Zum 1. Januar fusionieren die Kirchenkreise Wetzlar und Braunfels zum neuen »Kirchenkreis an Lahn und Dill«. Rund 74 400 Protestanten aus 50 Kirchengemeinden der Rheinischen Kirche werden in dem Zusammenschluss vereint, zu dem auch acht Kindertagesstätten und zwei Diakoniestationen zählen. Neben den Vorteilen der Fusion, etwa einer verstärkten Zusammenarbeit unter den einzelnen Gemeinden, gibt es jedoch auch sorgenvolle Stimmen. Sie fürchten finanzielle Engpässe auf die Gemeinden zukommen, die im schlimmsten Fall zum Verkauf von Kirchenbauten oder Gemeindehäusern führen könnten.

Kostenfalle Sanierung

In den kommenden zehn Jahren ist eine Umstellung der Finanzierungssysteme geplant. Bislang gibt es im Kirchenkreis Braunfels eine Zuweisung, die sich aus Kirchensteuern und Finanzausgleichsleistungen zusammensetzt. Dies sorge dafür, dass auch »Kleinstkirchengemeinden und flächenmäßig ausgedehnte Kirchengemeinden ausreichend berücksichtigt werden«, teilte das Evangelische Rentamt Wetzlar auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung mit.

Im Kirchenkreis Wetzlar, zu dem unter anderem die Kirchengemeinden Ober- und Niederkleen, Dornholzhausen, Hüttenberg, Wißmar, Krofdorf-Gleiberg und Salzböden gehören, erhalten diese »zurzeit eine Grundversorgung, die insbesondere Personal und Gebäude berücksichtigt«. Nach dem Zusammenschluss soll ein einheitliches Verteilsystem eingeführt werden. Es soll sich bis 2023 einer Pro-Kopf-Verteilung annähern, »ab 2028 wird eine reine ›pro Kopf‹-Verteilung praktiziert werden«, teilte das Rentamt mit.

Dies macht gerade den kleinen Kirchengemeinden Sorgen: Denn die Unterhaltungskosten für Kirchen und Gemeindehäuser machen bei einer Gemeinde mit nur einigen Hundert Gläubigen wesentlich mehr im Budget aus, als etwa in einer großen Gemeinde mit tausenden Protestanten. Zumal nicht nur die Gebäude selbst – neben der Kirche oft auch noch ein Gemeinde- und Pfarrhaus – unterhalten werden müssen, sondern auch der Pfarrer entlohnt werden möchte. Dessen Gehalt zahlt die Kirchengemeinde indirekt über eine Umlage, die an die Landeskirche geht. Für eine volle Pfarrstelle sind weit über 80 000 Euro Umlage pro Jahr fällig, weshalb gerade kleinere Gemeinden bereits jetzt nur eine halbe Pfarrstelle beanspruchen.

Derzeit garantiert die Landeskirche, dass 175 Euro pro Gläubigen an die Kirchengemeinde fließen, wovon diese sämtliche Umlagen, Verwaltungskosten und Gehälter für Küster und Reinigungspersonal zu bestreiten haben. »Insofern verbleibt jeder Kirchengemeinde etwa ein Drittel zur freien Verfügung.«

Eine Beispielrechnung: Bei einer Kirchengemeinde mit 500 Gläubigen wären dies somit 87 500 Euro im Jahr, wovon alle Kosten bestritten werden müssen. Nimmt diese Gemeinde eine halbe Pfarrstelle in Anspruch, wäre die Hälfte dieser Einnahmen bereits weg. Von den restlichen 44 000 Euro müssen dann alle laufenden Kosten gedeckt werden. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, was allein bei der Sanierung einer Kirche – in der Regel ein denkmalgeschütztes Gebäude – schnell zusammenkommen kann. 800 000 Euro Baukosten sind da keine Seltenheit, wie Beispiele aus dem Landkreis belegen.

Ein Extrabudget als Unterstützung bei Sanierungen ist nicht vorgesehen: »Mit den vorhandenen Mitteln müssen neben der kirchlichen Arbeit auch die Gebäude instand gehalten werden«, teilt der Kirchenkreis mit. Die Gemeinden könnten jedoch versuchen, Fördermittel von der Kommune oder der Denkmalpflege zu erhalten.

Der Zusammenschluss mehrerer Orte zu einer Kirchengemeinde kann zwar die Zahl der Gläubigen rechnerisch erhöhen. Die Kosten ließen sich dadurch aber kaum senken. Solch eine Gemeinde hat auch mehrere Gotteshäuser zu unterhalten, wenn man nicht das Bauwerk in einem Dorf aufgeben und verkaufen möchte. Wenn die alteingesessene, teils viele Hundert Jahre alte Kirche in einem Dorf verkauft wird und die Gläubigen fortan in den Nachbarort zu Gottesdiensten gehen müssen – dass dies bei der Bevölkerung gut ankommt, daran kann man irgendwie nicht glauben.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Kindertagesstätten
  • Kirchengemeinden
  • Kirchenkreise
  • Landeskirchen
  • Protestanten
  • Langgöns
  • Hüttenberg
  • Wettenberg
  • Patrick Dehnhardt
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.