27. Januar 2009, 22:10 Uhr

Dagmar Schmidt will für Lahn-Dill nach Berlin

Gießen/Wetzlar (so). Dagmar Schmidt aus Kleinlinden will Bundestagsabgeordnete werden. Am Samstag bewirbt sich die studierte Historikerin und enge Vertraute von Thorsten Schäfer-Gümbel bei der Wahlkreiskonferenz der SPD in Aßlar um die Nachfolge von Helga Lopez.
27. Januar 2009, 22:10 Uhr
Dagmar Schmidt

Gießen/Wetzlar (so). Dagmar Schmidt aus Kleinlinden will Bundestagsabgeordnete werden. Am Samstag bewirbt sich die studierte Historikerin und enge Vertraute von Thorsten Schäfer-Gümbel bei der Wahlkreiskonferenz der SPD in Aßlar um die Nachfolge von Helga Lopez. Diese hatte am Montagabend öffentlich angekündigt, auf eine neuerliche Kandidatur für den Deutschen Bundestag zu verzichten, und damit die Konsequenzen gezogen aus der anhaltenden Debatte um ihre Person, die in ihrer Partei und teils auch öffentlich geführt wurde. Der ebenfalls am Montag tagende SPD-Unterbezirksvorstand in Wetzlar nominierte die 35-jährige Gießenerin Schmidt einstimmig, nachdem Lopez das Handtuch geworden hatte.

Wenn am Samstag die Delegierten im SPD-Unterbezirk Lahn-Dill zusammentreten, um über die Kandidatur zu befinden, wird die 35-jährige Schmidt womöglich die einzige Bewerberin sein. In den vergangenen Wochen hatten sich zwar mindestens sechs der 23 Ortsvereine aus dem Land zwischen Westerwald und Lahn von Lopez distanziert oder sich gar offen gegen die frühere Biebertaler Bürgermeisterin ausgesprochen; eine personelle Alternative wurde zwischen Dillenburg und Wetzlar, Wettenberg und Braunfels bis dahin aber nicht aufgezeigt. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Reitz aus Braunfels, einer der öffentlichen Kritiker von Lopez, soll seine Ambitionen zurückgestellt haben. Die SPD Lahn-Dill gilt als schwierig, weil sehr heterogen. Böse Zungen sprechen gar »von einem Haifischbecken, keinem Goldfischteich«

Der Unterbezirksvorstand der SPD Lahn-Dill hatte in den vergangenen Wochen zweifach bekräftigt, an Lopez festzuhalten; auch Parteilinke und Gewerkschafter hatten sich für Lopez eingesetzt, die im Spätherbst für Schlagzeilen gesorgt hatte mit ihrer »Silberlinge«-Mutmaßung im Zusammenhang mit den vier MdLs, die eine Regierung Ypsilanti im Land nicht mittragen wollten. Daraufhin war eine private, kurz zuvor bereinigte Steuerangelegenheit der Bundestagsabgeordneten publik gemacht worden. Die Abgeordnete hatte 2008 einen Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung erhalten, akzeptiert und beglichen.

Am Donnerstag bereits hatte Lopez den Unterbezirksvorsitzenden Wolfgang Schuster informiert, am Montag nun nahm der SPD-Unterbezirksvorstand Lahn-Dill den Verzicht auf eine weitere Kandidatur zum Bundestag »mit Respekt zur Kenntnis« und dankte »für engagierte politische Arbeit im Bundestag und im Wahlkreis«.

Die jetzt einmütig vorgeschlagene Dagmar Schmidt ist langjähriges Mitglied des SPD-Bezirksvorstandes Hessen-Süd und Mitglied des Bundesparteirates der SPD; zudem gehört sie dem Gießener Kreistag an, ist stellvertretende Vorsitzende ihrer Fraktion. In Kleinlinden ist Schmidt im Ortsbeirat, zuletzt arbeitete sie als Parlamentarische Referentin/Grundsatzreferentin der SPD-Landtagsfraktion. Sie war Ende der 90er-Jahre Juso-Vorsitzende des Bezirks Hessen-Süd; damals in der Nachfolge von Thorsten Schäfer-Gümbel, der wiederum Nina Hauer, die heutige MdB aus der Wetterau, beerbt hatte. Schmidt gilt als zielstrebig und unglaublich fleißig, Freunde bezeichnen sie als zuverlässig und pragmatisch. Sie hatte als Mitglied des SPD-Landesvorstands die Koalitionsverhandlungen mit den Grünen in Hessen im Herbst eng begleitet.

Erst im November war Schmidt in Lollar von der SPD Gießen/Vogelsberg mit 80 Prozent der Delegiertenstimmen als Kandidatin für die Landesliste zur Bundestagswahl gewählt worden.

»Wir wollen einen Kandidaten, der gute Aussichten auf ein Mandat hat«, begründete SPD-Sprecher Stephan Grüger gestern die Nominierung von Schmidt. Sie sei »schon immer eine respektable Aspirantin für eine Kandidatur« gewesen. Nicht der Wohnort Kleinlinden (Grüger: »Quasi an der Grenze zum Lahn-Dill-Kreis) sei entscheidend, sondern Fragen nach bundespolitischen Kompetenzen, nach Kenntnis der Region, nach der »Fähigkeit, die Sprache der Menschen hier zu sprechen«. All dies könne man bei Dagmar Schmidt mit »Ja« beantworten.

Nicht bestätigen wollte Grüger, dass »TSG« den Parteifreunden an Lahn und Dill Schmidt als Kandidatin persönlich vorgeschlagen habe. Die Kandidatin selbst erläuterte gestern, vom Unterbezirksvorsitzenden Wolfgang Schuster angefragt worden zu sein.

*

Neben der SPD Lahn-Dill hat gestern einzig der wieder in den Landtag gewählte FDP-Politiker Wolfgang Greilich aus Gießen den Lopez-Verzicht kommentiert: Lopez habe »mit ihrem Verhalten und der Diffamierung der vier aufrechten SPD-Landtagsabgeordneten dem Ansehen der parlamentarischen Demokratie schweren Schaden zugefügt. Ihr jetzt bekanntgegebener Rückzug kommt zwar sehr spät. Aber auch hier gilt wie bei den vier ›abtrünnigen‹ SPD-Landtagsabgeordneten: Für eine richtige Entscheidung ist es nie zu spät.«

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