16. Juli 2018, 21:56 Uhr

Das wundersame Prunkstück

16. Juli 2018, 21:56 Uhr
Wie ein Wächter thront ganz oben auf dem Dach eine tönerne Figur (kleines Bild) über dem »Paradiesgärtlein« in Lang-Göns. (Fotos: srs)

Unser vierter Teil der Schatzsuche war für viele Leser eine harte Nuss. Die abgebildete tönerne Figur auf dem Dach des Fachwerkhauses, nach dem wir gesucht haben, war für viele keine große Hilfe. Ein Kompliment daher für die zwölf Leser, die erkannten, dass es sich um das »Paradiesgärtlein« in der Obergasse in Lang-Göns handelte.

An der Stelle des hessischen Kulturdenkmals soll sich vor 400 Jahren ein Wunder zugetragen haben. Man nimmt an, dass das Gebäude zur damaligen Zeit zum Teil als Gasthaus diente. 1624, während des Dreißigjährigen Kriegs, kam der papsttreue Leutnant Zacharias von Brechen mit Gefolge in das Dorf und übernachtete dort. Als sein neugieriger Trompeter den Ort erkundete, fand er im Pfarrhaus ein evangelisches Gebetsbüchlein auf der Fensterbank liegen und nahm es mit ins Wirtshaus. Der Leutnant aber, ein strenger Katholik, entriss dem Trompeter das Buch und warf es wütend in das Ofenfeuer. Dann entdeckte die Wirtin eine Stunde später das Wunder: Sie fand das Gebetsbuch unversehrt in der Glut liegen und zog es unversehrt aus den Flammen. Diese Geschichte verbreitete sich schnell in der ganzen Region – und darüber hinaus: Das mittelhessische »miracle« wurde 1625 in der französischen Zeitschrift »Mercure Francois« erwähnt.

Eine Leserin wusste außerdem eine interessante Geschichte zu erzählen. Vor 40 Jahren habe sie das Gebäude renoviert und darin auch eine Zeit lang gewohnt. Sie habe zum Beispiel die Fugen des Bruchsteinsockels neu verfugt, habe Balkenverzierungen freigelegt. »Auch haben wir den Anfang eines unterirdischen Ganges im Gewölbekeller freigelegt«, berichtet die Leserin. »War insgesamt ein Abenteuer.«

Feine Schnitzereien

Einen Ausflug zu dem Haus ist das 1782 errichtete Nachfolgegebäude allemal wert. An der Fassade erkennt man noch die beiden ehemaligen und heute vermauerten Eingänge. Das Fachwerkgefüge an der Giebelseite ist symmetrisch aufgebaut und stammt wie das übrige Fachwerk aus der Erbauungszeit. Im ersten Stock an der Traufseite befinden sich komplett ausgebildete geschosshohe Mannfiguren. An einer Pforte ist ein doppelt ornamentierter Kerbschnitt zu sehen – eine mit dem Messer ausgeführte Art der Flächenverzierung. Zu bewundern sind außerdem Muster im Fachwerk, die Eckständer des Hauses mit feinen Schnitzereien und die mit Profil versehenen Fachwerkschwellen und Füllhölzer.

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