13. Juli 2018, 13:00 Uhr

Ausflugslokal

Das Allendorfer "Schnakenloch" als Kulturmagnet?

Workshops mit Schlagzeug-Größen, Kulturfeste, eine Quad-Rennbahn: Die Betreiber des »Quellenhofs« sprudeln vor Ideen. Was wird aus dem großflächigen Idyll am »Schnakenloch«?
13. Juli 2018, 13:00 Uhr
»Der Dicke gehört einfach hierher«, sagt Andy Herchen, »ich meine den Buddha«. (Fotos: jwr)

Dass die Allendorfer dem Gelände ausgerechnet diesen Namen gegeben haben, hat seinen Grund. Andy Herchens Beine sind voller Stiche, die er sich über Wochen am »Schnakenloch« eingehandelt hat. Er sitzt entspannt auf einem Liegestuhl, ein paar Meter unterhalb des idyllischen Sees, umgeben von malerischer Landschaft.

Seit zwei Monaten ist er fast jeden Tag hier, ackert, genießt die Natur. »Wir haben hier Tonnen von Kräutern«, sagt Herchen. »Auch Beinwell – davon hatte ich noch nie gehört.«

Der Musiker, Gastronomie-Berater und Konzertveranstalter kommt aus Lich, das ja auch nicht gerade arm an Natur ist. Doch es scheint, als sei er erst hier zum Naturburschen geworden.

 

Musikbegeistertes Quartett

Das Ausflugslokal am »Schnakenloch« hat Herchen zufällig entdeckt. »Wir haben mit den »Misfits« in Allendorf gespielt. Dann bin ich vorbeigefahren und fragte mich: Was ist das denn hier?« Das riesige Gelände mit dem einsam gelegenen See hatte es ihm auf Anhieb angetan.

Er machte den Besitzer ausfindig, der in einem Teil der Gebäude Wohnungen vermietet hat.

»Wir versuchen, hier etwas aufzubauen«, sagt Herchen. Er hat drei Mitstreiter im Boot, die sich lange kennen: Frank Schendler, in den 80ern Sänger der Band »CCCP« und studierter Marketing-Experte, Sebastian Eberhard, Schlagzeuger, und Meikel Pedrana, unter anderem bekannt als Radio-Koch.

Das Quartett will dem brachliegenden Ausflugslokal neues Leben einhauchen und es weit über Allendorf hinaus bekannt machen.

 

Von Drum-Workshops bis Jam-Sessions

Der inzwischen zum See aufgewertete Sumpf speist sich aus Frischwasser-Quellen aus der Tiefe, daher rührt auch die neue Bezeichnung »Quellenhof«. Betreiber ist derzeit die »Big Drummerboy UG«, in der sich Herchen & Co. zusammengeschlossen haben.

Der See oberhalb des Gasthauses.
Der See oberhalb des Gasthauses.

Da verwundert es kaum, dass Raum für Schlagzeuger ein wichtiger Aspekt des neuen Konzepts sein soll. Herchen hat gute Kontakte zu Herstellern und zahlreichen Schlagzeugern, er baut selbst Modelle und gibt Unterricht. Ihm schwebt vor, einen Teil der Räume künftig für Drum-Workshops mit renommierten Musikern zu nutzen.

Der »Mosquito Club«, neudeutsch für »Schnakenloch«, soll auch aufstrebenden Bands aus der Region und Musikern, die sich zu spontanen Jam-Sessions treffen, eine Bühne bieten.

 

Über das Lumdatal hinaus

Die Pläne für das insgesamt 4 Hektar große Refugium reichen noch weiter: Herchen könnte sich ein Tattoo-Studio, Wellness-Angebote und mehr gut vorstellen. Auch eine Quad-Rennstrecke auf einem Teil des Geländes ist angedacht. Das Gästehaus hinter dem Ausflugslokal biete sich als Seminarzentrum an, sagt Herchen.

Regelmäßig donnerstags bis samstags sollen Veranstaltungen am geplanten Biergarten oder der »Strandbar« nebenan stattfinden, für Sonntage schwebt den Betreibern Biergarten-Betrieb mit Gastronomie vor.

Zwar soll der »Quellenhof« als Anziehungspunkt über das Lumdatal hinaus wirken, doch Herchen ist sich sicher: Das Konzept steht und fällt damit, lokale Akteure einzubinden.

 

»Eine Chance für die Dörfer«

»Ältere Leute aus dem Dorf haben mir gesagt: Das Schnakenloch war früher eine Kommunikationsstätte für die umliegenden Orte. Da wollen wir wieder hin. Wir wollen niemanden vor den Kopf stoßen, aber diesen Raum neu denken«, sagt er.

 

Wir wollen niemanden vor den Kopf stoßen, aber diesen Raum neu denken

Andy Herchen

»Es ist eine Chance für die ganzen Dörfer.« Auch für die Einbindung der Menschen aus dem Lumdatal schwebt den »Drummerboys« schon einiges vor – etwa ein Dorfladen als Plattform für Landwirte, saisonale Feste, bei denen Vereine mitwirken können oder Kooperationen mit Gastronomen aus der Umgebung. Manche Ideen wirken noch wenig konkret, aber das soll noch werden.

Eigentlich bräuchte es weit mehr Hände, um das riesige Gelände in Schuss zu bringen, zu halten. Weitere Helfer sind sehr willkommen. Vielleicht, sagt Herchen, wäre ein Verein mit dem Zweck, das »Schnakenloch« zu erhalten, ein gutes Vehikel.

 

Testphase ist bald vorüber

Ein paar Meter neben dem See schuften Handwerker in der brütenden Hitze. Das in die Jahre gekommene Wirtshaus ist eingerüstet, neu eingedeckt und teils mit hellem Holz verkleidet. Über Jahre hinweg fristete das »Schnakenloch« ein tristes Dasein. Vor sechs Jahren endete die vorerst letzte Episode, nach dem Aus eines chinesischen Restaurants tat sich lange nichts.

Zum Auftakt haben die Betreiber auf Probe über die Stränge geschlagen. »Nach dem Misfits-Konzert hier gab es eine Anwohnerbeschwerde.« Nachbarn in Sichtweite hat das Anwesen nicht – Herchen gibt zu, dass es ziemlich laut war.

Er will es sich mit der Stadt, die sich aufgeschlossen zeige, nicht verscherzen. Und erst recht nicht mit dem Besitzer. Die Testphase der »Drummerboys« ist bald vorüber. Anfang August soll klar sein, was aus dem verborgenen Idyll wird.

Info

Das sagt der Besitzer

Seit anderthalb Jahren gehört das »Schnakenloch« samt Gebäuden einem Unternehmer aus der Region. Er möchte namentlich nicht erwähnt werden, äußert sich aber zur Perspektive. Er habe die Immobilien »mit der Prämisse übernommen, etwas daraus zu machen«. Da er schon einiges investiert habe, müsse bald eine Entscheidung her. Grundsätzlich begrüße er die Pläne. Nun sei es an Herchen & Co., zu entscheiden, ob sie dauerhaft pachten wollen.

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