06. Juni 2018, 22:28 Uhr

Bild hat sich komplett geändert

06. Juni 2018, 22:28 Uhr
Gruppenbild der indischen und deutschen Austauschschüler. Doch etwas trügt das Bild: Die Sari werden nur anlässlich der Präsentation des Landes getragen. (Foto: Gabor Srzamek)

Erwartet wurden Jugendliche in Saris und mit einem roten Punkt auf der Stirn – man kannte Indien nur aus Film- und Fernsehen. Begegnet sind den Schülern mit ihren Eltern moderne und mitten im Leben stehende Jugendliche, was ihr Bild von dem Subkontinent nachhaltig verändert hat. »Wir kannten das Land ja nur aus den Medien«, sagt Eva Wewel »aber jetzt hatten wir Indien bei uns zu Hause«, blickt sie zusammen mit zwei weiteren Eltern und acht Schülern aus Deutschland und Indien auf die vergangenen Tage zurück.

Bereits seit 2011 organisiert Manfred Knoll vom Rotary-Club Nidda den deutsch-indischen Schüleraustausch zwischen Jugendlichen der teilnehmenden Theo-Koch-Schule Grünberg und dem Gymnasium Nidda. Elf Schüler aus der indischen Metropole Mumbai im Alter von 16 bis 20 Jahren fanden für drei Wochen ein neues Zuhause bei ihren deutschen Gastfamilien.

Via Video-Chat kennengelernt

Mit dem Austausch, durch direkte Begegnungen sollen die Kenntnisse der indischen und deutschen Kultur ausgebaut werden. Dazu gehören unter anderem das Kennenlernen von Traditionen, Esskultur, Religionen, Landesgeschichte und auch von Empfindlichkeiten zwischen den Kulturen. Ein solches Unterfangen funktioniert aber nur, wenn die gesamte Familie mitzieht und zusammenarbeitet, denn ein Schüleraustausch ist auch immer ein Familienaustausch.

Schon Wochen zuvor haben sich die Schüler via Whatsapp und Video-Chat kennenlernen und beschnuppern dürfen. Auch wenn einige der Jugendlichen aus Mumbai einige wenige Brocken Deutsch können, verständigte man sich ausschließlich auf Englisch, was für viele Eltern nicht immer einfach war, wie Sabine Görnert, Angela Verworrn und Eva Wewel berichteten: »Unser Bild von Indien hat sich nicht nur komplett verändert, sondern wir Eltern und die Kinder sind während dieser ganzen Zeit zu einer Gruppe zusammengewachsen.« Aber auch unter den indischen Austausch-Schülern herrschten viele unterschiedliche Vorstellungen von Deutschland, die sich nicht immer bestätigten. Die freundliche und offene Art etwa, mit der die Jugendlichen von den deutschen Gastfamilien empfangen wurden, hat die Vorstellung von den verschlossenen und in sich gekehrten Deutschen bei ihnen aufgelöst, erzählt Sanya Khanna. Im Gegensatz zu ihrer Heimat sind den indischen Jugendlichen vor allem der fehlende Lärm und die wenigen Menschen in Deutschland aufgefallen. »Normally you are never alone in Mumbai - du bist niemals alleine in Mumbai«, sagt Mirisha Suchde hierzu, die sichtlich die Ruhe im Ländlichen genießt.

Die Vorbereitung zum Austausch fing für die Familien der Schüler schon ein Jahr zuvor am Tag der offenen Tür der Grünberger Theo-Koch Schule an. Viele Bedenken der Eltern, ihre Schützlinge auf eine so weite Reise in ein fremdes Land zu schicken, konnten die ehemaligen Austausch-Schüler des Vorjahres mit ihren Erfahrungsberichten ausräumen. »Da hat man einfach gespürt, dass die Jugendlichen Spaß hatten, was uns Eltern die Ängste und Sorgen genommen hat«, sagt Angela Veworrn.

Das einzige Problem, vor das die Eltern gestellt wurden, war, dass kein deutsches Gericht »spicy« genug für die Gäste aus Indien war und man vorsorglich scharfe Gewürze am Esstisch bereitstellte. »Beinahe hätte ich den Spargel geschärft«, verrät Mutter Sabine Görnert lachend.

Nach über drei Wochen geht es für die Jugendlichen nun wieder zurück nach Indien. Doch lange werden die Schüler nicht voneinander getrennt bleiben – schon jetzt freuen sich die elf Schülerinnen aus Grünberg und Nidda auf die kommenden Herbstferien. Denn dann geht es für sie nach Mumbai.

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