21. August 2018, 21:13 Uhr

Der Wald und seine Bäume

21. August 2018, 21:13 Uhr
Forstamtsleiter Harald Voll (l.) zeigt in einem Stück Fichtenrinde die schädigende Wirkung des Buchdruckers. Der Fichtenbestand im Hintergrund ist stark befallen. (Foto: vh)

Naturschutz, Harvester-Einsatz und seine Folgen, Klimawandel – der Wald bietet reichlich Diskussionsstoff. Gerade in der waldreichen Gemeinde Wettenberg nimmt sich die Politik des Themas an – so aktuell die SPD im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe »SPD on Tour«. Bei schönstem Wetter marschierten Bürger vom Erlental aus durch den Wißmarer Forst; dies unter kundiger Führung von Hans Karpenstein, der einen Rundkurs mit zehn Stationen herausgesucht hatte, um die Situation des Waldes zu beleuchten. Unter den Teilnehmern waren der heimische SPD-Landtagskandidat Frank-Tilo Becher und Forstamtsleiter Harald Voll, der die diversen Stationen fachkundig begleitete.

Man wollte über den Wald, seine Bäume und Bewirtschaftungsformen informieren. Einerseits um zu erfahren, »was die Bürger bewegt«, so Ralf Volgmann, Vorsitzender der SPD Wettenberg, und zum anderen, weil zum 1. Januar 2019 die Holzvermarktung durch die Landesbehörde Hessen Forst namens und im Auftrag der Kommunen neu geregelt werden soll. Wenn die örtlichen Politiker neu entscheiden, benötigen sie Grundwissen.

Forstamtsleiter Voll betonte mehrfach, er könne den Wald wohl erklären, letztlich entscheide aber die Politik. Thema war auch die Bodenverdichtung durch Vollernter: Jahre später wächst dort immer noch nichts. Voll verdeutlichte, Rücken mit dem Pferd funktioniere bei dicken Baumstämmen und hohem Holzanfall nicht mehr wirtschaftlich. Man würde keinem Landwirt die Rückkehr zum Pferd empfehlen. Ein Harvester befahre ausschließlich gekennzeichnete Rückegassen (weißer Doppelring am Baum). Im Bundesforstgesetz stehe ausdrücklich, »der Wald ist zu bewirtschaften«, sagte Voll. Für den Naturschutz stillgelegte Flächen bedeuteten weniger Holzverkauf und geringere Einnahmen und förderten zwangsläufig den Zukauf (Import).

Douglasien statt Fichten

In einem Fichtenbestand wütet der Borkenkäfer (Buchdrucker). Selbst Bäume mit weißem Punkt verschont der nicht. Dieses Kennzeichen bedeutet »Zukunftsbaum«. Wenn eine Fichte auf 40 Prozent ihrer Stammlänge eine grüne Krone habe, sei der Baum recht standsicher und könne 100 Jahre alt werden, erläutert Voll. Doch die Fichte sei auf dem Rückzug. Meist würden ersatzweise Douglasien gepflanzt. Als Kulturpflanze sei das Bäumchen empfindlich gegen Trockenheit, später verbissgefährdet, im Jugendalter windwurfgefährdet, aber nach vier Jahrzehnten stabil und der Baum mit dem größten Holzzuwachs jährlich.

Forstamtsleiter Voll erläuterte die Bewirtschaftungsalternativen: Nicht zuletzt könne man den Wald in Abschnitten sich selbst überlassen. Dann werden zunächst »Pionierarten« wie Kiefern und Ebereschen nachwachsen und später Buchen ihren Platz einnehmen. Aus waldwirtschaftlicher Sicht keine optimale Nutzung, doch der Waldbesitzer – die Gemeinde Wettenberg – könne natürlich auch andere Aspekte, wie den Naturschutz, in den Vordergrund stellen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Hessen Forst
  • SPD
  • SPD Wettenberg
  • Waldgebiete
  • Wettenberg
  • Volker Heller
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.