die Teilnehmer zu 98 Prozent nicht mehr als 200 Kilometer unterwegs waren. »Es gibt kaum eine Fahrt, die nicht elektrifizierbar wäre.«

Info

Enttäuschende Bus-Studie

Wenig aussagekräftig und eher enttäuschend waren die Ergebnisse des »EMOLA«-Projekts zum öffentlichen Nahverkehr. So war das Busangebot in der Stadt Gießen sowie in Wetzlar und Marburg untersucht worden, zudem ohne Blick auf die Wirtschaftlichkeit. »Eine Untersuchung der Kreisbuslinien wäre hilfreich gewesen«, monierten Ulrich Sann von den Freien Wählern und der Kreistagsvorsitzende Karl-Heinz Funck. »Auf dem Land sind es andere Herausforderungen«, betonte Funck. Sprich: längere Strecken, weniger Kunden. Sann erinnerte daran, dass Busse mit Elektroantrieb wesentlich teurer seien, das müsse sich finanziell tragen können. Die Landrätin räumte ein, es gebe Gespräche, vielleicht könne man eine solche Studie nachholen.

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