23. November 2018, 18:00 Uhr

Bürgermeisterwahl in Linden

Bürgermeisterwahl in Linden: Was Amtsinhaber Jörg König noch vorhat

Jörg König will am 9. Dezember wieder zum Bürgermeister in Linden gewählt werden. Der 51-Jährige möchte, sollte er gewinnen, zwei Großprojekte angehen, die schon als gescheitert galten.
23. November 2018, 18:00 Uhr
Jörg König (Foto: srs)

Orangen machen derzeit wieder die Runde in Linden. Jörg König (CDU) verteilt sie in seinem Wahlkampf bei seinen Besuchen von Haustür zu Haustür – wie vor sechs Jahren, als er mit 50,5 Prozent der Stimmen gegen zwei weitere Kandidaten zum Bürgermeister gewählt wurde. »Damals hatte ich ein schweres Stimmbandproblem«, erinnert er sich. »Das war eine zusätzliche Herausforderung.« Nun tritt der 51 Jahre alte König für eine zweite Amtszeit an. Die Stimme funktioniert. »Und ich bin in meinem zweiten Wahlkampf wesentlich ruhiger.«

Man sollte nichts gegen die Bürger unternehmen

Jörg König zur Grube Fernie

Zwei Zahlen verdeutlichen, wie sich die Bedingungen in Linden in den vergangenen Jahren gewandelt haben. 2013, zu Beginn von Königs Amtszeit, nahm die Stadt rund 2,7 Millionen Euro durch die Gewerbesteuer ein, Linden war klamm. »Wir mussten damals ein Haushaltskonsolidierungskonzept aufstellen.« Im vergangenen Jahr nun lagen die Gewerbesteuereinnahmen bei 13,4 Millionen Euro. »Dabei ist in der Zeit gar kein großer Gewerbebetrieb hinzugekommen«, sagt König. Es seien schlicht Unternehmen vor Ort, »die gut am Markt stehen«. Die positive Entwicklung ist wohlgemerkt vor allem ein Verdienst des Vorgängers Königs, Dr. Ulrich Lenz, der die Möglichkeiten für große Gewerbeflächen in Linden schuf. »Ich war noch ein Junge, als das Metro-Gelände im Lückebachtal entstanden ist«, blickt König zurück.

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Eines steht unterdessen fest: Für den nächsten Bürgermeister Lindens gibt es günstige finanzielle Bedingungen, um zu gestalten. König will zwei Großprojekte angehen, sollte er wiedergewählt werden: zum einen ein interkommunales Gewerbegebiet »Pfaffenpfad« gemeinsam mit Gießen. »Das Vorhaben ist schon einmal gescheitert«, räumt er ein. »Aber ich will es neu versuchen.« Er sei von dem Standort an der Autobahn nach wie vor überzeugt. Er stehe in Kontakt mit dem Gießener Bürgermeister, »auch wenn es dort momentan andere Prioritäten bei Gewerbeflächen gibt.« König hält fest: »Selbst wenn wir mit Gießen eine Gesellschaft gründen würden, in der Linden nicht die Mehrheit hätte, könnte das für uns in Ordnung sein.«

 

Glücksbringer aus Warabi

Und auch um ein weiteres, in der Vergangenheit gescheitert geglaubtes Projekt will sich König kümmern: einen Anschluss an die A 485 im Bereich Oberhof. Bei einem ersten Versuch vor acht Jahren sei festgestellt worden, dass es nicht ausreichend Verkehr gebe, um in den Autobahnverkehr einzugreifen. »Aber die Situation hat sich geändert«, ist sich König sicher.

Eine Kette mit einer Perle hängt um den Hals des Bürgermeisters. Ein Glücksbringer aus der japanischen Partnerstadt Warabi. Noch 16 Tage sind es bis zur Bürgermeisterwahl am 9. Dezember. »Wahlkampf ist wie ein Marathonlauf bei Kilometerzahl 33« sagt der langjährige Leichtathlet und Triathlet. Heute neige er eher dazu, in freien Minuten auf der Couch zu liegen. »Beim Sport habe ich aber gelernt, was man braucht, um sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.«

Als Sportler habe ich gelernt, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen

Jörg König zur Grube Fernie

Unter Beschuss war König derweil vor einer guten Woche im Akteneinsichtsausschuss, wo die Fraktionen fehlende Dokumente zu wichtigen Lindener Bauprojekten feststellten und beklagten, dass die Stadt immer wieder dasselbe Planungsbüro ohne vorherige Ausschreibung beauftragt hat. »Das machen wir jetzt besser«, sagt König. Das Bauamt der Stadt sei mit 30 Stunden für eine Personalkraft längere Zeit sehr dünn besetzt gewesen, erst im vergangenen Jahr sei ein Techniker hinzugekommen. »Wir wollen noch jemanden einstellen, der auf Ausschreibungen spezialisiert ist«, kündigt König an.

Während der vergangenen Monate hat er insbesondere in der Diskussion um die Grube Fernie bewiesen, dass er Stimmungen unter den Bürgern bei polarisierenden Themen aufzugreifen weiß. Während die Koalition aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern die Natur der Grube Fernie stärker vor Spaziergängern, Joggern und Radfahrern schützen und diese von einem Bereich des FFH-Gebiets fernhalten will, stemmt sich der Bürgermeister dagegen. »Ich habe einfach nur gesehen: Da soll etwas passieren. Und ich persönlich bin dagegen, wie viele andere.« Das Thema selbst habe er gar nicht auf die Agenda gesetzt, betont er. »Man sollte nichts gegen die Bürger unternehmen.«

 

Traumberuf eines Lindeners

König ist in Linden aufgewachsen, besuchte die Kita in der Bahnhofstraße und der Obergasse und die heutige Anne-Frank-Schule. Nur einmal spielte er nach der Schulzeit mit dem Gedanken, seinen Heimatort zu verlassen. »Eigentlich wollte ich Pilot werden«, erzählt er. »Bei der Einstellungsuntersuchung aber wurde festgestellt, dass ich über kein räumliches Sehen verfüge. Dann war es vorbei.«

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Königs Mutter, eine Arzthelferin saß bereits für die CDU im Großen-Lindener Stadtparlament, der Vater war Elektriker. »Es wurde bei uns immer politisch diskutiert.« 2000 wurde er in den Lindener CDU-Vorstand gewählt, ein Jahr später war er im Stadtparlament, bevor er 2011 Erster Stadtrat wurde. Das Amt des Bürgermeisters sei »ein Traumberuf«, sagt er. Die verbleibenden Tage des Wahlkampfs vergleicht er mit Sport. »Glauben Sie mir, ich kenne Wettbewerb. Und verlieren mag keiner.«

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