16. Januar 2018, 05:00 Uhr

Rewe-Chefs im Gespräch

Das soll mit dem Rewe-Standort in Hungen passieren

Rewe will in Berstadt ein Logistikzentrum bauen. Was wird aus dem Standort in Hungen? Im Interview sprechen drei Rewe-Führungskräfte über die Pläne.
16. Januar 2018, 05:00 Uhr
Neu-Isenburg, Gewerbegebiet MainLog mit dem Rewe Distributionszentrum RED 63 (Foto: Leo F. Postl)

Rewe will das Logistikzentrum in Hungen ersetzen. In Berstadt soll ein neuer Standort entstehen. Hungen soll jedoch als Verwaltungsstandort beibehalten werden, erklärt Jürgen Schneider, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Rewe-Zweigniederlassung Mitte. Zudem denke man über eine Nachnutzung des Lagers nach – allerdings werde es sich dabei um eine kleinere Logistik handeln, zum Beispiel könnte das ein Retouren-Geschäft sein, in dem Non-Food-Artikel neu verpackt werden. Genaue Pläne gebe es aber noch nicht. Zu den Plänen haben wir neben Schneider auch Hans-Martin Obermann und Manfred Sapper, alle für Rewe arbeitende Führungskräfte, in einem Interview befragt.

Wie soll das Logistikzentrum in Berstadt aussehen?

Hans-Martin Obermann: Die Planung ist noch nicht so konkret, dass wir es auf 100 Quadratmeter genau sagen können. Das Lager wird eine Grundfläche von 100 000 Quadratmetern haben. Voraussichtlich werden zwei Drittel eine Höhe von 25 Metern haben, ein Drittel bis 35 Meter hoch sein.

Warum ein neues Lager bauen und nicht die vorhandenen, Rosbach und Hungen, ausbauen?

Jürgen Scheider: Wir sind an der Kapazitätsgrenze angelangt. In den vergangenen Jahren sind wir sehr gewachsen. Gerade das Frischelager in Rosbach ist an seiner Grenze. In Hungen haben wir überall angebaut, wo es geht. Wir haben lange überlegt, wie wir weitermachen, da kam die Überlegung, an einen neuen Standort zu gehen.

 

»1200 Lkw-Bewegungen pro Tag«

Manfred Sapper, LeLeiter REWE Logistik Mitte-Nord (Foto: sda)
Manfred Sapper, LeLeiter REWE Logistik Mitte-Nord (Foto: sda)

Wird es in Berstadt Erweiterungsmöglichkeiten geben?

Obermann: Es sind 10 bis 15 Prozent Erweiterungsfläche vorgesehen. Dann ist die Grenze zur Bundesstraße erreicht. Zudem sind wir mit der Planung ca. 350 Meter vom Vogelschutzgebiet entfernt, daher können wir das Gebäude nicht Richtung Echzell verschieben.

Wie hoch wird das durch Rewe verursachte Verkehrsaufkommen sein?

Manfred Sapper: Insgesamt ca. 1200 Lkw-Bewegungen pro Tag, also Fahrten von eigenen und anliefernden Lkw. Wobei drei Viertel davon heute schon in dem Gebiet des neuen Lagers unterwegs sind.

 

Einfahrt auf Kreisstraße geplant

Jürgen Scheider, Vorsitzender der Geschäftsleitung REWE Zweigniederlassung Mitte (Foto: sda)
Jürgen Scheider, Vorsitzender der Geschäftsleitung REWE Zweigniederlassung Mitte (Foto: sd...

Bisher ist nicht klar, wie der vom Logistikzentrum kommende Verkehr geleitet wird – wie sehen Ihre Planungen aus?

Obermann: Das hängt von der Genehmigung ab. Nach derzeitigem Stand kommt die Einfahrt auf die Kreisstraße. Dort ist auch eine zweite Einfahrt angedacht für den Pkw-Verkehr. Auf der Kreisstraße sowie auf der Bundesstraße soll es Richtung A 45 eine Lkw-Spur geben, sodass die Lkw nicht den restlichen Verkehr belasten.

Wie wird sich der Verkehr in Wölfersheim entwickeln?

Obermann: Das Verkehrsaufkommen dort wird sich reduzieren. Das ist der Tatsache geschuldet, dass viel mehr abfließender Verkehr über die A 45, sowohl Richtung Wetzlar als auch Richtung Hanau, laufen wird. Zudem fällt der Pendelverkehr zwischen Rosbach und Hungen weg.

Wölfersheim: »ein Glücksfall«

Auch in Echzell sorgt man sich über erhöhtes Verkehrsaufkommen durch Rewe.

Obermann: Heute gibt es in der Regel genau einen Lkw, der in Richtung Echzell fährt – der, der den Markt dort beliefert. Den wird es auch künftig geben. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass es ansonsten grundsätzlich keine sinnvolle Alternative ist, durch Echzell zu fahren.

Zum Standort Berstadt. Sie nennen als Vorteil u.a. die Autobahnanbindung. Davon gibt es im Umkreis allerdings einige. Wieso also Berstadt?

Scheider: Wir haben über viele Standorte nachgedacht. Natürlich war auch der Betriebsrat involviert. Diesem lag am Herzen, dass wir eine Stelle finden, die für alle Mitarbeiter gut zu erreichen ist. Wölfersheim ist ein Glücksfall, weil es in der Mitte liegt.

Obermann: Wir haben zunächst einen Dritten mit einer Studie beauftragt. Die Anforderungen: Großraum Frankfurt/Rhein-Main, 30 Hektar, ebenerdig, 35 Meter Hallenhöhe.

Warum nicht in der alten Kaserne?

Hans-Martin Obermann: REWE Group Köln, Leiter Immobilien Asset Management, verantwortlich für die Projektentwicklung in Wölfersheim (Foto: sda)
Hans-Martin Obermann: REWE Group Köln, Leiter Immobilien Asset Management, verantwortlich ...

Was waren die Alternativen?

Obermann: Geprüft worden sind u.a. Flächen in Gießen, Butzbach, Friedberg, Fernwald, Hungen, Hanau, Großen-Buseck.

In Butzbach und in Friedberg bspw. gibt es alte Kasernen-Flächen, die bereits betoniert sind. Warum haben Sie einen Acker statt einer dieser Flächen gewählt?

Obermann: Die Kaserne in Friedberg haben wir geprüft. Die größte zusammenhängende Gewerbefläche war nur ca. zehn Hektar groß, dazu kommt, dass sie direkt an der Wohnbebauung liegt. In Butzbach ist der Magna-Park – dort ist auch keine ausreichende Fläche mehr vorhanden, außerdem wäre das knapp außerhalb des Zielgebiets.

Wieso auf einen Acker?

Rewe wirbz mit regionalen Produkten. Wie passt es da zusammen, dass die Böden in Berstadt, die eine gute Qualität aufweisen, für ein Logistikzentrum betoniert werden?

Scheider: Wir haben eine Fläche gesucht, die passend ist, diese wurde uns angeboten. Wir sind offen für Ideen, wie Teile des Bodens umzulagern, also Erde an einen anderen Standort zu bringen. Wir haben u.a. Umweltverbänden und Kirchen angeboten, in einem Arbeitskreis dazu mitzuarbeiten.

Also haben Sie abgewogen und den Verlust der Ackerfläche hingenommen?

Obermann: So ist es. Ebenso wie das Regierungspräsidium. Um es deutlich zu sagen: Ja, wir sind uns der Probleme bewusst, und wir gehen nicht leichtfertig darüber hinweg. Wir wissen, dass das für uns ein sehr guter Standort ist, gerade unter dem Aspekt regionale Standorte. Dazu kommt, dass das Gebäude nach den neuesten Standards der Nachhaltigkeit gebaut wird und die Außenanlagen entsprechend gestaltet werden. Es gibt die Möglichkeit, Photovoltaikanlagen anzuschaffen, wir werden einen viel geringeren Energieverbrauch haben als an den jetzigen Standorten. Wenn man das abwägt, stehen wir in Sachen Nachhaltigkeit auf der Haben-Seite gegenüber dem Ist-Zustand.

»Mitarbeiter nehmen wir mir«

Thema Arbeitsplätze: Werden alle Mitarbeiter mitkommen? Und ergeben sich aus dem neuen Standort Arbeitsplätze?

Scheider: Wir wachsen. Und damit entstehen Arbeitsplätze. Die aktuellen 550 nehmen wir mit. Stellen Sie sich mal vor, wir hätten vor, ins Rhein-Main-Gebiet abzuwandern und die Arbeitsplätze hier aufzulösen. Das hätte auch Kritik gegeben.

Der BUND hat Klage gegen das Vorhaben eingereicht – also gegen die Zielabweichung vom Regionalplan. Wie werden Sie damit umgehen?

Obermann: Die Gemeinde Wölfersheim hat beantragt, dass der Beschluss zur Zielabweichung des Regionalplans mit sofortiger Vollziehung ausgestattet wird. Alle weiteren Entscheidungen warten wir ab.

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