05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

Windräder

Darum stockt die Umsetzung der Energiewende im Gießener Land

Die Energiewende wurde an unkomplizierten und ertragreichen Standorten im Landkreis Gießen zügig umgesetzt. Bei anderen Projekten hakt es derzeit deutlich.
05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

Von Rüdiger Soßdorf , 1 Kommentar
Einige Windkraftprojekte im Landkreis wurden schnell umgesetzt, bei anderen Standorten hakt es derzeit. Die Gründe sind unterschiedlich. (Archivfoto: tb)

Die Windräder in der Lahnauer Gemarkung Richtung Bieber liegen auf Eis. In Biebertal gibt es zwar eine Vorrangfläche im Helfholz nahe Königsberg, aber die Gemeinde bereitet eine Klage gegen das Verfahren vor.

Und das aktuell größte Vorhaben, der interkommunale Windpark am Rande des Lumdatals, kommt auch nicht so recht voran: Die Energiegesellschaft Lumdatal, an der sich etliche Städte und Gemeinden sowie weitere Institutionen aus der Region beteiligen, hat jetzt zum zweiten Mal bei einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur keinen Zuschlag bekommen.

Sieben Kommunen gemeinsam

Was steckt dahinter? Sieben Kommunen aus dem Gießener und Marburger Land wollen zusammen mit der Energiegesellschaft Lumdatal und dem Projektentwickler iTerra Windkraftanlagen bauen. Geplant sind vier Windräder inklusive Schalt-, Mess-, Transformator- und Übergabestationen auf Staufenberger Gemarkung, berichtete diese Zeitung vor gut einem Jahr.

Allendorf/Lumda, Staufenberg, Buseck, Lollar Rabenau, Wettenberg sowie die Stadtwerke Gießen und die Energiegenossenschaft Sonnenland stehen hinter dem Windkraftprojekt. Staufenberg will die Partnerkommunen finanziell an der Pacht beteiligen.

70 Prozent der Pacht sollen in Staufenberg bleiben und 30 Prozent sollen verteilt werden. Denn die Partner verzichten auf eigene Windkraft-Flächen. Hinzu kommen eben die Erträge.

Angebot passte nicht

Doch da klemmt es. Denn die Bundesnetzagentur mit Sitz in Bonn schreibt die Lieferungen von Strom aus Windenergie aus. Wer Windmühlen errichten will, gibt sein Gebot ab.

Die Staufenberger und ihre Partner hatten sich beworben, hatten ein Gebot abgegeben mit Blick auf ihren geplanten Windpark, sind aber nicht berücksichtigt worden.

Ihr Gebot, Strom für 3,87 Cent je Kilowattstunde zu liefern, war nicht günstig genug. Das ist jetzt schon zum zweiten Mal, dass die Staufenberger außen vor bleiben. Bei der nächsten Ausschreibung zum 1. Februar 2018 wird es einen neuen Anlauf geben.

Pläne auf Eis

In Biebertal gibt es nahe Königsberg eine im Teilregionalplan Energie festgelegte Vorrangfläche für Windkraft. Trotz des erheblichen Protests aus der Gemeinde selbst sowie auch Bedenken bei einigen Mitgliedern der Regionalversammlung war die Fläche im vergangenen Jahr im Plan aufgenommen worden.

Die Biebertaler rüsten sich aktuell für eine juristische Überprüfung: Im Haushalt für 2018 der Gemeinde werden 25 000 Euro eingestellt.

Eventuell Normenkontrollklage

Das haben die Koalitionspartner Freien Wähler und CDU verabredet, um mit dem Geld eine anwaltliche Beratung und gegebenenfalls eine Normenkontrollklage gegen den Teilregionalplan Energie zu bestreiten – wegen des sogenannten Vorranggebiets 1404, der Fläche am Helfholz nahe Königsberg.

Und Lahnau? Da gibt es eigentlich einen Investor beziehungsweise Betreiber für einen Windpark mit bis zu fünf Mühlen am so genannten Eisenkopf, und auch die kommunalpolitische Beschlusslage ist schon seit geraumer Zeit gegeben.

Im Bürgermeisterwahlkampf wurde das erneut zum Thema, und die CDU, die mit Silvia Wrenger-Knispel nun die Bürgermeisterin stellt, positionierte sich dagegen.

Mittlerweile hat das Unternehmen den Dialog mit der Gemeinde aufgenommen und mitgeteilt, »dass mit der aktuellen Standortkonfiguration, bei den aktuellen Anlagenpreisen und diesen Einspeisepreisen kein wirtschaftlicher Betrieb des Windparks möglich ist.«  Das hat dieser Tage die Wetzlarer Neue Zeitung berichtet.

Ergo sind die Pläne auf Eis gelegt und müssten gegebenenfalls modifiziert werden. So wird es in Lahnau bis auf weiteres auch erst mal nichts mit Windrädern.

Ehrgeiziges Ziel

Teilregionalplan Energie

Das ehrgeizige Ziel für Mittelhessen ist es, bis zum Jahr 2050 den gesamten Bedarf der Region an Strom und Wärme durch Erneuerbare Energien zu decken. Das sieht derTeilregionalplan Energie vor. Der Plan legt die Flächen fest, auf den Windkraftanlagen, oder Anlagen für Photovoltaik oder Biomassenutzung gebaut werden können. Der Schwerpunkt liegt auf Windenergie mit rund 130 Vorrangebieten auf 12100 Hektar (2,2 Prozent der Fläche in der Region).

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bundesnetzagentur
  • CDU
  • Energie
  • Energiewende
  • Freie Wähler
  • Normenkontrollklagen
  • Staufenberg
  • Windenergie
  • Windparks
  • Windräder
  • Kreis Gießen
  • Rüdiger Soßdorf
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


1
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.