13. September 2018, 11:09 Uhr

Kartoffeldieb

Der große Kartoffelklau: 250 Kilo aus Ackerboden in Langgöns gestohlen

Mal fehlen ein paar Sonnenblumen, mal ein Kürbis: Heimische Landwirte haben täglich mit Diebstahl zu kämpfen. Bei Niederkleen war ein Täter besonders dreist.
13. September 2018, 11:09 Uhr
Einzelne restliche Kartoffeln liegen noch auf dem Feld. »Dass Gemüse geklaut wird – das hat es schon immer gegeben«, sagt der Langgönser Landwirt Michael Höringer. »Aber in dem Stil habe ich es noch nie erlebt.« (Foto: srs)

Michael Höringer zündet sich eine Zigarette an, blickt auf den Acker und atmet tief ein. »Jetzt wäre die Ernte gewesen«, sagt der Langgönser Landwirt. Auf dem Feld vor ihm, nahe der Straße zwischen Niederkleen und Dornholzhausen, müssten eigentlich 250 Kilogramm Kartoffeln unter der Erde liegen. Doch Diebe haben sie abgeerntet. Höringer blickt auf Löcher und aufgewühlte Erde. »Dass Gemüse geklaut wird – das hat es schon immer gegeben«, sagt der Bauer. »Aber in dem Stil habe ich es noch nie erlebt.«

Mit der Menge an gestohlenen Kartoffeln kannst du eine Großfamilie für ein Jahr ernähren

Michael Höringer, Landwirt

Um die Dimension des Diebstahls zu verdeutlichen: Ein kleines Netz an Kartoffeln im Supermarkt ist häufig 2,5 Kilo schwer. Auf dem Feld bei Niederkleen wurden am vergangenen Wochenende somit Kartoffeln mit dem Gewicht von 100 derartigen Säcken geklaut. Der oder die Täter müssen die Kartoffeln mit einem größeren Wagen abtransportiert und vorher zum Herausholen außerdem Werkzeug eingesetzt haben.

Höringer hebt einzelne restliche Kartoffeln auf, die noch auf dem Feld liegen und blickt auf Fußspuren auf dem Acker. »Der Dieb hat auf jeden Fall größere Füße als ich«, sagt der Landwirt. Am Montag hat er Anzeige erstattet. Hoffnung, die Diebe zu finden und die Kartoffeln zurückzubekommen, hat er aber nicht. »Mir geht es darum, für das Thema zu sensibilisieren«, sagt er. So werde vielleicht in Zukunft ein Dieb auf frischer Tat ertappt.

 

Kein Kavaliersdelikt

Höringer gehört einer traditionellen Niederkleener Landwirtsfamilie an. »In welcher Generation, weiß ich gar nicht«, sagt er. Auf einer Fläche von 135 Hektar Ackerfläche baut er neben Getreide auch Gemüse und Salate wie Möhren, Gurken Zucchini und Blumenkohl an. Auf Wochenmärkten in Hungen und Butzbach bietet er die Lebensmittel zum Verkauf.

Eigentlich habe er am Montag auf dem Feld Kürbisse ernten wollen, erzählt der Bauer. Dann habe er die Lücke nebenan entdeckt – und dass fünf Reihen an Kartoffeln fehlen. Höringer schreitet den Tatort mit großen Schritten noch einmal ab. Dann sagt er: »Das sind 25 Meter.« Ein Diebstahl in diesem Ausmaß sei »kein Kavaliersdelikt«, hält er fest. »Mit der Menge an gestohlenen Kartoffeln kannst du eine Großfamilie für ein Jahr ernähren.«

 

Diebstahl auf Äckern nimmt zu

Bei der Polizei hat Höringer den Schaden auf 400 Euro beziffert. Angesichts der ansonsten miesen Getreideernte nach dem trockenen Sommer ein herber Verlust. Eine Versicherung gegen Diebstahl steht heimischen Landwirten nicht zur Verfügung.

Der Klau von Gemüse, Salaten oder Obst in diesem Ausmaß sei selten, betonen der Vorsitzende und der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, Manfred Paul und Hans-Martin Sames. Das Problem nehme aber zu, erklärt Paul.

 

Appell: Respektieren Sie fremdes Eigentum

Oft sind es nur wenige Äpfel, die Unbekannte mitgehen lassen. In manchen Fällen aber kommen die Diebe nachts, sind mit Taschenlampen auf der Stirn ausgerüstet und räubern. Wie Fußabdrücke vermuten lassen, sind oft mehrere Menschen unterwegs, um sich Kartoffeln oder Maiskolben gratis zu beschaffen. Gefasst werden die Täter nur selten. »Früher gab es Ortsdiener«, sagt Paul. »Die haben nach den Feldern geschaut. Und für Diebe gabs eine Tracht Prügel«, erzählt er lachend.

»Werden zwei Äpfel oder eine Handvoll Kirschen geklaut, dann ist das nicht das Problem«, betont auch Bernd Weber vom Hessischen Bauernverband. Doch in der Menge schade Diebstahl den Landwirten. In Ockstadt in der Wetterau habe man Detektive gegen Kirschendiebe eingesetzt – durchaus mit Erfolg. »Aber Detektive wollen natürlich auch Geld.« Man könne nicht jeden Acker einzäunen, sagt Weber. »Uns bleibt, an die Menschen zu appellieren: Respektieren Sie fremdes Eigentum.«

 

Info

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei bittet nach dem Diebstahl auf dem Acker des Langgönser Landwirts Michael Höringer um Hinweise unter der Nummer 0641/70 06 35 55.: Wem sind im Verlauf des vergangenen Wochenendes auf dem Feld zwischen Niederkleen und Dornholzhausen Arbeiten aufgefallen? Gibt es Zeugen, denen ein Fahrzeug in dem Bereich aufgefallen ist, das möglicherweise zum Abtransport der Ernte genutzt wurde?

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